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Von Otto Jäger. 463
den alten Bock niemand anders gemeint ſei, als der Pabſt ſelbſt. Der ſo gegen den kühnen Maler in Scene geſetzte Lärm kam auch zu den Ohren des Inquiſitors, und Salvator ſtand ſtündlich in Gefahr, nach den Kerkern des heiligen Officiums geſchleppt zu werden; der Fürſt Giovanni Carlo de Medici, einer ſeiner wärmſten Bewunderer, brachte ihn endlich dahin, daß er, ſo lange es noch Zeit war, nach Florenz entwich.
Hier wurde er von dem Großherzog von Toskana(dem Bruder des Prinzen Giovanni) und dem florentiniſchen Adel mit großer Herzlichkeit aufgenommen, denn man freute ſich, die Dienſte eines Mannes zu ge⸗ winnen, dem als Maler, Dichter und Tonkünſtler ein ſo großer Ruf vorangegangen war. Er nahm ein großes Haus, das er ſchön einrichtete, und hielt koſtbare Bankette für die créme-de-la-crême der italieniſchen Geſellſchaft. Auf die dramatiſchen Vorſtellungen, welche Salvator mit ſeinen Freunden während mehrerer Monate des Jahrs gab, folgten Sym⸗ posi oder klaſſiſche Abendmahle in Gemächern, die mit Moos belegt und von den herrlichſten Blumen durchduftet waren. Sein Haus wurde, wie ſein Biograph Baldinucci ſagt,„eine Akademie des Witzes, eine Wohn⸗ ſtätte der Heiterkeit und der Markt des Schönen.“
Den Aufwand für ſolche Feſtabende mußte er durch unabläſſige Arbeit bei Tag beſchaffen. Ein großes„Schlachtſtück“,„Heraklit und Demo⸗ krit“,„ein Weiſer, der Schätze in's Meer wirft“ und noch andere Figu⸗ renbilder entſtanden um dieſe Zeit zugleich mit vielen Landſchaften, die er mit einer ſolchen Schnelligkeit hinwarf, daß man ihnen bisweilen die Eile nur allzuſehr anſieht.
Nachdem er ſich eine Weile auf der Villa eines Freundes, in der waldigen Umgebung vor Volterra gelegen, aufgehalten und daſelbſt ſeine Satiren für den Druck vorbereitet hatte, nahm er Abſchied von ſeinen Gönnern in Florenz und kehrte nach Rom zurück, wo im Lauf der Jahre der Haß ſeiner Feinde unter der Geiſtlichkeit erloſchen war. Er richtete ſich auf dem Monte Pincio, in einem zwiſchen den Wohnungen Claude
Lorraine's und Nicolas Pouſſins gelegenen Hauſe fürſtlich ein und nahm
Aufträge aus allen Theilen Europa's entgegen. Er hatte ſeine Preiſe enorm geſteigert, denn da er von einer Bande unwiſſender und neidiſcher Menſchen, welche ſich in der Hauptſtadt der Künſte umtrieben, verfolgt wurde oder verfolgt zu ſein glaubte, ſo beſchloß er an der ganzen Welt Rache zu nehmen, indem er für ſeine Werke ſo maßloſe Summen for⸗
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