Jahrgang 
1855
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lange mehr! Siehſt Du die Bläſſe meines An⸗

geſichts, ſiehſt Du, wie gebeugt ich bin... der

Tod ſchleicht durch meine Adern; nur noch we⸗

nige Jahre, dann bin ich dort oben, lange, lange

vor Dir!

Vor mir! Gott mag es wiſſen. Aber Du täuſchſt mich vielleicht: jene Frau, die Du ſo ſehr, ſo ſehr liebteſt, ſie wird es ſein, die Du dort oben erwarteſt.

Während ich Dich erwarte vielleicht.. Doch, fuhr er fort, und zog das härene Büßer⸗

kleid dichter zuſammen, ich muß eilen, Dir Lebe⸗

wohl zu ſagen; denn, wenn ich bei Dir län⸗ ger als eine Stunde bliebe, wozu nützten mir elf Jahre Kampf und Entſaguug? Lebe wohl,

Maria!

Ach, rief ſie mit ſchmerzlichem Laut, warum biſt Du gekommen?

Montbrun erſchien wieder düſter und kalt. Leb wohl, meine Schweſter! ſagte er und reichte ihr ſeine welke Hand; Maria ergriff

ſie mit Innigkeit.

Nein.. nein! rief ſie, Du ſollſt mich

nicht ſo ſchnell verlaſſen! Du glaubſt alſo, 1 daß wir uns niemals wiederſehen?

1 4 Auf Erden niemals.

Ach, wäre ich ſicher, Dich im Himmel

wiederzufinden!

Hoſffe auf Gott.

Ich ſage Dir, Du ſollteſt nicht ſo ſchnell n von hier fort; kaum, daß ich Dich ſahe, kaum,

daß ich Dich ſprach!... Erzähle mir, wie Du dieſe elf Jahre verbracht haſt; erzähle mir, ich

muß Alles wiſſen.

Sagt' ich es nicht ſchon? Ich war dem Tode nahe, man betete für mich; da rührte

1

Gott mein Herz, wie das Herz derjenigen, die für mich bat; ihr ſchulde ich mein Leben und ſie litt es, daß ich es Gott zum Opfer brachte... G Du weißt ja Alles ſchon! A. Aber ich erwartete Dich doch in der Straße Hautefeuille, erwartete Dich wie eine Wahnſinnige, ſaß auf den Stufen einer Treppe 1 dort Tag und Nacht. Warum ſagteſt Du mir 1 nicht die Wahrheit? Als ich drei Tage ver⸗

164 ni Hachzeit der Büßerin.

jungen Kapitains verkündigen, der ſich in den Armen ſeiner Geliebten ermordet haben ſollte. Ich kam halb todt nach Hauſe, ich gedachte zu ſterben... aber, legt ſich ein unglückliches Weib ſo ſchnell in's Grab, wenn ihre Stunde noch nicht geſchlagen hat?

Und ich... ich hörte in meiner Verbor⸗ genheit dunkel, daß Du getröſtet ſeieſt... Du biſt ein Weib, das iſt Alles! Vor vier Jahren endlich erfuhr ich, daß mein unwürdiger Ver⸗ wandter, kraft eines Urtheils, das er gegen Dich durchgeſetzt, Dir Deine Freiheit für immer ge⸗ nommen habe. Zwei Mal verſuchte ich zu Dir zu dringen, fand aber, daß Du von harten Wächtern umgeben wäreſt. Auch bemühte ich mich, in einem Briefe unſeres Priors an den Erzbiſchof, Einlaß von ihm zu erlangen, aber er antwortete nicht, und erſt nach einem zweiten Schreiben meinerſeits würdigte er mich der Er⸗ füllung meiner Bitte. Denn Deine Geſchichte machte viel Aufſehen und man ſprach von Dir ſelbſt in unſerer Einſamkeit. Tief empörte es mich, als ich vernahm, daß Deine Kinder ge⸗ gen Dich zeugen ſollten. Ich trat mit der Ab⸗ ſicht vor die Richter, zu Deinen Gunſten zu ſprechen, ohne daß ich mich, wenn es ſein könnte, zu erkennen gab; doch wie ſich verbergen, wenn die Stimme des Herzens ſo vernehmlich ſpricht! Leb' wohl, Maria, leb' wohl!

Montbrun verließ mit raſchen Schritten die Zelle. Sie eilte ihm nach, aber er entwand ſich ihren Armen. Da kehrte ſie in ihren ein⸗ ſamen Kerker zurück und ſank traurig auf ihr Lager, während es von den düſteren Mauern unaufhörlich in ihr Ohr, ihr Herz zu rufen ſchien: Leb' wohl, Maria, leb' wohl!

Der Tag der erſehnten Hochzeit brach end⸗ lich an; ſie wurde feſtlich begangen, drei Wochen nach jenem für Maria ſo günſtigen Urtheil. Als die Neuvermählten aus der Kirche traten, umarmten ſie den alten Abbé und ſtiegen dann in den Wagen der Madame Montreull, der ſie ſchleunig davon trug. Die Reiſe wurde glück⸗

1 gebens gewartet hatte, hörte ich den Tod eines

lich vollbracht.

Etwa ſechs Schloſſe an. eutgegen; ſie! zärllickeit un Sohn.

Ihr we ſagte ſie und f triff ſich wund ſcleunig zu ſe gſarrer, der it erwarten wollt ten, die Vorſte Nehmt Platz, bei wir!

Ach, a Bild! rief M ihrer Mutter

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