Jahrgang 
2 (1864)
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Von Otto Jäger. 459

Hinderniſſe, oder wohl gar den Tod durch Gift oder Dolch zu ge⸗ wärtigen, wenn er es wagte, die Rivalität zu weit zu treiben. Der arme und freundloſe Salvator ſah ſich daher genöthigt, eine Höckerbude zu errichten, und mußte Bilder, die nach ſeinem Tod um jeden Preis aufgekauft wurden, um ein Spottgeld weggeben, das kaum ausreichte, die Familie vor dem Hungerſterben zu bewahren.

So hatte er ſich eine Weile durchgekämpft, als ſeineHagar in der Wüſte von Berſabee die Aufmerkſamkeit Lanfranco's, der auch unter dem Namen Parmegiano bekannt iſt und ſich damals auf eine Einladung der Jeſuiten hin in Neapel aufhielt, um einige große Bilder in der neuen Kirche Il Geſu auszuführen, auf ſich zog. Der große Künſtler erſtand das Gemälde, das nachher eine Hauptzierde der Gallerie in Rom wurde. Indeß geſchah unſerem Salvator durch dieſen Beweis der Anerkennung kein großer Dienſt, denn er weckte den Neid und Haß ſeiner weniger glücklichen Nebenbuhler, denen er übrigens ihre Schmähungen mit jenen ſcharftreffenden Pfeilen bitteren Spotts vergalt, die ihm ſtets zu Gebot ſtanden. Nur ein Freund wurde ihm dadurch gewonnen in der Perſon des berühmten Schlachtenmalers Falcone, der ſich in den ſpäteren revo⸗ lutionären Zeiten als Hauptmann der Compagnia della Morte auszeichnete und ganz ein Mann nach Salvators Herzen war. Aber Falcone konnte ihm nur mit Rath und Unterricht an die Hand gehen. Was den Ver⸗ kauf ſeiner Werke betraf, ſah er ſich eben auf ſeine Rivenditore⸗Bude angewieſen, und da er ſeine Preiſe erhöhte, ſo hielt es ſchwer, Käufer zu finden. Endlich wandte er in einer Anwandlung von Ungeduld ſeinem Geburtsland den Rücken und begab ſich nach Rom.

In jener Hauptſtadt ſtand damals das ganze Gebiet der bildenden Künſte, Malerei, Sculptur und Architektur, unter dem willkürlichen Scepter Berninis, dieſes geiſtvollen aber auch eingebildeten päbſtlichen Günſtlings, ſo daß Salvator, der entſchloſſen war, ſich vor keinem Götzen der bloßen Mode zu beugen, ebenſowenig Hoffnung auf Gönnerſchaft hatte, wie in Neapel. Er fertigte eine Anzahl trefflicher Skizzen, welche die Architektur⸗ überreſte des alten römiſchen Kaiſerreichs behandelten, und mußte ſie um Preiſe verkaufen, welche ihm kaum die Leinwand bezahlten. Uebermäßige Anſtrengung, Kummer und Noth in einer Atmoſphäre, welche unter dem ſtetigen Einfluß der Malaria ſtand, warfen ihn auſ's Krankenlager; er mußte die Wohlthat eines öffentlichen Spitals benützen und kehrte, ſobald

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