3 Kheinsberg.
Stelle, ohne jedoch eine Ausſicht zu haben. Die Pferde waren bereits ermüdet.
— Wir müſſen dennoch rechts in den Wald, Königliche Hoheit! meinte Fouqué.
— Aber es iſt ja unmöglich! antwortete der Kronprinz verſtimmt. Wenn ich nur einen Trunk Waſſer hätte. Aber das iſt ja ein Wald ohne Ende, wie wir ihn oben bei uns an der mecklen⸗ burgiſchen Grenze, bei Rheinsberg und Zechlin, nicht beſſer haben können.
— Nun, dann iſt es am beſten, wir reiten gradeaus, ſagte Fouqué. Irgend ein Dorf müſ⸗ ſen wir doch endlich antreffen und wir ſind ja in Freundesland.
— Vorausgeſetzt, daß die Franzoſen nicht be⸗ reits dort ſind! warf Buddenbrok ein.
— Nun, ſo mögen ſie da ſein! antwortete Friedrich. Es iſt immer noch kein Unglück.
Sie ritten weiter im ſcharfen Trabe, und nach zehn Minuten ſahen ſie die Helle einer Lich⸗ tung durch die Bäume ſchimmern. Langſamer ritten ſie jetzt vorwärts. Buddenbrock ritt voran.
— Ah, Hoheit, rief er, ſich ganz erſtaunt umwendend, kommen eie⸗ Sie werden überraſcht ſein!
Prinz Friedrich und Fouqué ſprengten an ihn heran. Beide waren in der That überraſcht.
Vor ihnen lag nicht eine öde Waldlichtung, wie ſie vermuthet hatten, ſondern ein ſo ſchönes, reizendes und liebliches Bild, wie es ſich die Phantaſie nur auszumalen vermag. Aus dem üppigen und friſchen Grün hoher Bäume, auf einer kleinen Anhöhe gelegen, erhob ſich ein Land⸗ haus, oder ein kleines Schloß— wie man es nennen wollte— im einfachen aber freundlichen Style des achtzehnten Jahrhunderts, nicht ver⸗ unziert durch geſchmackloſe Ueberladung, und doch auch nicht nüchtern und kalt abſtoßend. Vor dem Schloſſe war eine Gartenanlage mit dichtem Ge⸗ büſch, rings um daſſelbe zogen ſich die hohen Bäume, aus denen es freundlich und einladend gervorblickte. Ein Bach, der ſich durch die Ebene die den Park umgab, ſammelte ſein nvor dem Schloſſe in einen kleinen ſem aus war das Waſſer rings geleitet, ſo daß man nur über
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eine ſteinerne Bruͤcke zu demſelben gelangen konnte. Das Ganze ſah ſo freundlich aus, wie eine ge⸗ malte Landſchaft.
— Charmant! rief der Kronprinz. Das müßte Knobelsdorf ſehen, da hätte er einen ſeiner Pläne verwirklicht. Wie das daliegt! Als ob es ſchliefe in der warmen Sommerſchwüle! Nirgends iſt ein Menſch zu ſehen. Die Fenſter ſind ver⸗ ſchloſen. Wer mag hier wohnen? Wißt Ihr es nicht?
Fouqué und Buddenbrok ſchüttelten den Kopf. Die Drei hielten am Saume des Waldes. Von dieſem aus führte eine Allee nach dem See und nach der ſteinernen Brücke.
— Sollten die Franzoſen das hübſche Haus nicht ſchon ausſpionirt haben? meinte Budden⸗ brok.
— Wohl möglich, antwortete Friedrich. Viel⸗ leicht haben ſie ſich aber nicht bis hierher gewagt. Weit mehr wundert es mich, daß die Panduren und Kroaten dieſes Elyſium noch nicht aufge⸗ ſtöbert haben. Vielleicht iſt es der Ruheſitz irgend eines geheimnißvollen Zauberers, der es verſteht, ſein Aſyl jedem anderen, als einem eingeweihten Auge unſichtbar zu machen!
— Das iſt ſehr wahrſcheinlich, Hoheit! ſagte der gemüthliche Buddenbrok trocken.
Die Drei lachten und Friedrichs Augen weil⸗ ten mit unverkennbarer Neugierde auf dem nied⸗ lichen Schloſſe.
— Es iſt der einzige Ort, an dem wir Er⸗ kundigungen über den Weg einziehen könnten,
den wir zu nehmen haben! ſagte er dann. Es
Aber irgend ein Diener wird Laſſen
ſcheint unbewohnt. dort ſein, der uns Auskunft geben kann. Sie uns dorthin reiten.
— Und wenn es dennoch von Franzoſen be⸗ ſetzt wäre! warf Fouqué ein.
— Nun, dann haben wir das Vergnügen, das franzöſiſche Lager kennen zu lernen, und das iſt durchaus kein Unglück! antwortete der Kron⸗ prinz. Von Einfluß auf die Kriegsführung kann unſere Gefangennehmung nicht ſein, denn es wird ja überhaupt kein Krieg geführt. En avant!
Als wolle er jede weitere Einwendung ab⸗ ſchneiden, gab der Kronprinz ſeinem Pferde die
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