Jahrgang 
2 (1864)
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Von Otto Jäger. 461 beſetzt, deren Hauptfigur in dem Charakter eines Quackſalbers einen ſo erſtaunlichen Witz und Humor entfaltete, daß alles ihr nachlief und jede andere Schauſtellung vernachläßigt wurde. Am letzten Karnevalstag ſollte die Neugierde der Menge, die ſich vergeblich über den köſtlichen Markt⸗ ſchreier den Kopf zerbrach, Befriedigung finden durch das Lüften der Maske, unter welcher der Maler des Prometheus ſein ſchwärzliches, aus⸗ druckvolles Geſicht zeigte.

Salvator wurde fortan Mode. Er erhielt Einladungen von allen Seiten und ging von einer Converſazione zur andern, um die Zuhörer⸗ ſchaft mit ſeinem Geſang, ſeinem Lautenſpiel und ſeinen improviſirten Vorträgen zu entzücken. Im Einklang mit der herrſchenden Manie für Liebhabertheater eröffnete er in der Vigna de'Mignanelli ein Theater und benützte dieſe Gelegenheit zu Satiren auf die Vorſtellungen des päbſt⸗ lichen Günſtlings Bernini im Vatikan, für welche Bernini dadurch Rache nahm, daß er durch einen Lohnſchreiber einen Schwank aus Salvator Roſa's Leben karrikiren und in dem Theater des Palazzo Sforza auf⸗ führen ließ. Freilich erzielte der Hofmaler dadurch weiter nichts, als daß er und ſein Autor lächerlich wurde. So nahm in der einen oder anderen Weiſe Roſa's Ruf täglich zu. Seine wilden, ſturmbewegten Landſchaften waren ebenſo geſucht, wie die heiteren, klaſſiſchen Compo⸗ ſitionen ſeiner Zeitgenoſſen Claude Lorrain und Gaspar Pouſſin. Er wurde der Liebling des Volks, das ihn nun mit dem NamenIl Sig⸗ nore bezeichnete. Nicht länger von Armuth und Vernachläßigung ge⸗ drückt, ging er jetzt, wie einer ſeiner Biographen ſagt,mit einer gewiſſen würdevollen Haltung umher; ein Diener folgte ihm mit ſilberheftigem Degen, und wer ihm begegnete, machte ihm achtungsvoll Platz. Seine Abendconverſazioni hatten Zuſpruch von den vornehmſten, gelehrteſten und gebildetſten Perſonen, und er unterhielt dieſelben mit Vorträgen, gewürzt mit jenen beißenden Sarkasmen, die ſpäter in ſeinen Satiren zur Oeffent⸗ lichkeit gelangten.

Doch trotz ſeiner angeſehenen Stellung in der Geſellſchaft und als Künſtler quälte ihn der Verdruß, daß ihm nicht eine von den bedeuten⸗ den öffentlichen Arbeiten übertragen, und er dadurch in den Stand geſetzt wurde, in großartigem Maßſtab einen Gegenſtand aus der Geſchichte oder

Moythologie auszuführen, in welchem ſich erhabene Grundſätze oder eine tiefe Philoſophie verkörpern ließen. Seine Landſchaften und kleineren Figuren⸗