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16 Der Stern Amerika's.
Der Stern Amerikg's.
— Es wird nichts weiter übrig bleiben, als in dieſer Felſenecke, unter den Kanonen des Forts anzulegen! ſagte ein langer, hagerer Mann, der auf dem Vorderdeck deſſelben Fahrzeugs ſtand, das bereits ſeit einer Stunde die Auf— merkſamkeit der Raguſaner erregt hatte. Dieſe Stelle ſcheint mir ſicherer zu ſein, als der er— bärmliche Hafen von Raguſa, und vielleicht iſt's ohnehin beſſer, wir bleiben hier!
Es war der Kapitain, vielleicht auch der Eigenthümer des Schiffes, der das zu ſeinem Genoſſen ſagte. Er war ganz ſeemänniſch ge⸗ kleidet, mit kurzem, offenem Rock, weiten, wei— ßen Pantalons, und einem lackirten, niedrigen Hut mit breiter Krempe auf dem kurzgeſchore⸗ nen Haar— ein ächter Yankee, wie Mancher geſagt haben würde, obwohl ſeine regelmäßigen ruhigen Züge nicht ganz den Ausdruck des Ame⸗ rikaners von engliſcher Abſtammung zeigten, und der ſanfte Glanz ſeiner blauen Augen die Strenge ſeiner Geſichtszüge etwas milderte. Dabei hatte er die Hände nach amerikaniſcher Manier in der Hoſentaſche und dampfte ſeine Cigarre mit der Seelenruhe eines Mannes, dem Alles gleichgültig iſt. Uebrigens war ſein An— zug von den feinſten Stoffen, ſeine Wäſche äußerſt fein, und eine ſchwere goldene Uhrkette verkündete den reichen Mann.
Es war in der That der Eigenthümer des Schiffes, das den ſtolzen Namen:„Der Stern Amerika's“ führte, und in jeder Hinſicht die Bewunderung der Kenner und Laien erregen mußte. Nach Art der ſchnellſegelnden Klipper gebaut— nur weniger breit und bauchig— war es über und über mit Segeln bedeckt, ohne jedoch deshalb ein ſchwerfälliges Anſehen zu haben. Alles auf dem Schiffe zeugte von der größten Feſtigkeit und zugleich von einer Ele⸗ ganz, wie man ſie in dieſem Grade vielleicht nur auf den Luſtijachten der Souveräne oder der reichen engliſchen Ariſtokratie wiederfindet. Jedes Winkelchen war auf die zweckmäßigſte Weiſe benutzt, und doch fehlte es nirgends an
Raum. Man konnte ſich überall ungehindert bewegen. Das Deck war ſauber, wie eine Putz⸗ ſtube, und das prachtvolle Geländer der Treppe, die zu der Kajüte hinabführte, gab einen Vor⸗ geſchmack von der Eleganz, die dort herrſchen mußte. Der Eigenthümer des Schiffes konnte nur ein Millionär ſein, ſonſt mußte ihn der Bau dieſes Fahrzeugs ruinirt haben.
Wir wollen die Leſer nicht mit einer Be⸗ ſchreibung der Einzelnheiten des Schiffes ermü⸗ den. Es mag genügen, daß der„Stern Ame⸗ rika's“ in allen Häfen die gerechte Bewunde⸗ rung der Männer von Fach erregt hatte. Drei⸗ ßig Matroſen, der Mehrzahl nach jung, und Alle äußerſt ſauber gekleidet, bildeten die Equi⸗ page des Schiffes und lauſchten mit einer Em⸗ ſigkeit, wie man ſie ſelten bei einer gemietheten oder nur durch die Strenge der Disziplin zu⸗ ſammengehaltenen Mannſchaft findet, auf das Kommando des Offiziers, der in der Nähe des Steuermanns ſtand, und kein anderes Abzeichen trug, als ein ausdrucksvolles Geſicht und eine ſchöne, imponirende Geſtalt. Drei Böte, ein größeres, das erſt vor Kurzem gebraucht zu ſein ſchien, und zwei kleinere, befanden ſich an Bord und eine verdächtige Reihe von je acht Luken, die ſich längs der Seitenwände hinzogen, aber jetzt geſchloſſen waren, ſchien anzudeuten, daß das Fahrzeug auch für andere Kämpfe, als mit Wind und Wetter, gerüſtet ſei. Vom Haupt⸗ maſt wehte das amerikaniſche Sternenbanner.
Und der Zweck dieſes Schiffes? War es nur für eine Luſtfahrt beſtimmt? Dieſe Frage hatte Manchen bereits in den Häfen beſchäftigt, in denen das Fahrzeug angelegt hatte. Herr van Büren, der Beſitzer, war ein äußerſt höflicher Mann, der gern die Erlaubniß gab, ſein Schiff zu beſichtigen, aber auch zu ſchweigen verſtand. Man hatte in Petersburg nicht mehr erfahren, als in London, Hamburg, Havre, Liſſabon und Genua, und doch ging überall das Gerücht, daß Kapitain van Büren ganz eigenthümliche Ab⸗ ſichten verfolge und ſich nicht blos auf einer Luſtreiſe befinde. So viel ſtand feſt, daß man dem„Stern Amerika's“ niemals Hinderniſſe in den Weg gelegt hatte, und daß er ſelten durch⸗
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