Jahrgang 
1857
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Kheinsberg.

2 vornahmen, um die Franzoſen zu muſtern, ritt er ein wenig bei Seite, Buddenbrok und Fouqué einen Wink gebend, ihm zu folgen.

Das iſt Münchow's Bataillon, ſagte er, auf die Zelte deutend, die man hinter einigen Erd⸗ ſchanzen hervorblicken ſah. Ein Paar Karabiner⸗ ſchüſſe müſſen es in Bewegung ſetzen. Und Dies⸗ kau's Batterie kann, wie ich ſehe, in einer Vier⸗ telſtunde zum Auffahren fertig ſein. Wir müſſen thun, als ob wir mit den öſterreichiſchen Huſaren die Franzoſen necken wollten. Sie werden die Gelegenheit nicht vorüber laſſen, mit uns anzu⸗ binden, denn da hinten ſehe ich eine Schwadron ihrer Kavallerie und ein Paar Bataillone In⸗ fanterie. Die Franzoſen ſehnen ſich eben ſo ſehr als wir nach einem Rencontre. Wenn Kleiſt und Glaſenapp wirklich avanciren, ſo haben wir vier tauſend Mann im Feuer, und mit den Kanonen dazu wird das einigen Lärm machen. Mögen ſie denken, daß die Franzoſen angegriffen haben, gleichviel, wenn wir nur eine Bataille haben.

En bien, Messieurs, rief er dann, zu ſei⸗ nen Begleitern zurückreitend, die Kerle drüben ſcheinen uns zu verhöhnen!

Das ſchien in der That der Fall zu ſein, die franzöſiſchen Wachen gaben durch allerlei nicht eben ſehr feine Geberden zu verſtehen, daß die

Kaiſerlichen nicht in großer Achtung bei ihnen

ſtänden.

Wir ſollten den Burſchen die öſterreichiſchen Huſaren auf den Hals ſchicken! rief Friedrich. Buddenbrok kann anfragen, ob ſie ihre Piſtolen ſcharf und nicht etwa mit Platzpatronen geladen haben. Es ſollte mich gar nicht wundern, wenn Prinz Eugen das Letztere befohlen hätte, um einen Zuſammenſtoß zu vermeiden.

Die Offiziere lachten, während ihre Augen von Kampfluſt funkelten. Unterdeſſen war die Schwadron Huſaren ganz nahe herbeigekommen, und man ſah es den Leuten an, daß ihnen der Befehl, die franzöſiſchen Vorpoſten anzugreifen, nicht unerwünſcht kommen würde. Sie ſahen ſehn⸗ ſüchtig hinüber, ſtrichen ihre langen Schnurrbärte und Einzelne lockerten ſogar ihre Degen in den Scheiden.

Nun, Herr Rittmeiſter, rief Friedrich dem

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Kommandeur der Schwadron zu, was meinen Sie? Lan.

Und dabei zeigte er mit der Spitze ſeines De⸗ gens hinüber auf die frenzöſiſchen Vorpoſten.

Die Kerle thun ſehr tollkühn und dünken ſich gewiß ſehr ſicher! antwortete der Rittmeiſter, ein noch junger Mann mit einem martialiſchen Geſicht. Was befehlen Ew. Königl. Hoheit?

Ich habe hier leider nichts zu befehlen, antwortete der Kronprinz. Aber ich dächte doch, wir zeigten den Kerlen da drüben, daß wir Blei in den Piſtolenläufen haben.

Der Rittmeiſter ſchien nichts Beſſeres zu wün⸗ ſchen. Im Nu war die Schwadron formirt.

Halt! rief Friedrich. Das muß ſo ge⸗ legentlich geſchehen, Herr Rittmeiſter! Ich darf Ihnen keinen Befehl zum Angriff geben. Aber wenn Sie da rechts ein wenig vorreiten, ſo gleich⸗ ſam nur zu Spaß und als ob Sie die Franzo⸗ ſen foppen wollten, dann wird ſich die Sache machen, denke ich!

Der Rittmeiſter gab ein Zeichen, daß er voll⸗ kommen verſtehe, und während die jungen Offi⸗ ziere erwartungsvoll auf- und abritten, ſchwenkte die Schwadron nach rechts ab, trabte den Hügel hinunter, näherte ſich den feindlichen Wachen und machte Miene, nach dem Walde zu reiten.

Das mußte die Aufmerkſamkeit der Franzoſen erregen, und nach wenigen Minuten war Alles in voller Bewegung, die Signale ertönten, die zerſtreuten Poſten zogen ſich zuſammen, eine fran⸗ zöͤſiſche Kavallerie⸗Abtheilung ſprengte im Galop herbei, um der öſterreichiſchen Schwadron den Weg nach dem Walde abzuſchneiden. Dieſe in⸗ deſſen ſchwenkte jetzt ſchnell nach links ab und ſtürmte auf eine Abtheilung franzöſiſcher Muske⸗ tiere ein, die ſich noch nicht formirt hatten. Die Huſaren ſetzten über ein niedriges Gebüſch fort, und ehe die franzöſiſchen Musketiere ſie in Reih und Glied empfangen konnten, knatterten die Pi⸗ ſtolen und die Säbel der Huſaren glänzten in der Sonne..

Im Augenblick war auch Alles auf der preu⸗ ßiſchen Seite in Bewegung. Münchow und Dieskau mußten den Hergang bereits bemerkt haben, denn die Trommeln wirbelten dort, und