Jahrgang 
2 (1864)
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458 Salvator Roſa.

Entſetzen ſeiner übrigen Verwandten, daß er entſchloſſen ſei, die Malerei als ſeinen Beruf aufzunehmen.

In jenen Tagen war es Brauch, daß die jungen Kunſtſchüler den reichen Gallerien und Kirchen Italiens nachreisten, in jeder ein bischen ſtudirten und malten und dann wieder nach Haus zurückkehrten, um in der Manier des Meiſters, welcher ſich am leichteſten oder vortheilhafteſten nachahmen ließ, als offen ausgeſprochene Schüler desſelben fortzuarbeiten. Salvator aber verſchmähte es, dem von der Menge breitgetretenen Weg zu folgen, und begab ſich nach der wilden Küſte Calabriens, wo er die Kuppen und die Pinienhaine der höchſten und wildeſten Striche in den Abruzzen beſuchte, um dort die Natur, wie ſie auftritt im Geleite von donnerndem Erdbeben und rauſchenden Gießbächen, von den Blitzen des Himmels und dem Emporſchießen vulkaniſcher Feuer, Angeſicht in Ange⸗ ſicht zu ſtudiren. Während dieſer Wanderungen, deren Gefahren ſeine Begeiſterung eher ſteigerten, als niederſchlugen, gerieth er unter Räuber, unter denen er ſich, wie es ſcheint, längere Zeit freiwillig aufhielt, weil ihn ihre maleriſche zwangloſe Lebensweiſe, welche in vielfacher Beziehung einen ſo erfriſchenden Gegenſatz bildete zu den Zuſtänden, unter denen er geboren war, in hohem Grade anſprach. Die Verhältniſſe, unter welchen er wieder in's civiliſirte Leben zurückkehrte, ſind durch ſeine Biographen nicht aufgeklärt worden; doch ergeht aus ihren Berichten ſo viel hervor, daß einige Tage nach ſeiner Ankunft in der armen Heimat ſein Vater ſtarb und den achtzehnjährigen Jüngling als die einzige Stütze der Fa⸗ milie zurückließ. Er entſagte daher allen Vergnügungen und ging mit mürriſcher Entſchloſſenheit daran, um das liebe Brod zu malen.

Vom frühen Morgen bis ſpät am Abend kam der Pinſel nicht aus ſeiner Hand, und er ſchuf mit wunderbarer Schnelligkeit Bild um Bild, jedes ſelbſt in jener Erſtlingsperiode ausgezeichnet durch meiſterhafte Kühn⸗ heit und Originalität, wie auch durch jene Vorliebe für das Düſtere und Schreckliche, welche in ſeinem ganzen Leben ihn nie verlaſſen hat. Kühn⸗ heit und Originalität galten jedoch in Neapel nicht als Empfehlung, da man es im Gegentheil für unverträglich mit dem guten Ton hielt, die Werke eines Menſchen zu beachten, der ſich nicht zur Schule eines bei Hof in Gunſt ſtehenden Malers bekannte. Spagnuoletto, ein Landsmann des ſpaniſchen Vicekönigs, beherrſchte damals den öffentlichen Geſchmack, und wer ſich ihm nicht anſchloß, hatte nichts als Entmuthigung und

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