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Die Camarilla in Spanien.
Doch Beide waren nicht für das Gepränge,
mit welchem dieſelbe gefeiert werden ſollte; ihn in der Stille zu feiern, wäre ihr Wunſch gewe⸗ ſen, und es war ihnen, als werde demſelben die eigentliche Weihe durch die lauten Feſtlichkeiten geraubt.
Daher Krakowsky's Unbehagen und Con⸗ ſtantia's Aengſtlichkeit.
Doch bald ermannte ſich der Erſtere und in Anbetracht, daß ihnen, da der Onkel verreiſt war und ſie alſo allein in dem Landhauſe ſeien, noch einige Stunden blieben, ließ der junge Mann fra⸗ en, ob er ſeine Braut beſuchen dürfe. Conſtantia gab ihre Einwilligung und der Pole begab ſich nach dem Zimmer der jungen Dame.
Beide begrüßten ſich mit derjenigen Herzlich⸗ keit, die bei Leuten, welche in ſo nahen und ſehn⸗ lich gewünſchten Verhältniſſen ſtehen, natürlich iſt, und Krakowsky ſagte:
— Conſtantia, ich hatte heute Morgen beim Erwachen einen ganz beſonderen Gedanken.
Die junge Dame lächelte.
— Darf man ihn wiſſen? fragte ſie, vielleicht hatten wir denſelben!
— Sollte dies möglich ſein?
— Laſſen Sie hören, mein Freund!
— Ich dachte, wie es für uns erſprießlich ſein dürfte, uns nach einem abgelegenen Orte zu begeben und dort unſere Verbindung in der Stille zu feiern.
— Ganz denſelben Gedanken hatte ich!
— Wirklich!
— Wie ich Ihnen ſage!
— So hiätte ich alſo Ihre Einwilligung er⸗ halten?
— Obh, was dies anbelangt—
— Mein Gott, ſo können wir ja noch—
— Nein, lieber Thaddäus!
— Aber wenn Sie—
— Der Oheim iſt nicht hier, und ich glaube, es iſt ſogar ſein Wunſch, daß es bei der Anord⸗ nung des Königs bleibe!
— Sollte dies bei ſeiner Sinnesart der Fall ſein!
— Ich glaube beſtimmt, andere Abſichten verbindet.
daß er damit noch
— Ah, andere Abſichten—
Krakowsky verzog das Geſicht ein wenig und ſein Unmuth iſt erklärlich, wenn man bedenkt, wie es ihn unangenehm berühren mußte, daß auch dieſer ihm wichtige Tag nicht hingehen konnte, ohne daß mit ihm ein Spiel zweideutiger Art ge⸗ trieben werde.
Doch Conſtantia wendete ſich um und ſagte ſo milde und ſanſt, wie ſie noch bisher nie ge— ſprochen:
— Sind Sie böſe, mein Freund?
— Nein, entgegnete der Pole.
— Nun, ich würde Sie auch bitten, gut zu ſein; da Sie leider einmal unter eine nur ſtets intriguirende Geſellſchaft gerathen ſind, müſſen Sie auch das Ungemach, welches Ihnen daraus er⸗ wächſt, geduldig ertragen. Sie wiſſen aber, der Onkel beabſichtigt nichts Böſes.
— Oh, das weiß ich— doch laſſen wir dies!
— Ja, Sie haben Recht!
Beide ſetzten ſich, um noch ein Stündchen an⸗ genehm zu verplaudern, bis es Zeit für die Braut war, ihre Toilette zu machen.
Conſtantia kleidete ſich nur einfach, und es bedurfte daher zu ihrem Anzuge bei weitem we⸗ niger Zeit, als es ſonſt wohl bei Bräuten an ihrem Hochzeitstage gewöhnlich ſein mag, und man fuhr ſehr bald nach Madrid und nach dem Schloſſe.
Hier hatten ſich bereits alle diejenigen, welche in Folge der Einladung des Königs oder durch ihre Stellung das Recht dazu hatten, eingefun⸗ den, und das junge Paar mußte durch die ver⸗ ſchiedenartigſten Glückwünſche förmlich Gaſſen laufen.
Das war im Schloſſe, woſelbſt auch endlich König Ferdinand und ſeine Gemahlin, ſowie
ſämmtliche Mitglieder der königlichen Familie in
der Geſellſchaft erſchienen, um zunächſt das Braut⸗ paar zu begrüßen. Vor dem Schloſſe dagegen hatten ſich die
Madrilennos ebenfalls meiſtens ſeierlich geputzt verſammelt und dieſe ſahen jetzt den Zug aus dem Schloſſe hervor ſich entwickeln, um nach der Tri⸗ nitatiskirche zu ziehen, wo die Einſegnung ſtatt⸗
finden ſollte.


