bringen Sie ſie ohne Aufſehen nach Ihrem Landhauſe in Rueil; ich werde Ihrer Frau Ge⸗ mahlin ſehr dankbar ſein für jede Freundlichkeit, die ſie ihr erweiſen mag.
Ungeachtet dieſes gemeſſenen Befehls mochte der Herzog von Aiguillon dennoch die Abreiſe der Gräfin noch nicht übereilen, und verbarg ſie im Schloſſe, indem er ihre Entfernung für den folgenden Morgen verkündete, und damit er die geiſtlichen Reclamationen etwas beruhigte.
Auch bekam es ihm ſehr wohl, Madame Du⸗ barry noch in der Nähe behalten zu haben, denn im Laufe des 4. verlangte der König ſo ſehnſüchtig nach ihr, daß der Herzog ihm ihre Gegenwart zu geſtehen wagte.
— O dann laſſen Sie ſie kommen! rief Ludwig XV.
— Zum letzten Male alſo betrat Madame Dubarry des Königs Gemach, das ſie mit tau⸗ ſend Thränen wieder verließ. Die arme Frau, die nicht minder gutmüthig und liebenswürdig als leichtſinnig war, liebie Ludwig XV. gleich einem Vater.
Frau von Aiguillon erwartete ſie mit ihrer älteſten Tochter in einem Wagen, und brachte ſie unverzüglich nach Rueil, um das Weitere abzuwarten.
Kaum aber war ſie vom Schloßhofe gefah⸗ ren, als der König ſchon wieder nach ihr rief. — Sie iſt fort! ward ihm geantwortet.
— Fort? Nun dann iſt es auch mit mir Zeit, fort! ſprach der König. Laßt in Sanct Genovefa für mich beten!
Indeſſen vergingen der 5. und 6. Mai, ohne daß von Sterbeſakramenten die Rede geweſen ware. Der Pfarrer von Verſailles erſchien in der Abſicht, den König auf die heilige Hand⸗ lung vorzubereiten, ſtieß aber auf den Herzog von Fronſac, der ihn mit dem Verſprechen auf „Edelmannswort“ abfertigte: er werde ihn bei dem erſten Worte, das er wieder daruͤber laut werden laſſe, zum Fenſter hinauswerfen.
— Und wenn ich mich todt falle,“ erwiderte unerſchrocken der Pfarrer, ſo komme ich zur Thüre wieder herein, denn das iſt meine Schul⸗ digkeit!
Am 7. aber, um drei Uhr Morgens ver⸗
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langte der König ſelbſt mit Ungeſtüm nach dem Abbe Mandour, einem armen ehrlichen Prieſter, den man ihm zum Beichtvater gegeben hatte. Die Beichte dauerte freilich nur ſiebenzehn Mi⸗ nuten.
Nach Beendigung derſelben wollten die an⸗ weſenden Höflinge das Abendmahl noch auſſchie⸗ ben, Lamartiniere aber, der aus Groll über den Einſchub Bordeu's und Lorry's der Dubarry per⸗ ſönlich feind war, näherte ſich dem König, und ſprach:
— Sire, ich habe Ew. Majeſtät gewiß unter ſo manchen ſchwierigen Umſtänden geſehen, doch nie habe ich Sie in dem Grade bewundert, wie heute. Wenn Sie meinem Rathe folgen wollen, ſo beendigen Sie baldigſt, was Sie ſo ſchön begonnen haben.
Sogleich ließ der Koͤnig Mandour zurück⸗ rufen und empfing die Abſolution.
Von der öfſentlichen Erklärung, welche Ma⸗ dame Dubarry gänzlich vernichten ſollte, war im Krankenzimmer nicht die Rede. Der Großalmo⸗ ſenier und der Erzbiſchof hatten auf eigne Hand die folgende Formel aufgeſetzt, die während der Abendmahlsfeier öffentlich proklamirt wurde:
„Obgleich der König Niemanden als Gott für ſeine Handlungen Rechenſchaft zu geben ſchuldig iſt, erklärt er dennoch hierdurch, daß er bereut, ſeinen Unterthanen jemals Aergerniß ge⸗ geben zu haben, und daß er hinfort nur noch zu leben wünſcht, um die Religion zu ſchützen und über das Heil ſeiner Völker zu wachen.“
Die königliche Familie, in ihrer Mitte die Prinzeſſin Louiſe, die ihr Kloſter verlaſſen hatte, um ihren Vater zu pflegen, nahm am Fuß der Treppe das Sakrament, und der Dauphin gab Befehl, den Armen der Stadt Paris die Summe von zweihunderttauſend Francs austheilen zu laſſen, mit dem Anheimgeben an den General⸗ Controlleur, dieſen Betrag, wenn er ihn zu hoch finde, aus ſeinen und der Dauphine Privatein⸗ künften zu entnehmrn.
Am 7. und 8. ſtieg die Krankheit; der kö⸗ nigliche Körper löſte ſich noch bei ſeinem Leben buchſtäblich in Fetzen auf. Die Höflinge flohen, denn Niemand wollte bei dieſem lebendigen
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