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6 Der Stern Amerika's.
verſchwundenen Glanz dieſes Gebäudes. In den Wänden zeigten ſich ſogar Riſſe.
An ſeinem Ende theilte ſich der Gang in zwei ſchmalere Arme. Der Rath bog in den linken derſelben ein und ſtand vor einer Thür ſtill, die noch gut erhalten war, und deren ei⸗ chene Felder ſchöne Schnitzarbeiten, Amoretten und Blumengewinde zeigten. Er klopfte an die Thür und eine Frauenſtimme fragte in ita⸗ lieniſcher Sprache, wer da ſei.
— Feodor! antwortete der Rath, und die Stimme rief: Herein!
Der Rath trat in das Zimmer, das einen eigenthümlichen Anblick darbot.
Eine Ampel, ſehr alt und von ſehr ſchöner Arbeit, hing von der Mitte der Decke herab und die ſchwache Flamme derſelben erfüllte das kleine Gemach mit einem ungewiſſen Dämmer⸗ ſchein. Doch ließ ſich ſogleich erkennen, daß es ſtets für den Aufenthalt von Frauen beſtimmt geweſen. Noch ſah man an den Wänden ent⸗ lang die einſt vergoldeten Geſtelle der Ruhe— betten. Konſole von Marmor ſchmückten die Wände; aber die Statuen, die auf ihnen ge⸗ ſtanden, waren längſt zertrümmert, und ſtatt ihrer zogen ſich lange und ſchöne Epheugewinde um die marmornen Verzierungen. Ein kleiner Kamin ſchien einſt mehr zum Schmuck, als zum Schutz gegen die Kälte gedient zu haben. Ueber demſelben ſtanden zwei antike Vaſen, die erſt vor kurzer Zeit dorthin geſtellt zu ſein ſchienen, und nicht mit den übrigen Verzierungen, die ganz im venetianiſchen Geſchmack des ſechszehn⸗ ten Jahrhunderts gehalten waren, übereinſtimm⸗ ten. Zwei einfache Stühle, ein Tiſch und ein kleiner Schrank bildeten die Möbel. Eines von den Ruhebetten ſchien wiederhergeſtellt zu ſein und war ganz mit Epheu überrankt, der ſich an zwei ſchwachen Säulen hinaufzog und ſein Gewinde in einem ſanften Bogen bis an die Wand hinſendete. Eine offene Thür ſchien zu einer Art von Balkon oder Veranda zu führen. Auf dieſem, ſo wie durch die offenen Fenſter, ſah man in dem helleren Licht der Kerze, die der Rath trug, die dunkelgrünen Maſſen des Oleanders und anderer verwilderter Zierpflanzen
ſchwanken, deren Duft ſchwer und betäubend durch das Zimmer zog. Hinter ihnen erhob ſich ein hoher dunkler Wald, deſſen mitternächtliches Dunkel einen ſeltſamen und düſteren Kontraſt mit der Beleuchtung des Zimmers bildete.
Auf jenem Ruhebett, das der Epheu um⸗ rankte, ſaß in halbliegender Stellung eine weib⸗ liche Geſtalt, die ſich ein wenig aufrichtete, als Feodor eintrat. Ihre Formen und ihr Geſicht zeigten auf den erſten Blick die Italienerin und zwar die vollendete Italienerin. Das kaſtanien⸗ braune Haar, läſſig geſcheitelt, ſo daß es in vollen Wogen bis auf den Nacken herabfiel, um⸗ ſchloß ein Geſicht vom regelmäßigſten Oval, mit einem Paar glühender ſchwarzer Augen, einer ſanft gebogenen Naſe und einem kleinen Munde, deſſen Lippen im zarteſten Schwunge ſchwellend aneinanderſchloſſen. Ein leichtes, hellblaues Kleid ließ die Schultern und die Arme frei, deren For⸗ men man ſich unmöglich ſchöner, voller und regel⸗ mäßiger denken konnte. Die ganze Geſtalt ſchien mehr als mittelgroß zu ſein, und ein italieni⸗ ſcher Ausdruck von Anmuth, Läſſigkeit und ſüßem Wohlbehagen war über dieſelbe ausgebreitet. Zu ihren Füßen, die auf einem kleinen verbli⸗ chenen Tabouret ruhten, lag eine noch neue und zierliche Guitarre.
— Sie haben mich heut noch ſprechen wol⸗ len, Joannina? ſagte der Rath, der die Kerze auf den Tiſch ſetzte, in italieniſcher Sprache— und es war zu verwundern, wie derſelbe Mann, der mit dem öſterreichiſchen Offizier ſo fließend deutſch, und mit ſeinem Diener vollſtändig ge⸗ läufig ruſſiſch geſprochen hatte, nun auch die italieniſche Sprache mit einer Fertigkeit und Gewandtheit anwendete, die jeden Zuhörer im Zweifel darüber laſſen mußte, ob er nicht wirklich ein Italiener ſei. Im Uebrigen war der Aus⸗ druck ſeiner Stimme ſo ruhig, wie der Blick ſeines Auges. Er ſchien an den ſeltſamen und beinahe verführeriſchen Anblick, den das Zimmer und ſeine Bewohnerin darboten, gewöhnt zu ſein.
— Ja, Signore, ſo iſt es! antwortete die Italienerin mit der ſüßeſten und wohllautendſten Stimme und im reinſten Dialekt. Ich hoffe, daß ich Sie nicht geſtört habe. Aber wenn es
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