Jahrgang 
2 (1864)
Einzelbild herunterladen

den Hals welche 166' ne große während

ſ mptiven

Von Otto Jäger. 465

wurde ihm zum erſten- und letztenmal die erſehnte Ehre zu Theil,

für Rom ein öffentliches Werk auszuführen, ein Altarbild für die Kirche

San Giovanni da Fiorentini, denMärtyrertod der Heiligen Cosmas und Damian darſtellend.

Als Maler hatte nun Salvator Roſa den Gipfelpunkt ſeines Ehr⸗ geizes erreicht, aber auch in den Schweſterkünſten Poeſie und Muſik große Auszeichnung errungen. Der Philoſophie und den Wiſſenſchaften war er nicht fremd geblieben, während er zugleich die Luſt des Lebens in ihrer Fülle genoſſen; aber die Silberſaite des Daſeins, nun auf's äußerſte an⸗ geſpannt, war im Begriff zu zerreißen. Seine Thatkraft war ſein ganzes Leben über geſpornt worden durch das Streben nach etwas Unerreichtem; nun es für ihn nichts mehr zu erringen gab, verſank er geiſtig und phy⸗ ſiſch in einen Zuſtand von Trübſinn und Schwermuth. Er leiſtete nichts Großes mehr. Den Reſt ſeiner Tage verbrachte er mit dem Zeichnen von Karrikaturen voll des grämlichſten Humors oder gelegentlich mit Aus⸗ führung einer Landſchaft oder einer ländlichen Gruppe, bis ihm endlich der Pinſel entſank und er den Aerzten in die Hände fiel. Wie ihm be⸗ deutet wurde, daß ſein Zuſtand hoffnungslos ſei, ſchloß er ſich in ſeinem Zimmer ein, wies Speiſe und Trank von ſich und wollte niemand ſehen; als er zwei Tage ſpäter wieder zum Vorſchein kam, kannten ihn ſeine Freunde kaum mehr. Er legte ſich nun zu Bett, und am 15. März 1673 machte der Tod ſeinem Ringen nach Ruhm ſowohl, als den Anfeindungen des Neides ein Ende. An jenem Abend ſtrömte ganz Rom nach der Kirche Santa Maria degli Angioli alle Terme, um ſeinen Leichnam auf dem Katafalk zu ſehen. Seine Beiſetzung fand in der folgenden Nacht ſtatt.

Hausblätter. 1864. II. Bd. 30

1