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Die Camarilla in Spanien. 189
— Das mag geſchehen; doch hoffen Sie nichts davon!
Salo verbeugte ſich; um indeſſen dem zu Zei— ten wandelbaren Willen des Königs nicht Zeit zu laſſen, ſeinen Entſchluß zu ändern, eilte er ſofort zu den Sekretären des Krieges und der geiſtlichen Angelegenheiten, von ihnen die betreffenden De⸗ krete zu erlangen.
Von Fernando unterſtützt, der, wie alle hohe Herren, den Doktor früher ziemlich hochmüthig behandelt hatte, jetzt aber eine förmliche Scheu vor demſelben empfand, gelang ihm jenes bald, und froh eilte er jetzt mit Krakowsky und Con⸗ ſtantia davon. Ein großes Werk war von ihm vollbracht, eine langjährige Laſt von ſeiner Bruſt gewälzt, und er wollte ſich wenigſtens auf einige Tage des Gelingens ſeines Vornehmens im Stil⸗ len freuen. Man begab ſich nun nach dem Land⸗ hauſe.
Madrid aber ſollte am nächſten Sonntage ein Feſt erleben und feiern, wie es ſelten ein ſolches geſehen, und wie es ſeither das letzte dieſer Art daſelbſt war, welches ungeſtört und ohne Blut⸗ vergießen vorüberging.
Ferdinand war überhaupt ein merkwürdiger Charakter.
Es iſt gewiß nicht ſchwierig, einzuſehen, wie der Pole nur ein Werkzeug in der Hand derje⸗ nigen geweſen, denen der König eigentlich die Erhaltung ſeines Thrones verdankte. Dies ließ ſich durch ſeine Eigenſchaft als Fremder und ſein Verhältniß als niedriger Offizier ſehr leicht er⸗ klären.
Dennoch ſchien es, als wolle der König alle Belohnungen auf ihn herabregnen laſſen, und bei Gelegenheit der Ertheilung derſelben auch des Volkes gedenken, um die Handlungsweiſe jenes Mannes nur noch um ſo viel verdienſtlicher zu machen. Es ward daher aus der Vermählung des jungen Polen mit Conſtantia de Roſas ein Volksfeſt.
Trotz der unfreundlichen Jahreszeit war das Wetter einem ſolchen überaus günſtig, und die Sonne ging an dem wolkenloſen Firmament her⸗ auf, wie ſie meiſtens nur im hohen Norden bei ſſtrenger Kälte erſcheint.
Schon vom frühen Morgen ab durchwogte eine Menſchenmenge die Straßen, um ſich die Vorbereitungen zu dem Feſte anzuſehen. Dieſe beſtanden in einer aus vier Löwenköpfen ſprudeln⸗ den Fontaine auf dem Prado und einer zweiten ähnlichen in der Alkala, aus denen heute die Ma⸗ drilennos Wein nach Belieben ſchöpfen ſollten.
Ferner aus großen roſtartigen Gerüſten an den Straßenecken, neben welchen ſich Haufen von Holzſcheiten und Buden mit Brod und anderen Lebensmitteln befanden; hier ſollten die Hungrigen Stillung ihres Hungers finden.
Endlich aber war der mittlere Weg des Prado und die Straßen von dort bis zum Schloſſe und nach der Trinitatis-Kirche mit grünen Zweigen des Larix, Buchsbaum und der Eiche beſtreut, unter welcher ſich hier und dort die grelle Farbe einer ſpäten Blume zeigte.
Das Volk ſah dieſe Vorbereitungen mit jenem ſtummen Staunen an, welches es meiſtens bei ſolchen Gelegenheiten zu zeigen pflegt, und be⸗ wegte ſich vor, um dann wieder einen Moment ſtehen zu bleiben und einzelne Gegenſtände genauer zu betrachten.
An dem auf dem Prado errichteten Toro aber ſollte ihm eine Ueberraſchung werden; denn an dem großen Thore derſelben verkündete ein rie⸗ ſiger Zettel, daß heute ein Stiergefecht ſtattfinden werde und daß Montes ſich dazu bereits in der Hauptſtadt eingefunden habe.
Zuerſt ſchien die Menge zu erſchrecken, wie das Kind, welches ſich lange ein Spielzeug ge⸗ wünſcht und es plötzlich erhalten, ohne darauf vorbereitet zu ſein; dann jedoch brach der Jubel los und zwar in einer Weiſe, welche nicht be⸗ ſchrieben werden kann. Das Gerücht von der Bewilligung des Königs flog wie ein Lauffeuer durch die Stadt.
Während indeſſen Madrid ſo allgemach in eine fieberhafte Aufregung verſetzt worden war, gab es zwei Perſonen, welche nicht minder erregt waren.
Krakowsky und Conſtantia, welche dieſen Tag ſo ſehnlich herbeigewünſcht, bebten jetzt, als er herangebrochen und keine Nacht mehr ihre Ver⸗ bindung trennen ſollte.


