Jahrgang 
1857
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Die Camarilla in Spanien.

des neuen Staatsrathes mit ihren Damen, und als eine hier noch nie erſchienene Perſon Con⸗ ſtantia de Roſas. Es wäre gewiß eine Unwahrheit, wenn man ſagen wollte, Conſtantia ſei gern hierher gekom⸗ men. Im Gegentheil, ſie trat den Weg nach dem Schloſſe, obſchon es am Arme des Polen geſchah, nur ungern an. Aber dennoch war es auch wieder eine Art von Genugthuung für ſie, hier zu erſcheinen, weil ſie hoffen durfte, hier Jemand zu treffen, deſſen Abſicht ſie hatte vereiteln helfen und über zen ſie deshalb triumphiren konnte. Eine Spa⸗ ierin, hatte ſie andere Begriffe von Ehre, als ihre Schweſtern anderer Nationen, von denen jede gewiß denjenigen gemieden haben würde, deſſen Opfer ſie einſt geworden. Don Carlos aber war, ſowie ſein jüngerer Bruder, ebenfalls anweſend und ebenſo auch Bei⸗ der Familien. Der Infant, ſeine Gemahlin am Arme, trat in den Saal, mit dem Benehmen, welches der höchſten anweſenden Perſon ziemte, ſtolz und vor⸗ nehm herablaſſend; jenes aber war er, weil der König noch nicht erſchienen. Die Begrüßungen der ihn empfangenden Herr⸗ ſchaften erwiedernd, gelangte der Prinz ſo bis zu dem Polen und ſeiner Verlobten. Doch kaum hatte er Beide erblickt, als er ſichtlich zuſammenfuhr. Natürlich war man der Anſicht, daß dies des Polen wegen ſei, da der Prinz ſehr gut die Mitwirkung deſſelben bei dem Akte der Nacht kannte. 3 Wer indeſſen der Richtung ſeines Auges ge⸗ nauer gefolgt wäre, dürfte ſehr leicht bemerkt ha⸗ ben, daß es weniger an Krakowsky, als an deſſen Begleiterin haftete. Noch klarer ward jedoch die Urſache ſeines Schrecks aus folgendem Geſpräche, welches er im Hintergrunde des Saales mit ſeiner Gemah⸗ lin in dem Momente führte, als der König und die Königin erſchienen.

Der Infant ſagte nämlich:

Madamo, jetzt iſt die letzte Hoffnung ver⸗ ſchwunden!

Weshalb? fragte die Prinzeſſin.

Ah, ſo lange jene ich wollte ſagen jener Pole in der Nähe des Königs iſt, wird er ſicher ſein, doch bemerken Sie nicht etwas?

Nichts Beſonderes, mein Herr.

Sehen Sie un ſich!

Nun?

Die Camarilla iſt verſchwunden!

Das iſt wahr!

Sie wird auch nicht wiederkehren, auf dieſe Geſellſchaft iſt nicht mehr zu rechnen; doch laſſen Sie uns Ferdinand begrüßen.

Das hohe Paar miſchte ſich unter die An⸗ weſenden.

Der König war auch jetzt ausnehmend heiter und gnädig; er ließ ſich von San Fernando noch⸗ mals die Mitglieder des neuen Miniſteriums vor⸗ ſtellen, und von dieſen die Frauen, welche eben⸗ falls anweſend waren.

Alsdann aber wendete er ſich zu Krakowsky und winkte denſelben mit ſeiner bleichen, aber darum vielleicht eben nur um ſo ſchöneren Be⸗ gleiterin zu ſich.

Der junge Pole und Conſtantia näherten ſich achtungsvoll und verneigten ſich tief vor dem Könige, neben welchem deſſen Gemahlin ſtand, die der jungen Dame freundlich zulächelte.

Ferdinand ſagte:

Donna Roſas, Ihr Vater hat zu denen gehört, die vielleicht, ohne die Abſicht zu haben, unſerer Königlichen Autorität zu nahe getreten waren; doch war ich es nicht, der ihn hierfür ſtrafte.

Conſtantia erröthete; doch mit ihr paſſirte dies auch noch einer andern Perſon im Saale, und dieſe war der Infant Don Carlos.

Der König fuhr fort:

Ich wußte von allem nichts, ja, ich kannte kaum ſeine Verhaftung; nachdem ich aber Kennt⸗ niß von Dingen erhalten, die ſo wenig der König als der Menſch billigen konnte, war es mir un⸗ möglich, etwas wieder gut zu machen, was An⸗ dere verſchuldet.

Ferdinand richtete bei dem Worte Andere ſei⸗ nen Blick bedeutſam auf Carlos, und dieſer ſenkte ſein Auge zu Boden.

Indeſſen, hob Ferdinand an, ich habe