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Der Stern Amerika's. 3 15
gierung nicht nach Päſſen oder ſonſtiger Legi⸗ timation? fragte der Rath, den jungen Mann ſcharf muſternd.
Dieſer warf jetzt auch ſeinerſeits einen miß— trauiſchen Blick auf den neugierigen Fremden, nahm dann aber ſogleich wieder eine unbefan⸗ gene und leichtfertige Miene an.
— Päſſe? Wer frägt danach? ſagte er leichthin. Was hat die Regierung von einem armen Schifferburſchen zu fürchten? Doch jetzt Addio, Signor! Ich ſehe dort ein Paar Ka⸗ meraden.
Und raſch und behend erhob er ſich und ging auf eine größere Gruppe von Matroſen zu, die am Ufer ſtanden.
Der Rath ſah ihm einen Augenblick ge— dankenvoll nach; dann fluͤſterte er einige Worte vor ſich hin und warf einen Blick auf das Meer. Des amerikaniſche Schiff näherte ſich nicht dem kleinen und unſicheren Hafen von Raguſa, ſondern ſchien in der Nähe der Inſel Lacroma vor Anker gehen zu wollen. Bereits eilten einige Neugierige in die Böte, um das fremde Fahrzeug in der Nähe zu betrachten.
Der Rath ging durch das Seethor, wo ein wachthabender Offizier ihn empfing, und nach einem kurzen muſternden Blick den Paß ver⸗ langte.
Der Rath reichte ihm denſelben ſchweigend dar. Er lautete auf den früheren Profeſſor der Philoſophie, jetzigen Rentier, Karl Wild aus Königsberg in Preußen, der ſich ſeiner Geſund— heit und geſchichtlicher Studien halber in Ra— guſa längere Zeit aufhalten wolle. Der Paß war vollkommen in Ordnung, und der Offizier gab ihn ohne Weiteres zurück.
— Sie halten ſich ſchon längere Zeit hier auf, Herr Profeſſor? fragte der Offizier. Ich glaube Sie ſchon öfter in der Umgegend ge⸗ ſehen zu haben.
— Das iſt wohl möglich, Herr Lieutenant, erwiederte der Rath kunz. — Und nehmen Ih
Fortgang?
— Es geht, ich bin zufrieden! antwortete
der Rath lächelnd und entfernte ſich mit einer
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Studien einen guten
Verbeugung, indem er bei ſich dachte, daß es doch gut ſei, ſich alle möglichen Päſſe auf den geeigneten Wegen verſchaffen zu können.
Nach einer Viertelſtunde ſtand er vor der⸗ ſelben Villa, die wir bereits kennen gelernt ha⸗ ben. Es war eines von den größeren Gebäu— den und noch leidlich erhalten, obgleich die Gartenanlagen, die daſſelbe auf allen Seiten umſchloſſen, ſich im Zuſtande der vollſtändigſten Verwilderung befanden. Dieſes Mal öffnete der Rath eine Pforte mit einem Schlüſſel, den er bei ſich trug.
— Nichts vorgefallen, Niklas? fragte er den Diener, der ihn an der Schwelle des eigent— lichen Wohngebäudes empfing. Was iſt denn das? Du haſt ja einen großen blauen Fleck am rechten Auge?
— Daran iſt nur mein Dienſteifer Schuld, Herr! erwiederte der Diener mit einem jämmer— lichen Geſicht. Den Schlag habe ich von dem Sänger.
— Ah ſol rief der Rath aufmerkſam. Du haſt ihn geſehen und erkannt?
— Das nicht, antwortete Niklas kleinmü⸗ thig. Als Sie fort waren, fing er noch ein— mal an zu klimpern und zu ſingen. Darauf ſchlich ich mich aus dem Hauſe und kam dicht an ihn heran. Er ſtand außen an der Gar⸗ tenmauer, und ich glaube, der Schelm war Willens, über ſie fort zu ſpringen. Da rief ich ihm zu, das ſolle er bleiben laſſen. Aber er mochte wohl nicht Ruſſiſch verſtehen, denn als ich auf ihn zuging und ihn halten wollte, gab er mir ſtatt aller Antwort ein Paar Hiebe mit der Fauſt in das Geſicht, die ich ſo leicht wohl nicht werde vergeſſen können. Nun ſoll mir Einer noch ſagen, die Muſikanten hätten ſchwache
Knöchel! — Und er machte ſich dann aus dem
Staube? fragte der Rath.
Niklas nickte kläglich, und ſein Herr, ohne weiter auf die Schmerzensgeberden des dienſt⸗ eifrigen Getreuen zu achten, trat in ſein Zimmer, um ſich umzukleiden und einige Stunden zu ſchlafen. Joannina hatte ſich noch nicht ſehen laſſen, wie Niklas meldete.


