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Der Stern Amerika's. 9
Joannina ließ das Köpfchen ſinken und ſah ſehr betrübt vor ſich hin. Der Rath führte ſie an die nächſte Thür und öffnete dieſelbe. Sie führte zu einer Art von Schlafgemach, in dem ebenfalls eine Ampel brannte.
— Gute Nacht, Signora! ſagte er dann ernſt. Und denken Sie ſtets daran, daß eine junge Dame von Stande ſich nicht ſo weit herab⸗
laſſen darf, Serenaden von Morlacken⸗Burſchen
anzuhören oder gar zu beantworten! Er verließ das traurige Mädchen und ver⸗ ſchloß die Thür hinter ihr. Dann nahm er
einer guten Viertelſtunde ſtieg er wieder bergan und ſtand endlich vor einem kleinen ſteinernen Gebäude ſtill. Vorſichtig ſah er ſich um, dann blickte er durch ein Fenſter, das mit Steinen verſetzt war, die nur eine kleine Spalte offen ließen, in das Innere und ſchlug mit dem Abſatz ſeines Stiefels gegen die Mauer.
— He, wer iſt da? fragte eine Stimme in illyriſcher Sprache aus dem Innern.
— Der Fremde! antwortete der Rath in
derſelben Sprache und trat durch die Thür, die
das Licht und kehrte durch den Gang zu ſeinem
Zimmer zurück.
— Niklas, meine Piſtolen! ſagte er zu dem ihn erwartenden Diener. Haſt Du etwas von einem Geſang und einer Guitarre gehört?
hört man öfter.
jetzt geöffnet wurde, in das Gebäude und in ein geräumiges, aber von allem Hausgeräth ent⸗ blößtes Zimmer, das durch eine jämmerliche Oellampe nothdürftig erleuchtet wurde.
Drei Männer befanden ſich in demſelben,
keine Städter aus Raguſa, auch keine Küſten⸗ — Ja, Herr! antwortete Niklas. Aber das
— Dieſelbe Stimme wie heut? fragte der
Rath aufmerkſam.
— Nein, ſo gut wie der ſingt ſelten Einer, erwiederte Niklas.
— Du wirſt aufmerkſam ſein! ſagte der Rath.
Sobald ich fort bin, ſieh zu, daß das Haus ſicher
verſchloſſen iſt, und dann wache eine Stunde,
und gieb Acht, ob Du den Burſchen, der heut
geſungen, entdecken und erkennen kannſt. Ein Paar derbe Hiebe werden im Nothfall nicht ſchaden. Ich mag die Klimperei nicht leiden. Aber laß Niemand während der Zeit in das Haus dringen. Auch darf Fräulein Joannina nicht hinaus.
Der Diener machte ein Zeichen, daß er ver⸗ ſtanden habe. Dann nahm der Rath ſeine Pi— ſtolen, die ſehr gut gearbeitet waren, ſteckte ſie in die Taſche ſeines Mantels, den er jetzt wieder über warf, griff nach ſeiner Mütze und verließ das Gebäude auf demſelben Wege, auf dem er vorhin gekommen war.
Doch kehrte er nicht auf die Höhe des Ber⸗ ges zurück, den er vor einer halben Stunde her⸗ abgeſtiegen war. Er ſchlug eine andere Rich⸗ tung, nach Norden, ein, und ſchritt haſtig auf einem halbgebahnten Wege, der zwiſchen Mauern und Gärten entlang führte, vorwärts. Nach
bewohner, ſondern ihrem Anzuge nach zu ſchlie⸗ ßen ächte Söhne der Berge, Morlacken, viel— leicht auch Tſchernagorzen(Montenegriner), mit weiten braunen Filzjacken, rothen Weſten, rothen
Fezmützen, langen Piſtolen im Gürtel und lan⸗
gen Flinten. Die letzteren ſtanden in einer Ecke und neben ihnen lagen drei braune wollene Decken, der gewöhnliche Ueberwurf der Berg⸗ bewohner.
Die drei Männer grüßten den Eintretenden ehrerbietig und mit einer Art von Scheu. Er beantwortete den Gruß nur flüchtig und nahm ſogleich ſeine ſteife militäriſche Haltung wieder an.
— Alles bereit, Pero? fragte er den größ⸗ ten und ſtärkſten der Männer.
— Ja, Herr! antwortete dieſer. Wir war⸗ ten auf Dich.
— Dann vorwärts! ſagte der Rath und die Drei griffen nach ihren Flinten und Decken.
Pero ging voran, um die Hausthür zu öffnen.
— Was zögerſt Du? fragte ihn der Rath, der ihm gefolgt war.—
— Still, Herr! erwiederte der Morlacke. Ich höre Pferdegetrappel.
— Pferdegetrappel? Du weißt ja gar nicht, was das iſt! ſagte der Rath ſpöttiſch. Ich glaube in ganz Raguſa giebt es kein Pferd. Ich habe nie eines geſehen.
— Aber der Oberſt auf dem Fort Imperiale


