Jahrgang 
1850
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lung der Sterbeſakramente, wenn dieſelbe noth⸗ wendig werden ſollte, konnte nur nach der Ver⸗ ſtoßung derConcubine ſtattfinden; dieſe Con⸗ cubine aber, die zur jeſuitiſchen Parthei gehörte, hatte nach dem eigenen Zeugniß des Erzbiſchofs der Kirche durch Stürzung des Miniſters Choi⸗ ſeul und des Parlaments ſo erhebliche Dienſte geleiſtet, daß es unmöglich ſchien, ſie canoni⸗ ſcherſeits zu entehren. Eine Menge altadelicher Namen ſtanden nächſt dem Erzbiſchof und der Gräfin Dubarry an der Spitze dieſer Parthei, und ſie alle mußte derſelbe Streich treffen, der Madame Dubarry ſtürzte; von dieſen alſo hatte Niemand einen Grund, ſich gegen ſie zu er⸗ klären. Die Parthei des Herrn von Choiſeul dage⸗ gen, die überall gegenwärtig war, ſelbſt am Bette des Königs, drang auf die Entfernung der Favorite und eine ſchnelle Bekehrung. Das Merkwürdigſte dabei war, daß eben dieſe Par⸗ thei, welche den König zur Buße trieb, aus lauter Philoſophen und Atheiſten beſtand, wäh⸗ rend die Geiſtlichkeit, die Parthei der Frommen, mit dem höchſten Prälaten an der Spitze, ſich dieſem Verlangen widerſetzen mußte. So war die eigenthümliche Verfaſſung der

Gemüther, als am 1. Mai, Vormittags um halb zwölf Uhr, der Erzbiſchof den kranken Kö⸗ nig beſuchte. Bei dieſer Nachricht ergriff die arme Dubarry auf alle mögliche Fälle hin ei⸗ ligſt die Flucht, und nur der Herzog von Riche⸗ lieu trat dem Prälaten entgegen, deſſen Abſich⸗ ten er noch nicht kannte.

Hochwürdiger Herr! redete er ihn an, ich beſchwöre Sie, den König nicht mit jenen geiſtlichen Zumuthungen zu erſchrecken, die ſchon ſo vielen Kranken den Tod gebracht haben. Sind Sie neugierig auf hübſche pifante Sün⸗ denbekenntniſſe, ſo ſetzen Sie ſich dorthin, und laſſen Sie mich an Stelle des Königs Ihnen beichten; ich will Ihnen Geſchichten erzählen, wie Sie noch keine ähnlichen gehört haben, ſeit⸗ dem Sie Erzbiſchof von Paris ſind. Gefällt Ihnen mein Vorſchlag nicht, wollen Sie durch⸗ aus den König bekehren und Madame Dubarry mit Eclat entfernen ſo bedenken Sie wohl, was dies für Folgen, und zwar gegen Ihr ei⸗

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genes Intereſſe, haben müßte. Sie begründen den Sieg Ihres bitterſten Feindes, des Herzogs von Choiſeul, von dem nur Madame Dubarry Sie befreit hat, und verfolgen Ihre Freundin zu Gunſten Ihres Feindes; ja, Hochwürden, Ihre beſte Freundin! Noch geſtern ſagte ſie mir: Wenn uns der Eszbiſchof nur jetzt in Ruhe läßt, ſo ſoll er ſicher und gewiß den Kardinals⸗ hut haben; das ſoll meine Sorge ſein, und ich ſtehe dafür.

Der Erzbiſchof ließ Herrn von Richelieu ruhig ausreden, denn obgleich im Grunde des Herzens vollkommen ſeiner Meinung, mußte er ſich gleichwohl das Anſehen geben, erſt über⸗ zeugt zu werden. Glücklicherweiſe kamen der Herzog von Aumont, Madame Adelaide und der Biſchof von Senlis hinzu, und gaben dem Prälaten Waffen gegen ſich ſelbſt. Er gab ſich das Anſehen, ihrer Ueberredung zu weichen, verſprach, nichts zu ſagen, und ging zum Kö⸗ nige hinein, der ſich ſehr erleichtert fühlte, als der Erzbiſchof nichts von Beichte und Bekeh⸗ rung erwähnte. Eilig ſchickte er jetzt nach der Gräfin, und küßte, vor Freude weinend, ihre ſchönen Hände.

Am folgenden Morgen befand ſich der Kö⸗ nig ein wenig beſſer; anſtatt ſeines bisherigen Arztes Lamartiniere hatte Madame Dubarry ihm deren zwei, Lorry und Bordeu, zugeführt. Den baiden Doctoren war es von ihr zur er⸗ ſten Pflicht gemacht worden, dem Könige die Natur ſeiner Krankheit und ſeine gefährliche Lage zu verſchweigen, vor Allem, den Gedan⸗ ken von ihm entfernt zu halten, als ſei er in dem Grade krank, um an geiſtlichen Zuſpruch denken zu muͤſſen.

Dieſe Beſſerung in dem Befinden des Kö⸗ nigs erlaubte der Gräfin, für einen Augenblick ihr freies Weſen, ihre gewohnten Späße und Beluſtigungen wieder aufzunehmen. Doch als ſie eben durch einen bedeutenden Aufwand von Witz und Laune es dahin gebracht hatte, daß der erlauchte Kranke zu lächeln verſuchte da erſchien Lamartiniere, dem der Zurritt nicht grade verboten worden, auf der Schwelle. Be⸗ leidigt durch den Vorzug, welchen man Bordeu und Lorry hier zugeſtanden, ſchritt er grade auf

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