Jahrgang 
1850
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Während dem zerſetzte ſich die Geſellſchaft nicht minder als die Monarchie; den philoſo⸗ phiſchen Eingebungen Voltaire's, d'Alembert's und Diderot's folgten die ſcandalöſen, leichtfer⸗ tigen Spöttereien Beaumarchais, des Luſtſpiel⸗ dichters, der jedes equivoque Abenteuer, das in der vornehmen Welt Aufſehen gemacht, zu all⸗ gemeinem Ergötzen auf der Bühne geißelte.

Dieſe Anekdoten, wenn gleich noch ſo ſchmutzig und beſchämend für die Geſellſchaft, von deren immer vorſchreitendem Verfall ſie ein trauriges Zeugniß ablegten, waren das Einzige, was den König zu erheitern vermochte. Herr von Sar⸗ tines führte darüber ein förmliches Tagebuch auch eine Erfindung der ſinnreichen Gräfin und dieſes Tagebuch las der König alle Morgen im Bette.

Eines Tages erfuhr er durch dieſes Jour⸗ nal, daß Herr von Lorry, Erzbiſchof von Tar⸗ bes, am vorigen Abend die Unverſchämtheit ge⸗ habt habe, im offenen Wagen mit Madame Gourdan, einer berüchtigten Kupplerin, und zweien ihrer Penſionairinnen in die Stadt ein⸗ zufahren. Das ſchien dem König denn doch etwas zu ſtark; er ſprach dieſerhalb mit dem Großalmoſenier, und dieſer ließ den Biſchof zu ſich rufen.

Glücklicherweiſe klärte ſich Alles zum größ⸗ ten Ruhme des Prälaten, ſeiner Tugend und Menſchenfreundlichkeit auf. Auf der Rückfahrt von Verſailles hatte der geiſtliche Herr drei Frauenzimmer, neben ihrem zerbrochenen Wagen auf dem Wege ſtehend, angetroffen; mittleidsvoll bot er ihnen, ohne ſie zu kennen, Plätze in ſei⸗ nem Wagen an, und die Gourdan, vergnügt über den herrlichen Spaß, nahm ſie dankbar an. Niemand aber wollte an die Naivetät des würdigen Prälaten von Herzen glauben, und Alles rief ihm zu:Wie? die Gourdan ſollten Sie nicht kennen? Das iſt ja rein unmöglich!

Um jene Zeit ward auch der berühmte mu⸗ ſikaliſche Krieg zwiſchen den Gluckiſten und Pic⸗ ciniſten erklärt, der den ganzen Hof in zwei Partheien ſpaltete. Die junge poetiſche, hoch⸗ muſikaliſche Dauphine fand als Schuͤlerin Glucks in unſern Opern nichts weiter als eine Samm⸗ lung mehr oder minder anmuthiger Arietten.

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Denn d der zweite quis von Ek am 23. wu ſo pöhlich

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Die Darſtellung Racineſcher Trauerſpiele brachte ſie auf den Gedanken, ihrem Lehrer dieIphi⸗ genia in Aulis zu ſchicken, damit er die Wel⸗ len ſeiner Töne über Racine's harmoniſche Verſe ausgieße. Binnen 6 Monaten war die Parti⸗ tur fertig, und Gluck ſelbſt brachte ſie nach Paris.

Von nun an ward Gluck der Liebling der Dauphine, und hatte zu ihrem vertrauten Zir⸗ kel zu jeder Stunde Zutritt.

Man muß ſich an Alles erſt gewöhnen, be⸗ ſonders an das Großartige. Aus dieſem Grunde machte Glucks Muſik bei ihrem erſten Erſchei⸗ nen nicht den Effekt, der ihr zukam. Leere matte Herzen mögen keinen Gedankenreichthum; ihnen genügt der Lärm; denn das Denken er⸗ müdet und der Lärm zerſtreut ſie. Darum zog die alte Geſellſchaft die italieniſche Muſik, die klingende Schelle, der harmoniereichen Orgel vor.

Madame Dubarry nahm ſchon aus Oppo⸗ ſition gegen die Dauphine, welche die deutſche Muſik aufgebracht hatte, Parthei für die italie⸗ niſche Muſik, und ſchickte an Piccini Opern⸗ terte, der ſeinerſeits Partituren über Partituren So vei zurückſandte; von nun an theilte ſich die alte der Gedant und die neue Geſellſchaft in zwei feindliche Adbe Beau

Heerlager. Aen ſagte Aber auch von anderer Seite her durchdran⸗ Am gen neue Ideen dieſe altfranzöſiſche Geſellſchaft daß Chau wie zwiſchen den dunkelfarbigen Steinen einde ewiß bald gelockerten Pflaſters, zwiſchen den zerfallenden flüßtere: Trümmern eines uralten Schloſſes fremdartige, Vie bunte Blumen emporſprießen. verteuſelte Es waren dies die aus England herüberge⸗ Tage vire kommenen neuen Ideen: die von tauſend ſich Dasn kreuzenden Alleen durchſchnittenen Gärten mit ge⸗ lender ſian ſchorenen Hecken, ſammetnen Raſenplätzen, Blu⸗ ehung, menkörben und Einſiedeleien; die morgendlichen In Spaziergänge oder Puder und Schminke, mit voriin ihr einem breitrandigen Strohhute und einer Korn⸗ Demne blume oder einem Maaßliebchen darauf; die in des Ki Wettrennen, die Phaétons mit vier Rädern, 1 von der die plötzlich anfingen Furore zu machen; Prin⸗ I

zeſſinnen kleideten ſich wie die Schäferinnen, wäne ert und die Damen der Bühne ſtolzirten gleich Kö⸗ In 5 niginnen einher; Frauen bürgerlichen Standes hiſen g

bedeckten ſich mit Diamanten, während die imne 1