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ten einen Theil des genoſſenen Oeles zu, und theilte auf dieſe Weiſe ihren Raub mit ihm. So hatten Beide wahrſcheinlich ſeit Jahr⸗ hunderten in dieſem Grabe gelebt, und wuͤrden wahrſcheinlich heute noch dort wohnen, wenn der Zufall nicht dem Pfarrer den Kirchendieb⸗
ſtahl enthüllt hätte. Am nächſten Morgen ließ er den Grabſtein aufheben und die beiden Thiere tödten, deren ausgeſtopfte Leiber zum Gedächt⸗ niß an die Wölbung der Kirche aufgehangen wurden.
Der Bauer aber, der Nodier dieſe wunder⸗ ſame Geſchichte erzählte, fügte hinzu, auch er ſei unter Denen geweſen, die vom Pfarrer ge⸗ rufen worden, um die beiden Grabbewohner ab⸗ zuthun, und habe ſich, gleich dieſem, beſonders die Kröte zur Zielſcheibe auserſehen; dabei ſei ihm ein Tropfen ihres Blutes ins Auge ge⸗ ſpritzt, ſo daß er beinahe, gleich dem Tobias, davon blind geworden wäre und zum Glück noch mit einem Auge davon gekommen ſei.—
Ueberhaupt gehörten die Geſchichten von der Langlebigkeit der Kröten zu Nodiers liebſten Unterhaltungsgegenſtänden. Er wußte alle Ent⸗ deckungen von hundert⸗ und tauſendjährigen Kröten in Felſen und Urgeſtein herzuzählen, und war keinesweges in Verlegenheit um die natür⸗ liche Erklärung ihres Beſtehens. Er behauptete endlich, die Thiere häuteten ſich zuweilen, und verſchlängen alsdann ihre alte Haut; auch ſcheine ihm die gänzliche Unthätigkeit, in wel⸗ cher ein ſolches eingeſchloſſenes Geſchöpf ver⸗ harrt, die Gleichheit der Temperatur, die keine Auflöſung zuläßt, und ſonach die Erſetzung von Verluſten unnöthig macht, weil der Lebenspro⸗ zeß gleichſam aufgehoben wird, endlich die Feuch⸗ tigkeit des Ortes, welche die des Thieres unter⸗ hält und ſeine Zerſtörung durch Austrocknen verhindert, völlig genügend zur Löſung derarti⸗ ger Probleme.
Bei den ſtets fröhlichen und gemüthlichen Mahlzeiten im Nodierſchen Hauſe galt es gleich⸗ wohl als üble Vorbedeutung, wenn ein Salz⸗ faß umgeſtoßen wurde oder das Brot verkehrt lag, und der dreizehnte Tiſchgenoſſe ward ohne Erbarmen an die Marſchallstafel verwieſen, bis ein Vierzehnter ihn etwa erlöſte. Nach Tiſche
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half ich Madame Nodier den Kronleuchter im Geſellſchaftszimmer anzünden, und bald verſam⸗ melten ſich hier die Gäſte; Nodier ſetzte ſich be⸗ haglich am Kamin im weichen Lehnſtuhl zurecht und erzählte wieder, während Alles mit athem⸗ loſen Schweigen horchte; oder Marie ſetzte ſich an's Piano und ließ die melodiſchen Wellen ihres kunſtvollen und eleganten Spieles ſich er⸗ gießen, während die Spieltiſche ſich ordneten und Jeder ſich nach Gefallen zu unterhalten ſuchte, bis zuletzt das Ritornell eines Contretanzes die junge Welt zu einem improvifirten Ball aufrief. Dann verſchwand Nodier, der gewohnt war, früh zu Bett zu gehen, oder vielmehr zu Bett gebracht zu werden, was ſeine Gattin regelmä⸗ big beſorgte, und entſchlief ruhig unter den Melodien ſeiner Tochter, unter dem Lachen und Stampfen der fröhlichen Tänzer.
Einſt fanden wir Nodier ungewöhnlich ver⸗ legen und beſchämt auf unſere dringenden Fra⸗ gen fing er an ſich bei mir und ſeinen übrigen Freunden demüthigſt zu entſchuldigen— daß man ihn, ganz ohne ſein Zuthun, als er es am we⸗ nigſten erwartete, zum Akademiker ernannt hätte!
Einſt kam ein Tag, an dem das fröhliche Familienleben in Nodiers Hauſe eine ſchmerzliche Unterbrechung erlitt. Schon ſeit zwei Monaten war Nodier leidend geweſen, doch man hatte, da er leicht zu klagen pflegte und es ſchwer hielt, bei ihm wirkliche Leiden von eingebildeten zu unterſcheiden, nicht viel darauf gegeben. Jetzt aber zeigte der Verfall ſeines Aeußeren und die ſichtliche Erſchöpfung, die ihn ſeine gewohnte Lebensweiſe anfgeben ließ, daß es wirklich ab⸗ wärts mit ihm gehe.
So lange als möglich beſtand Nodier dar⸗ auf, daß die ſonntäglichen geſellſchaftlichen Zu⸗ ſammenkünfte nach wie vor ſtattfänden; endlich jedoch bemerkten die Seinen, daß der Kranke den Lärm aus dem Salon ſelbſt in ſeinem Zim⸗ mer nicht mehr ertragen könne, und traurig verkündete uns Marie, am nächſten Sonntag werde das Arſenal für ſeine freundlichen Beſu⸗ cher geſchloſſen ſein. Den Vertrauteſten aber flüſterte ſie heimlich zu: Kommen Sie nur, wir plaudern ſacht!
Endlich ſtand Nodier nicht mehr aus dem
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