Die Camarilla in Spanien.
trat Don Salo, welcher ſich nach der Beendigung des Geſpräches zwiſchen dem Könige und ihn wieder zurückgezogen hatte, nochmals zu Ferdinand, und ſagte, ſich auf ein Knie niederlaſſend:
— Majeſtät, eine Bitte.
— Sie haben etwas zu bitten, Salo? ſagte der König freundlich.
— Ja, Majeſtät, obwohl nicht für mich. — Wie, nicht für ſich?
— Nein, Majeſtät!
— Wer erfreut ſich ihrer Fürſprache? — Es iſt keine einzelne Perſon!
— Nicht— alſo Mehrere!
— Ja, Majeſtät.
— Mehrere, Salo— ich errathe nicht! — Majeſtät, ich wage viel!
— Obh, das weiß ich, und zu meinem Vor⸗ theile, wagen Sie daher nur!
— Majeſtät, es ſchmachten noch viele Un⸗ ſchuldige in den Kerkern der Inquiſition unter der Beſchuldigung, politiſche Verbrechen begangen zu haben.
— Wirklich?
— Ich verſichere Eure Majeſtät!
— Sie haben ſich ſchwerer Vergehen ſchuldig
gemacht? — Sie ſind zum Theil unſchuldig. — Gewiß! — Denken Sie an den Polen, Majenät — Es iſt wahr! — Die meiſten ſind treue Anhünger ihres Königs.
— So begreife ich nicht!
— Es lag im Intereſſe des Miniſters Lozano, alles was Eurer Majeſtät treu war, zu entfernen und zu unterdrücken, und den Thron mit Verrä⸗ thern zu umgeben.
— Ich glaube es!
— Beſonders mußte ein Mann fort, deſſen Abweſenheit das Werk der verfloſſenen Nacht faſt hatte ſcheitern laſſen.
— Und wer iſt dieſer Mann?
— Montiſo.
— Ah, Montifo?
— Ja, Majeſtät.
— Montifo, der Freimaurer und Ketzer?
— Ja, Majeſtät.
— Der die Aufſtände der Madrilennos mit Waffengewalt zu unterdrücken ſich weigerte, indem er ſagte: es ſeien nur Spielereien eines muntern Volkes.
— Das ſagte er, Majeſtät.
— Dieſer Menſch, der mit dem Pöbel verkehrte?
— Er hielt dieſen Pöbel für Menſchen, Ma⸗ jeſtät!
— Nein, Salo, er hat ſeine Strafe verdient.
— So bitte ich Eure Majeſtät, dieſelbe über mich zu verhängen!
— Ueber Sie— 7
— Ja, Majeſtät.
— Weshalb über Sie!
— Ich bin derſelben Vergehen ſchuldig.
— Ci!*
— Ich bin Freimaurer und Ketzer.
— So, ſo!
— Ich halte die Ausgelaſſenheit des Volkes für nichts Böſes.
— Ahl!
— Ich gehe mit dem Pöbel um.
— Ah Sie, Ihr Beruf!
— Ich kenne ebenfalls keinen Pöbel, ſondern nur Menſchen.
— Salo, ich ſehe ſchon— Sie wollen mich zwingen!
— Eure Majeſtät unterthänigſt bitten.
— Den Henker, ungefähr ſo, wie unſere Ka⸗ talonier, mit dem Meſſer in der Hand, um die Börſe des Reiſenden bitten.
— Behüte mich Gott dafür.
— Es iſt wirklich nicht viel beſſer!
— Ah, Majeſtät, dieſe Meinung!
— Ich kann keine andere faſſen.
— Majeſtät, Sie waren ſo gnädig— 7
— Nein, nein, Salo, die Ausübung ihrer Macht iſt noch ganz warm, kennen gelernt und— weiß, daß ſie bedeutend
iſt; Montifo mag frei ſein, doch unter einer Be⸗
dingung: er verläßt ſofort Spanien. — Das theure Vaterland, Majeſtät? — Ohne Gnade!
danken?
ich habe die letztere
— So darf er Eurer Majeſtät vauus.


