Jahrgang 
2 (1864)
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462 Salvator Roſa.

bilder boten nicht Raum genug zu Entfaltung ſeiner Kraft; aber ſein unabhängiger, ſpottluſtiger Geiſt hatte ihm den Mann, der über die Kunſtfonds der Regierung verfügte, zum Todfeind gemacht. Er ſelbſt ſchreibt darüber:Die Herbheit meines Benehmens hat mich aus dem Bereich der öffentlichen Theilnahme hinausgeſchleudert, und um meiner freien Sprache willen hält man mich im Schatten. Indeß erhielt er wohl gelegentlich Aufträge zu hiſtoriſchen Bildern von einigen reichen Freunden, für die er ſeineZauberin,Sokrates, der den Giſtbecher leert,das Fegfeuer(ein Altarbild),den Tod des Regulus,den heiligen Hieronymus in der Wüſte,den Tod des Polycrates,Dio⸗ genes, wie er ſeinen Becher wegwirft,Democrit in Betrachtung unter den Gräbern undPindar und Pan malte. Auf dem letzteren Stück, in welchem der Satyr dem Dichter diktirt, hat Roſa im Pindar ſein eigenes Porträt gegeben. Während er ſeine Zauberin malte, dichtete er auch ſeinenZauberſpruch, deſſen phantaſtiſcher Inhalt an Shakeſpeare's Hexen erinnert.

Im Jahr 1647 empörten ſich die Neapolitaner gegen die Tyrannei ihres öſterreichiſch⸗ſpaniſchen Gouverneurs. Salvator hatte kaum davon gehört, als er ſein Haus abſchloß, nach ſeinem Geburtsland eilte, in die Compagnia della Morte(Todesverbrüderung) ſeines Freundes Falcone eintrat und dem Führer des Volks, Maſaniello, mit Rath und That an die Hand ging. Als nach der Ermordung des letzteren die revolutionäre Bewegung in ſich zerfiel, kehrte Salvator voll bitteren Ingrimms nach Rom zurück und ſchrieb daſelbſt das großartige GedichtLa Babilonia, in welchem er die hoffnungsloſe, ſowohl politiſche als moraliſche Ver⸗ ſunkenheit Neapels ſchildert. Zu gleicher Zeit malte er ein Bild,menſch⸗ liche Hinfälligkeit, eine Satire auf die Vergänglichkeit menſchlichen Glücks, und dieFortuna, welche heilige Orden an Eſel, Biſchofsmützen an Schweine, Kronen und Würden an Wölfe und Geier austheilt, während Weisheit und Vaterlandsliebe in den Staub getreten werden. Dieſe bei⸗ den Gemälde wurden, nachdem die ausgezeichnetſten Perſonen ſie in Sal⸗ vators Gallerie bewundert hatten, zur großen Freude des römiſchen Volks im Pantheon aufgeſtellt; doch Roſa's Feinde, die jede Gelegenheit benützten, um ihm zu ſchaden, wollten in den unreinen Thieren, welche Fortuna's Gaben erhalten, die Züge gewiſſer wohlbekannter Geiſtlichen erkennen und erklärten, daß mit einem auf einem Bett von Roſen ruhen⸗