Jahrgang 
1850
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Dauphine, die Prinzeſſin von Lamballe und ihre Damen nur nach Blumenſchmuck begehrten.

Und mitten in dieſem neuen, fremdartigen Treiben der Geſellſchaft neigte Ludwig XV. im⸗ mer tiefer das Haupt. Vergebens umflatterte ihn die thörichte Gräfin ſummend wie eine Biene, leicht wie ein Schmetterling, ſtrahlend wie ein Colibri; der König erhob kaum von Zeit zu Zeit die tiefgeſenkte Stirn, auf welche jeder Augenblick deutlicher das Siegel des To⸗ des drückte.

Denn die Zeit verſtrich; ſchon begann der zweite Monat ſeit dem Tode des Mar⸗ quis von Chauvelin. Es war der 5. Mai, und am 23. wurden es zwei Monate, daß Jener ſo plötzlich ſein Leben beſchloß.

Als wenn alles ſich zu düſtern Vorherſa⸗ gungen verſchworen hätte, rief der Abbe von Beauvais in einer vor dem Hofe gehaltenen Predigt über die Pflicht, ſich zum Tobe zu be⸗ reiten:

Es ſind noch vierzig Tage, o König! ſo wird Ninive untergehen!

So verſchmolz ſich in des Königs Geiſte der Gedanke an Chauvelin mit dem an den Abbe Beauvais; und wenn er zum Herzoge von Ayen ſagte:

Am 23. dieſes werden es zwei Monate, daß Chauvelin todt iſt! dann wandte er ſich gewiß bald zu dem Herzoge von Richelieu, und flüſterte:

Vierzig Tage ſagte er ſo nicht, der verteufelte Beauvais? Ich wollte, die vierzig Tage wären vorüber!

Das war noch nicht Alles; im Lütticher Ka⸗ lender ſtand bei dem Monat April die Prophe⸗ zeihung:

Im Monat April wird eine große Fa⸗ voritin ihre letzte Rolle ausgeſpielt haben.

Demnach ſtimmte auch Madame Dubarry in des Königs Klagelieder ein und ſagte, wie er von den vierzig Tagen:

Ich wollte, der verwünſchte Monat April wäre erſt vorüber!

In dem verwünſchten April häuften ſich die böſen Vorbedeutungen. Der Genueſiſche Ge⸗ ſandte, den der König oft bei ſich ſah, ſtarb

eines plötzlichen Todes; der Abbe de la Ville ward, als er zum Lever des Königs kam, um ihm für eine ihm zu Theil gewordene Ranger⸗ höhung zu danken, vom Schlage getroffen, und ſtürzte todt zu ſeinen Füßen; endlich ſchlug auch noch der Blitz dicht vor dem Könige in die Erde, als er ſich auf der Jagd befand. Das Alles machte ihn von Tage zu Tage düſterer.

Man hatte etwas für ihn von der Ruckkehr des Frühlings gehofft. Wenn die Natur im ſchönen Maimonat ihr Leichentuch abwürfe, wenn die Erde ſich mit zartem Grün, die Bäume mit ihrem Frühlingsſchmuck bedeckten, die Luft ſich mit lebendigen Atomen bevöͤlkerte und ein feu⸗ riger Athem durch die Schöpfung wehte, dann, hoffte man, ſollte auch wieder einiges Leben in dieſe träge Maſſe, etwas Bewegung in dieſe abgenutzte Maſchine kommen.

Gegen Mitte Aprils ſah der Kammerdiener Lebel bei ſeinem Vater die Tochter eines Mül⸗ lers, deren ausgezeichnete Schönheit ihm auf⸗ fiel; er meinte, dies ſei ein Leckerbiſſen, um den erloſchenen Appetit des Königs wieder zu er⸗ wecken, und ſprach zu dieſem mit Begeiſterung von ſeiner Entdeckung. Nachläſſig willigte Lud⸗ wig XV. in dieſen neuen Zerſtreuungsverſuch.

Gewöhnlich wurden die Maͤdchen, welche der König mit ſeiner Gnade beehren oder viel⸗ mehr vermehren wollte, von den Aerzten genau unterſucht, ehe ſie durch Lebels Vermittelung zu ihm gelangten. Dies junge Mäaädchen aber war ſo friſch und lieblich, daß alle jene Vorſichts⸗ maßregeln bei Seite geſetzt wurden. Hätte man ſie aber auch angewendet, ſo möchte kaum der geſchickteſte Arzt erkannt haben, daß ſie ſeit ei⸗ nigen Stunden von den Blattern befallen war.

Der König hatte dieſe Krankheit bereits in der Jugend überſtanden; dennoch brach ſie, zwei Tage nach ſeiner Zuſammenkunft mit dem jun⸗ gen Mädchen, zum zweiten Male aus. Ein bösartiges Fieber trat hinzu, und verſchlimmerte den Fall bedeutend.

Sobald die erſte Kunde von dem gefährli⸗ chen Zuſtande des Königs ſich verbreitete, eilte der Erzbiſchof von Paris, Chriſtoph von Beau⸗ mont, nach Verſailles.

Der Fall war indeſſen kritiſch. Die Erthei⸗