Jahrgang 
1855
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Der Stern Amerika's.

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riano warf einen Seitenblick auf den Rath und ſah, wie jeder Tropfen Blut aus dem Geſichte deſſelben verſchwunden war und wie er die Hände im ohnmächtigen Zorn ballte.

Arm in Arm gingen die drei Männer hinab nach Balaklawa. Ihnen Allen war es jetzt leich ter und wohler ums Herz. Das Schwerſte war geſchehen, vorüber. Nur Eines gab es noch, was die Gedanken des Kapitains beſchäftigte, und auch das mußte ſich bald entſcheiden.

Von den Höhen vor Balaklawa aus ſahen ſie, daß derStern Amerika's noch nicht wie der vor Anker gegangen war, und die drei Männer brachten einige Zeit damit zu, durch die Straßen der Stadt zu wandern, die einſt ruſſiſch geweſen war, jetzt aber den Anſtrich einer engliſchen Stadt hatte, und nur von Soldaten und Verkäufern bewohnt war. Ueberall waren Hospitäler, Kaſernen, Munitions- und Waffen⸗ depots. Auf den Straßen ſtanden Buden und in dieſen Armenier und Türken, die Erzeugniſſe ihrer Länder feilbietend. Balaklawa war aus einer ſtillen, unbedeutenden Handelsſtadt ein lebhafter Waffen- und Waarenplatz geworden. Hier hatte Rußland bereits aufgehört, zu exiſtiren.

Dazwiſchen donnerten immer noch die Ka nonen der Batterieen von Sebaſtopol. Die Schlacht bei. Inkerman hatte der Belagerung kein Ziel geſetzt. Sie währte ununterbrochen fort, und gerade jetzt ſahen der Kapitain und ſeine Begleiter neue Truppen, Verſtärkungen, ausſchiffen.

Jetzt tauchte ein Segel im Süden auf, und der Kapitain betrachtete es einige Minuten lang aufmerkſam.

Es iſt mein Fahrzeug, ſagte er. Gehen wir hinab nach dem Hafen.

Als ſie unten ankamen, war derStern Amerika's ſchon in voller Sicht.

Ei, eil ſagte der Kapitain und ſeine Blicke leuchteten auf. Da haben ſie ja die große Feſttagsflagge aufgehißt. Das muß Gutes zu bedeuten haben.

Er ſah ſeine Begleiter lächelnd an und dieſe drückten ihm die Hand.

nen Sohn.

Jetzt hatte das Fahrzeug ſeinen alten An kerplatz erreicht. Die Segel fielen, der Salut⸗ ſchuß erdröhnte, und der Kapitain nahm mit ſeinen beiden Freunden Platz in dem Boote, das ſie nach dem Fahrzeuge führen ſollte.

In wenigen Minuten hatten ſie es erreicht. Das ſcharfe Auge des Kapitains hatte ſchon vorher das Deck gemuſtert, und er mochte auf demſelben manche Geſtalten erkannt haben, die ihm fremd waren. In ſichtbarer Bewegung ſtieg er die Treppe hinan und betrat das Deck.

Lionel kam ihm entgegen mit freudeſtrahlen⸗ der Miene. Er reichte ſeinem Vater die Hand. Dann trat er auf Mariano zu und führte ihn zu Joannina.

Signor Marcheſe, ſagte er mit einem ſcherzhaften Lächeln, ich habe das Vergnügen, Ihnen meine theure Schweſter vorzuſtellen.

Wenn ich es im Stande bin, ſo werde ich ſie jetzt noch mehr lieben, als früher, ſagte der Marcheſe leiſe. Und die Frau Gräfin?

Stl ſagte Lionel und legte lächelnd den Finger auf den Mund.

Der Kapitain hatte die Perſonen auf dem Deck gemuſtert und vielleicht diejenige nicht ge funden, die er ſuchte. Seine Stirn war weni ger heiter. Lionel ſtellte ihm Leonore vor, auch Cecca, die ſo lange Zeit die Schickſale ihrer jungen Herrin getheilt hatte.

Mein Vater, ſagte er dann, den Kapi tain bei Seite nehmend, meine Sendung iſt in allen Punkten geglückt. Ich habe mehr erreicht, als ich hoffte. Ich habe eine Mutter, eine gute, liebevolle Mutter gefunden. Willſt Du ſie nicht ſehen?

Iſt ſie hier? rief der Kapitain und drückte ſeinem Sohne ſtürmiſch die Hand.

Lionel führte ihn nach der Treppe, die zu der Kajüte führte. Der Kapitain verſtand ſei⸗ Er fuhx ſich mit der Hand über die Stirn. Dann ging er langſam hinab.

Das Herz klopfte doch dem kalten, ruhigen Manne, als er die Thür öffnete. Da ſaß die Gattin ſeiner Jugend, die Mutter ſeines Soh⸗ nes, die er nun ſeit zwanzig Jahren nicht wie⸗ dergeſehen mit dem edlen, gefurchten Antlitz,

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