Jahrgang 
1855
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Die Hochzeit der Büßerin.

abzuwehren ſuchte; eine todesbange, verzehrende Sehnſucht erfaßte ihn, eine Luſt zu ſterben, ſüß und ſchmerzvoll, zärtlich und drohend, voll Trun kenheit und quälender Pein. Da blitzte ein Sonnenſtrahl durch das däm⸗ mernde Zwielicht, ſchlüpfte durch das grüne Laubgewinde vor dem Fenſter von Zweig zu Zweig und trat lächelnd bis dicht vor ſein Bett. Ach, die Sonne! ſagte er freudig, end⸗ lich ging ſie auf! Nun kann ich Maria er⸗ wecken. Er ſchob mit leiſer Hand die langen Locken von der Stirne der Geliebten und beugte ſich über ſie, entzückt von dem Kuß, den er ihr zu rauben gedachte. Seine Lippen berührten die ihrigen, aber tödtlich erſchreckt fuhr er zurück, ihre Lippen waren kalt. Maria! Marial rief er, bleich und von heimlichem Grauen erfaßt. Er ſchwieg, vielleicht zweifelnd, doch nicht lange, denn er ſah wohl, ſie war todt. Da nahm er ihre Hand, hob ſie in ſeinen Armen empor, faßte nach ihrem Herzen und weinte. Was die zärtlichſte Leidenſchaft, der verzweifeltſte Schmerz nur eingeben kann, dachte, fühlte und that er. Ja, Maria war todt, ſeine Küſſe, ſeine Thränen vermochten nichts über ſie. Län⸗ ger als eine Stunde verſtrich ſo; er blieb über ſie geneigt, mit verſtörtem Blick; leiſe ſchluch⸗ zend öffnete er ihre ſchönen Augen und ſprach zärtlich zu ihr von ſeiner Liebe. Wo bin ich? fragte er plötzlich wild auf⸗ fahrend, iſt das Alles nicht ein Traum? Er ſah um ſich, ſah die heiteren Landſchaf⸗ ten auf den Wandgemälden, die lächelnden Lie⸗ besgötter über den Thüren, und durch das of⸗ Fenſter den glänzend blauen Himmel. Noch glaubte er, daß ein Traum ihn gefangen ganz irre gemacht durch die Dinge rings nmer. Da aber hörte er zwei Mägde eer Schloßdienerſchaft durch den Korridor und flüſternd mit einander ſprechen... ſchts war ein Traum!

O mein Gott! rief er und warf ſich ver⸗ zweifelt vom Bett auf die Erde, es iſt wahr,

und Alles iſt verloren!.. Weh: mir, was beginne ich? warum, warum?... Er ſchwankte auf den Kamin zu, wo er den noch thränenfeuchten Brief Maria's fand, ihn mit ſchmerzlich neugieriger Freude ergriff und mit verſtörten Blicken, kraftlos und müde, als ginge es ſelber zu Grabe mit ihm, überflog; jedes Wort, das er las, berührte ſein Herz mit todesbangem Weh. Was ſchreib' ich Dir, Heinrich?... Ich will ſterben!... ſterben, da ich nach ſo vielen Schmerzen, Dank Dir, zu ſchönerem Leben erwacht bin. Und in dieſem ſchöneren, neueren Leben, erwarte ich dort nicht auch Dich? Ja, ſterben will ich, in dieſer Stunde kann ich es! denn Deine edle Liebe kleidete mich wieder in das Gewand der Unſchuld, und in dieſer Stunde, da eine Thräne aus Deinem Auge auf mein Herz fiel, ſühnteſt Du die Schuld meiner Seele. Ach, Heinrich, verzeih' mir, fluche nicht der, die Dich ſegnet; bereue nicht, mich geliebt zu haben, denn mit Deiner Liebe kann ich vor Gott erſcheinen, der die arme Büßende in ſeine Barmherzig⸗ keit aufnehmen wird. Ich litt ſo viel, ſo namenlos in dieſer Welt, daß meine Schmer⸗ zen dort oben nicht vergeſſen ſein können.

Aber ich?

Du aber biſt mein Retter, ja, Du allein!

Deiner Liebe bedurfte es, um hienieden die Richter zu erweichen, und ſie vergaben mir, die ich von frevelnden Leidenſchaften erfüllt war. Ach, und warum nicht leben in dieſer mit Liebe geſegneten Luſt? Nein, nein, Un⸗ glück verfolgte Alle, die mich liebten! Ich muß ſterben... Wer ſagt es, daß Du nicht bald die Tiefe dieſes Abgrundes erblickſt, in den Du hinabſtiegſt für mich? Dann bin ich Dir nichts als eine laſtende Kette! Ich könnte Deinen Klagen antworten, könnte ſa⸗ gen wie Du: Du wußteſt Alles und wollteſt es ſo! Doch nein, ich fühle Mitleid mit Deinem großen, verblendeten Herzen. Was ſollte ich Dir für ſo viel Liebe bieten? Eine tief zerriſſene Seele, krank und geängſtigt von der Erinnerung an die Vergangenheit. Ach,

Maria iſt todt, doch

ich lubte Di Dir, und der auf inmer Hen bedurſt nach ihr, unj durchglüht zu daß, ſeit Du len zu wolle widerruflich

dachte ich: S durch Dein e der Welt Ve res denken, a Deinen Nam mich eine zw dergeburt und tete ich, mit Lippen, im ſchmückt er

Kranze der! nur ein Aug Blut ſchwer Hen. d C giethen....