Jahrgang 
1857
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Rheinsberg.

einem runden, mit einer dunkelgrünen Decke be⸗ hangenen Tiſch, und einem großen, faſt thron⸗ artigen Lehnſeſſel, in welchem ein alter Mann ſaß.

Dieſer, das einzige lebende Weſen, das der Prinz im Zimmer bemerkte, mußte die Aufmerk⸗ ſamkeit deſſelben vor allen Dingen feſſeln. Wie die Auffaſſung in ſolchen Momenten faſt eine blitzſchnelle iſt, ſo hatte ſich auch der Kronprinz im nächſten Augenblick die charakteriſtiſche Figur des Alten vollkommen eingeprägt. Es war ein Greis in jenem Alter, in dem es bereits ſchwer wird, die Jahre zu beſtimmen, mit tiefen Runzeln und Furchen, langem, ſilberweißen Haar und ohne Bart. Sein Auge, noch immer von ſchöner blauer Farbe, war hell und glänzend und verlieh ſeinem Greiſenantlitz einen ſeltſam ergreifenden Ausdruck friſcher Jugend. Er war bis unter den Hals mit einer Art von weitem, faltenreichen Talar bekleidet, aus deſſen weiten Aermeln die magern, weißen Hände hervorblickten. Alles an ihm war von der größten Einfachheit. Um ſo würdevoller aber war ſeine ganze Erſcheinung, und der ruhige, freundliche, heitere Ausdruck in dem Geſicht des Alten, als er ſein großes blaues Auge auf den Kronprinzen richtete, machte einen ſolchen Eindruck auf Friedrich, daß dieſer, obwohl von jeher zur Spötterei geneigt, unwillkürlich ſo ernſt wurde, als ſei er in das Heiligthum eines Geiſtes ge⸗ treten. Freilich mochte das Seltſame des ganzen Augenblicks, die Ueberraſchung, ſelbſt eine Art von Beſtürzung dazu beitragen, den jungen Prin⸗ zen ernſt zu ſtimmen.

Mein Sohn, ſagte der Alte in franzöſi⸗ ſcher Sprache und mit einer Stimme, die durch die Schwäche des Alters nur noch feierlicher wurde; mein Sohn, ich hatte Dich erwartet.

Mich? antwortete der Kronprinz. Wie iſt das möglich, da der Zufall mich hierherführt?

Zufall? Mein Sohn, es giebt keinen Zu⸗ fall im Reiche der Geiſter, wohl aber Beſtimmung. Deine Beſtimmung hat Dich hierhergeführt. Sei mir willkommen. 1

Ich danke Ihnen, ehrwürdiger Herr, ant⸗ wortete der Kronprinz, dem es unmöglich war, den feierlichen Eindruck abzuſchütteln, den dieſes Alles auf ihn machte. Aber die Art und Weiſe,

wie ich hierher gekommen, iſt ſo wie ſoll ich mich ausdrücken? ſo überraſchend

Nicht überraſchend! unterbrach ihn der Greis. das Alter nicht mehr. Was kann für den, der ein braves Herz und ein gutes Gewiſſes hat, noch überraſchend ſein? Die Welt mag zuſammen⸗ ſtürzen, und er wird dabei lächeln.

Etwas Aehnliches ſagt Horaz! antwortete der Kronprinz, der jetzt eine leichte Anwandlung fühlte, die Unterhaltung in einen anderen Ton überzuſpielen. Inpavidum

Perient ruinae! ergänzte der Alte. Horaz hat Recht. Er gehört zu denen, die das Leben kannten, und obwohl er nicht tapfer war in der offenen Schlacht, wie Bayard, ſo galt doch auch bei ihm als höchſte Lebensregel der Grundſatz aller weiſen Männer: Sans peur et sans re- proche! Ohne Furcht und ohne Tadel!

Dieſe einfachen Worte waren mit einer ſo würdevollen Betonung geſagt, daß der Kron⸗ prinz jeden Verſuch aufgab, ſeine ernſte Stim⸗ mung abzuſchütteln, und ſich ganz dem Eindrucke überließ, den dieſes in jeder Beziehung ſo ſelt⸗ ſame Abenteuer auf ihn machte.

Setze Dich, mein Sohn, ſagte der Alte. Ich habe mit Dir zu reden!

Der Kronprinz hatte bis jetzt keinen anderen Seſſel bemerkt, als denjenigen, auf welchem der Greis ſaß. Jetzt ſah er, daß er dicht vor einem Lehnſtuhl ſtand, und ließ ſich auf dieſem nieder.

Mein Sohn, ſagte der Alte, Du trägſt die Zeichen des Kriegers, und dieſes Haus iſt eine Stätte des Friedens. Dennoch will ich Dich nicht bitten, das Schwert abzulegen, denn oft iſt

Ruhe, Glück und Frieden durch das Schwert

erkämpft worden. Ziehe es immer für das

Nur die Jugend kennt Ueberraſchungen,

Recht und für das Glück derer, die Dir anver⸗

traut ſind. Dann wird das Schwert in Deinen

Händen zum Oelzweig werden, zum Symbole

des Friedens. Das

hen, um diejenigen glücklich zu machen, die

Er unterbrach ſich plötzlich, denn er war im

Begriff geweſen, ſein Geheimniß zu verrathen.

ſoll es einſt! rief Friedrich, von die⸗ ſem Gedanken begeiſtert. Ich werde es nur zie⸗

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