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Der Stern Amerika's. 401
— Laß uns für unſere Kinder leben! ſagte der Kapitain dann. Lionel wäre nie glücklich geweſen, hätte er Dich nicht gefunden.
— O, es iſt mein Sohn, und welch ein Sohn! ſagte die Gräfin. Ich müßte ihn lieben und wäreſt Du auch böſe darüber. Aber Joan⸗ nina— das arme Kind! Willſt Du ihr Vater ſein, Leonhard? Kannſt Du ſie ein wenig lieben?
— Ich werde es Dir zeigen, antwortete er lächelnd. Als ich ſie zum erſten Male ſah, geſtern, da fühlte ich, daß ich ſie lieben würde. Es iſt Deine Tochter, eine Tochter, wie ich ſie mir gewünſcht hätte. Sie hat Dein ſanftes, ernſtes Auge—
— O, ſie iſt auch ein Schelm! unterbrach ihn die Gräfin lächelnd. Du wirſt bald ſehen, wie verzogen ſie iſt. Und nun ſprich, Leon⸗ hard— was hältſt Du von dem Marcheſe? Ich habe ihn ſehr lieb gewonnen, aber vielleicht hat mich die Liebe für mein Kind, um deſſen⸗ willen er ſo viel wagte, blind gemacht.
— Nein, Du haſt recht geſehen! ſagte der Kapitain. Der Marcheſe iſt brav, edelherzig, etwas jung noch, aber ernſt, wo es gilt. Joan⸗ nina konnte keine beſſere Wahl getroffen haben. Er liebt ſie leidenſchaftlich, aber auch treu. Wenige hätten ſo lange um ihre Hand gewor⸗ ben. Und er ſoll reich ſein.
— Sieh, ſieh! Wie wir ſchon kalkuliren! Wie wir beiſammen ſitzen und ſprechen, als ob das ſo ſein müſſe! rief die Gräfin mit einem glücklichen Lächeln.
Sie drückten ſich die Hand und der Kapi⸗ tain ſchlang ſeinen Arm um ſie, ſo zart, ſo lie⸗ bevoll, wie ein zwanzigjähriger Jüngling, dem die Geliebte die erſte ſüße Stunde gewährt.
Da drängten ſich zwei Köpfe durch die leiſe geöffnete Thür.
— Vater, Mutter! riefen zwei Stimmen, und Lionel und Joannina eilten auf die Beiden zu und ſanken zu ihren Füßen nieder, Lionel ſein Haupt an die Bruſt der Mutter legend, Joannina ihre weiße Stirn auf die Hand des Kapitains drückend.
— Gott ſegne Euch! ſagte der Kapitain
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beendet.
leiſe und zitternd. uns lieben.
Liebt Euch Beide, wie wir Nun iſt Alles gut und Alles
So lagen ſie einige Minuten lang, ſtill weinend. Aber während deſſen hatte ſich die kleine Kajüte gefüllt. Mariano und Angeline, William und Engenie waren herbeigekommen, und während der Marcheſe leiſe neben Joan⸗ nina niederkniete, ſank Angeline nieder neben Lionel.
— Antonia, ſieh, das ſind auch unſere Kin⸗ der! ſagte der Kapitain zu der Gräfin, die ganz verſunken in ihr Glück auf Lionel niederſchaute.
— Ah, Mariano, mein lieber Freund! ſagte die Gräfin. Da ſind Sie ja endlich glücklich im Hafen angelangt, Sie zweiter Odyſſeus. Iſt denn dieſe Penelope, mein Kind, noch treu und gut geblieben?
Der Marcheſe ergriff die Hand der Gräfin und bedeckte ſie mit Küſſen.
— Frau Gräfin, ſagte er mit bewegter Stimme, und wenn Joannina mir ihr Herz bewahrt hat, darf ich dann hoffen, daß auch Sie—
— Ah, mein lieber Marcheſe, unterbrach ihn die Gräfin mit einem ſchelmiſchen Lächeln, darüber habe ich nicht zu beſtimmen. Hier iſt der Vater!
Sie zeigte auf den Kapitain.
— Lieber Marcheſe, ſagte dieſer in demſel— ben Tone, ich bedauere, auch ich kann Ihnen keine beſtimmte Zuſicherung geben. Da iſt meine Tochter ſelbſt! Sie iſt ſo viel in der Welt herumgewandert, daß ſie ſich nun wohl ſelbſt ein Urtheil bilden und einen Entſchluß faſſen kann. Joannina, ſage, mein Kind, möchteſt Du denn den Marcheſe zum Manne haben? Aber ich zwinge Dich nicht. Ich habe kein Dokument des Czaren aufzuweiſen.
Joannina, lachend, weinend, blickte auf den Marcheſe.
— Ich weiß ja gar nicht, ob er mich will! flüſterte ſie dann lächelnd.
Der Marcheſe ſchlang ſeinen Arm um ſie, und die beiden Eltern legten ſegnend die Hände
auf das Haupt der beiden ſchwergeprüften Kinder. 26
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