Jahrgang 
1850
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denn ich hatte in der kurzen Zeit unſers Bei⸗ ſammenſeins Gelegenheit genug gehabt, ihren liebenswürdigen Charakter kennen zu lernen.

Nachdem ich ihren Ueberreſten die letzte Ehre erwieſen, beſchloß ich, da ich mit dem Leben ganz zerfallen war, für die Sache der Magyaren mein Schwert zu ziehen.

Das Corps des Generals Bem ſtand in der Nähe; bei dieſem ließ ich mich annehmen und gleich am folgenden Tage kam es zur Schlacht mit dem Heere Jellachichs. An mei⸗ nem Leben lag mir Nichts mehr; wo das Kampf⸗ gewühl am furchtbarſten wüthete, war ich zu finden, allein keine mitleidige Kugel machte mei⸗ ner Qual ein Ende. 4

Die Tapferkeit der Ungarn entſchied endlich die Schlacht, und der General, der mein Be⸗ nehmen während des Kampfes mehrfach beob⸗ achtet, und es für Muth gehalten hatte, ernannte mich zu ſeinem Adjutanten, eine Ehre, nach der mancher gegeizt und ſeine Bemühungen mit dem Leben bezahlte!

Hier endete Antonio ſeine Erzählung, und Ferdinand verſuchte vergebens ſeinen Blick durch die Hoffnung auf beſſere Zeiten aufzuhalten; er blieb ernſt und ſchweigſam.

Nach Verlauf einiger Tage ließ der Gene⸗ ral Befehl zum Aufbruch geben. Er hatte in⸗ zwiſchen noch mehr Verſtärkung an ſich gezogen, um einen Hauptſchlag gegen das ſich vor ihm zurückziehende Heer des Banus unternehmen zu können.

Am Abend des dritten Tages nach dem Ausmarſche aus dem Bivouac hatte man es er⸗ reicht, und am folgenden Morgen ſollte die ver⸗ hängnißvolle Schlacht entſchieden werden, da der Banus entſchloſſen ſchien, ſie anzunehmen.

An erwähntem Abende finden wir die bei⸗ den Freunde am lodernden Wachtfeuer. Sie unterhielten ſich von den kommenden Ereigniſſen und Ferdinand bat Antonio, ſein Leben nicht muthwillig der Gefahr auszuſetzen. Dieſer ver⸗ ſprach es ihm, wehmüthig lächelnd.

Die Scheideſtunde, wo ein Jeder ſich auf den ihm angewieſenen Poſten zu begeben hatte, war gekommen; ſchon verkündigte ein röthlicher Strahl im Oſten den kommenden Morgen; Trommeln wirbelten, Hörner erklangen, und Al⸗

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les trat unter die Waffen. Noch eine innige Umarmung der Freunde, wobei Ferdinand ſeine Bitte wiederholte; dann trennten ſie ſich, und gleich darauf entbrannte die Schlacht.

Sie war lang und blutig; die Ungarn kämpften mit dem Muthe der Begeiſterung für ihre Sache; doch auch die Kaiſerlichen hielten ſich tapfer. Es war bereits Mittag; noch war die Schlacht unentſchieden; das Feld war mit Leichen und Sterbenden bedeckt, da befahl Bem, der ein leichtes Schwanken in den Reihen des Feindes gewahrte, den polniſchen Lanziers, die bisher noch wenig Theil am Kampfe genom⸗ men hatten, ſich mit aller Kraft auf den ihnen gegenüberſtehenden Feind zu werfen. Antonio mußte den Befehl überbringen, und erhielt fer⸗ ner die Weiſung, alle nur irgend noch in der Nähe befindliche Cavallerie zu ſammeln, um den Angriff zu unterſtützen. Es gelang ihm in kur⸗ zer Zeit, einige Schwadronen Huſaren zuſam⸗ menzuraffen; mit dieſen ſchloß er ſich den Lan⸗ ziers an, welche mit lautem Hurrah in wildem Galopp über's Feld dahinſauſten.

Zwei Küraſſierregimenter erwarteten ſie in ruhiger Haltung. Jetzt trafen die Maſſen auf einander; der Choc war heftig; die Polen durch⸗ brachen, mit ihren Lanzen Alles niederſtoßend, die Reihen der ehernen Mauer, und die Säbel der Huſaren halfen wacker nach. Doch jetzt rückte neue Verſtärkung für die Kaiſerlichen heran und nun erſt begann recht eigentlich das Blutbad.

In dem verworrenen Knäuel, der nun ent⸗ ſtand, wurde Antonio von ſeinen Gefährten ge⸗ trennt, plötzlich ſah er ſich von einer üͤberlegenen Anzahl Feinde umgeben; er wehrte ſich ver⸗ zweiflungsvoll. Schon lagen mehrere von ſei⸗ nen Streichen niedergeſtreckt, doch die Ueberzahl war zu groß; ein Stich in die Bruſt warf ihn endlich vom Pferde.

Der Kampf wogte inzwiſchen fort; mancher Oeſterreicher, mancher Ungar und mancher Pole ſank noch durchbohrt oder zerhauen zuſammen, und wurde von den Hufen der Pferde zertreten, doch endlich neigte ſich der Sieg auf die Seite der Ungarn. Die Feinde wurden faſt alle zu⸗ ſammengehauen, und nur Wenigen gelang es, zu entkommen.