Jahrgang 
1855
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und von ehemals gewiß ſehr ſchöner Arbeit, zierte die Hinterwand. Einige moderne Möbel, zwei Tiſche, ein Schreibepult und einige Stühle, bildeten einen eigenthümlichen Gegenſatz zu dem mittelalterlichen, verfallenen Schmuck des Zim⸗ mers. Auf dem Schreibepult lagen Bücher und Landkarten.

Kein Brief, keine Botſchaft, Niklas? fragte der Herr jetzt und ſtand ſtill.

Ja, Herr, antwortete der Diener in ruſſiſcher Sprache, und aus der Bruſteaſche ſei⸗ ner kurzen ruſſiſchen Jacke zog er ein Papier, das ſchlecht gefaltet, noch ſchlechter geſiegelt und über und über mit Fett⸗ und Schmutzflecken be⸗

deckt war.

Der Herr nahm es nicht ohne ein Zeichen leichten Mißbehagens, hielt es zwiſchen zwei Fingern und trat ans Licht, um es zu erbrechen. Dabei hatte er die Mütze abgelegt und den Mantel auseinandergeſchlagen, ſo daß das Licht der Kerze jetzt ſeine Züge hell beleuchtete.

Sie waren ernſt und regelmäßig und gaben keinen Aufſchluß über ſein Vaterland, da ſie durchaus nicht den Stempel irgend einer be⸗ ſtimmten Nationalität trugen. Die Naſe war gerade, etwas ſtark, das Auge hellbraun, klar und hell, der Mund ernſt, ſcharf geſchnitten, die Stirn hoch und die Hügel über den Augen ſtark ausgeprägt. Der ganze Ausdruck des Ge⸗ ſichts war ein edler, ernſter und nachdenkender, wie man ihn bei gereiften Männern findet. Doch ließ ſich ſein Alter ſchwer nach den Ge⸗ ſichtszügen beſtimmen. Der Herr konnte zwi⸗ ſchen dreißig und vierzig ſein, vielleicht näher an vierzig. Seine Hand war ſchmal und fein gebaut, verrieth jedoch Kraft, wie die ganze Geſtalt des Mannes. Das Haar trug er kurz und ſchlicht anliegend, faſt nach ſoldatiſchem Schnitt. Seine ganze Tracht harmonirte damit. Sie war die eines Mannes, der militäriſch geſchult erzogen iſt, oder es liebt, in ſeinem Aeußern ein ſoldatiſches Weſen zur Schau zu tragen. Ein ſchwarzer Ueberrock war bis oben zugeknöpft, und eine feſt anliegende ſeidene Binde umſchloß den Hals. Einen Bart trug er nicht, obgleich die blauen Schatten am Kinn, Wange

und Oberlippe zeigten, daß die Natur ihm die ſen männlichen Schmuck nicht verſagt habe. Seine ganze Erſcheinung war einfach, würde⸗ voll und achtunggebietend.

Er las den Brief aufmerkſam, betrachtete ihn dann noch einmal mit einem etwas ſpötti⸗ ſchen Blicke, hielt ihn an die Flamme der Kerze und verbrannte ihn. Der Geruch von Knob⸗ lauch und Fett war dabei ſo ſtark, daß Niklas nieſen mußte, was ſeinem Herrn ein Lächeln entlockte.

Wer hat ihn gebracht? fragte er dann.

Pero, antwortete der Diener. Er war⸗ tet an dem beſtimmten Punkt im Borgo Pitte auf den Herrn Rath.

Der Rath wir müſſen ihn jetzt ſo nen⸗ nen, da ſein Diener ihm dieſe Bezeichnung gab, obgleich ſein Ausſehen ein militäriſches war machte ein kurzes Zeichen des Einverſtändniſſes, zog dann ſeine Uhr, ſah nach derſelben und öff⸗ nete eine von den Fenſterläden Scheiben be⸗ fanden ſich nicht in den Fenſtern. Es war zweifelhaft, ob er einen Blick nur auf den Him⸗ mel, oder auch auf das Fort Imperiale warf, das man durch eine Lücke der hohen Bäume des Gartens finſter herüberragen ſah.

Schläft Joannina ſchon? fragte er dann den Diener.

Ich glaube nicht, Herr, lautete die et was zögernde Antwort.

Weshalb nicht, iſt etwas vorgefallen? fragte der Rath aufmerkſam.

Ich weiß nicht, antwortete Niklas. Fräulein ſagte mir, ſie würde aufbleiben, um Ihre Rückkehr zu erwarten.

Hm! Ich habe wenig Zeit, mit ihr zu ſprechen, ſagte der Rath vor ſich hin und ſah abermals nach der Uhr. Doch es ſei, fünf Minuten. Warte hier auf mich, Niklas, ich muß ſogleich nachher wieder fort.

Er nahm die Kerze, verließ das Zimmer und ſchritt den langen Gang hinauf, der das Gebäude in zwei Hälften zu theilen ſchien. Der marmorne Fußboden deſſelben, die Seitenwände mit den Niſchen und halb zerſtörten Statuen deuteten ebenfalls auf einen früheren und längſt