doch ſonſt ſeine Lieblinge ſind! Warte nur, wenn Du das Pulver erſt riechen wirſt, Burſche!
— Hab's gerochen, neulich da drüben! rief Friedrich etwas ärgerlich. Habe die Kugeln pfei⸗ fen hören und gefunden, daß ſie beinahe ſo gut klingen, wie meine Flöte. Und wenn ich die Sprache der Franzoſen und ihre Manieren liebe, ſo iſt damit noch nicht geſagt, Herr Vater, daß ich ihr Freund in der Campagne wäre. Obwohl es immer Feinde ſind, die man reſpektiren muß.
— Nun gut, Du ſollſt in der nächſten Ba⸗ taille Dein Regiment kommandiren! ſagte der Kö⸗ nig, ſichtlich erfreut über die derbe Sprache ſei⸗ nes Sohnes, mit dem er ſich erſt ſeit Kurzem wieder ausgeſöhnt hatte. Aber nimm Dich in Acht und ſei wacker, ſonſt halten wir Dich für einen Prahlhans.
— Seien Sie unbeſorgt, Herr Vater! wandte ſich der Kronprinz an den König. Im Frieden liebe ich die ſchönen Künſte. Im Kriege aber höre ich die Trommel lieber, als die Flöte. Alſo Ew. Durchlaucht wollen den Angriff noch auf vierzehn Tage verſchieben?
— Noch auf mindeſtens ſo lange, antwortete der Generaliſſimus, der unterdeſſen mit großem Gleichmuth einen Plan ſtudirt hatte. So lange müſſen ſich Ew. Königliche Hoheit ſchon gedulden!
— Adieu denn! rief Friedrich, ſich vor dem Generaliſſimus flüchtig verbeugend, und dann auf ſeinen Vater zutretend und ihm die Hand küſſend, worauf ihm dieſer freundlich auf die Schulter klopfte.
— Und wagt Euch nicht zu weit! rief er dem Davoneilenden nach. Buddenbrok iſt ein Hitz⸗ kopf, und es fehlte mir gerade, daß die Franzo⸗ ſen mir meinen Kronprinzen einfingen!
— Nein, nein! rief Friedrich. Nicht weiter, als es ſicher iſt. Seien Sie unbeſorgt!
Damit verließ er das Zelt. Das Geſicht des jungen, zweiundzwanzigjährigen Prinzen war miß⸗ müthig, ſeine Bewegung haſtig. Er hatte gehofft, dem alten Generaliſſimus eine beſtimmte Erklä⸗ rung über einen Angriff zu entlocken, er hatte es ſeinen Freunden, die ungeduldig draußen harrten, verſprochen. Aber er war abermals getäuſcht worden. Daſſelbe Zögern, dieſelbe bedächtige Lang⸗ . 1*
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Kheinsberg.
Hiren und doch ſtand man dem Feinde Auge in Auge gegenüber.
Raſch und ungeduldig ſchwang er ſich auf ſein Pferd, und im Nu war er von einer Schaar jüngerer Leute umringt, unter ihnen einige Prin⸗ zen von Deſſau, ein Vhan von Waldeck, von „Lichtenſtein, Fürſtenberg, Rheinfels und Bevern. Zwei jedoch waren es, die zunächſt bei ihm hiel⸗ gen, ein junger hübſcher Mann mit ächt deutſchem
eſicht, Buddenbrok, ein Offizier ſeines Ruppi⸗ er Regiments, und der Baron de la Motte⸗ Fouqué, einer der vertrauteſten Freunde des Prin⸗ zen, ſchon etwas älter, mit einem ſchönen männ⸗ lichen Geſicht.
— Nun, rief Alles dem Kronprinzen entge⸗ gen, was hat der Alte geſagt?
— Nichts, meine Herren, nichts! antwortete Friedrich laut und unmuthig. Wir haben nichts zu erwarten. Vierzehn Tage will er noch über⸗ legen, ob ein Angriff zu wagen iſt, und dann wird Philippsburg genommen ſein.
Ein lautes Murren flog durch die Reihen der
enttäuſchten jungen Männer, und unmuthig zerr⸗ ten ſie ihre Roſſe hin und her, als ob dieſe den Groll ihrer Herren entgelten ſollten.
— Iſt es wirklich ſo, Hoheit? fragte Hein⸗ rich de la Motte⸗Fouqué, ſich zu dem Prinzen neigend.
— Im Ernſt, im vollen Ernſt! antwortete dieſer leiſe, aber heftig. Es iſt nicht mehr zum Aushalten. Die Franzoſen werden bald mit Fin⸗ gern auf uns zeigen. ken von einer Nation, die es nicht einmal wagt, den Handſchuh aufzunehmen, den die ſeinige ihr hingeworfen!
— Es iſt nichts mit ſo alten Generälen! murmelte Fouqué finſter.
— Gar nichts! rief der Kronprinz. Und ich ſage Ihnen, Fouqué, wenn ich einmal meine Truppen führe, ſo muß ich ſelbſt noch jung ſein,
und auch meine Generäle ſollen es ſein, wenn*
ich einſt regiere. 8 — Und was wird aus der Netoonasärung? rief der junge Prinz von Bevern. 4 — Nun, wir können ſie vornehmen! Sie ſchadet ja nichis. Und die Franzöſen werden hof⸗ 3 12 3
Was wird Voltaire den⸗


