Wasbeck, damit dieſe uns in unſerm Nachſuchen unterſtützen?“
Dieſer Vorſchlag wurde freudig genehmigt, und ſogleich ein Diener mit einem Billet von
Mathilden nach der Wohnung der Freunde geſchickt.
Ferdinands Lage beim Empfange dieſer Nach⸗ richt möchte ſchwer zu beſchreiben ſein! Er ſtand jetzt an dem Punkte, den er am meiſten gefürch⸗ tet hatte; ihn zu umgehen, war unmöglich. Er faßte ſich jedoch ſchnell und folgte dem voran⸗ gehenden Diener nach.
Als er allein erſchien, gab ſich ein leichter Unwille auf den ſchönen Zügen Mathildens kund. Ferdinand verbeugte ſich ehrerbietigſt.
„Wo iſt Friedheim?“ rief jetzt die Gräfin Koßfeldt.„Verhindert ihn wieder der Dienſt und immer der Dienſt herzukommen? Und gerade jetzt,“ fuhr ſie fort,„wo ein unerklärliches Er⸗ eigniß Freundes Hilfe ſo nothwendig macht?“
Wasbecks Muskeln zogen ſich krampfhaft zu⸗ ſammen; endlich ſtammelte er:
„Der Dienſt, gnädige Frau, wird ihn hin⸗ fort nicht mehr hindern, hier zu erſcheinen.“ „Und was denn?“ riefen Mutter und Tochter zugleich,„was bedeuten Ihre Worte, Herr von Wasbeck? Sollte auch Antonio ir⸗ gend ein Unglück zugeſtoßen ſein?“ ſetzte Ma⸗
thilde zitternd hinzu.
„Ich weiß es nicht,“ erwiderte Wasbeck, bleich wie der Tod,„er iſt gleichfalls ver⸗ ſchwunden!“
Ein plötzlicher Donnerſchlag, der das Haus erſchüttert hätte, würde nicht ſo haben wirken können, als die Worte:„Er iſt gleichfalls ver⸗ ſchwunden!“ Es trat eine fürchterliche Pauſe ein; die Gefühle eines Jeden der Anweſenden erlaubten keine Worte; Mathilde war halb ohnmächtig auf einen Stuhl geſunken, das Ge⸗ ſicht mit ihren Händen bedeckend. Ihre Mutter ſtand da, bleich, regungslos, mit funkelnden Augen; ſie durchſchaute Alles, und die Gräfin Hochberg glaubte vor Scham in die Erde ſin⸗ ken zu müſſen.
Zwiſchen allen dieſen widerſtreitenden Ge⸗ fählen ſtand Wasbeck mit ſeiner glühenden Liebe au Mathilden, die er unglücklich ſah, und gern
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hätte er einen Blick der Gegenliebe aus ihren Augen mit ſeinem Leben erkauft.
„Ha, der Schändliche!“ rief endlich Mathil⸗ dens Mutter, ſich zuerſt faſſend,„der Verräther an den heiligſten Gefühlen! Wie ſchändlich ſind wir Alle von ihm betrogen!
„Mathilde,“ wandte ſie ſich hierauf an ihre Tochter, und zog ſie liebevoll zu ſich auf, „trockne Deine Thränen, ſie fließen einem Un⸗ würdigen, der nie Deine Liebe, und einer Freun⸗ din, die nie Dein Vertrauen verdiente.“
„O Mutter,“ ſchluchzte Mathilde,„wer weiß, ob ſie wirklich ſchuldig ſind, es kann hier ein Zufall obwalten, laß uns nicht gleich das Schlimmſte fürchten!“
„Ja, tröſte Dich mit dieſen Gedanken,“ fuhr die Mutter fort;„das Erwachen aus die⸗ ſem Traume wird noch früh genug ſich ein⸗ ſtellen!“
„Ich kann es auch nicht glauben,“ rief die Gräfin Hochberg,„Marie wird mich nicht ſo getäuſcht haben. Nicht ein Wort, daß ſie ihn geliebt, kam über ihre Lippen; es muß Marien ein Unglück zugeſtoßen ſein, ein ſchreckliches Un⸗ glück; Gott, was werde ich vielleicht noch hören müſſen!“ und ſie ſank laut weinend in einen Lehnſtuhl.
„Meine Damen,“ ſprach endlich Wasbeck etwas gefaßt, wenn er auch den Worten, die er ſagte, ſelbſt nicht glaubte,„laſſen Sie uns noch nicht alle Hoffnung aufgeben, die Sache endigt ſich vielleicht beſſer, als wir Alle glau⸗ ben. Ich werde keine Mühe und Anſtrengung ſcheuen, um den Vermißten auf die Spur zu kommen, doch das tiefſte Geheimniß muß jetzt noch auf der ganzen Angelegenheit ruhen. Er⸗ zählen Sie,“ wandte er ſich an die Graͤfin Hochberg,„noch Niemandem etwas von dem Verſchwinden Ihrer Tochter; ich hoffe, in eini⸗ gen Tagen beſſere Nachrichten zu bringen.“ Dann ergriff er Mathildens Hand und ſetzte ſchüchtern hinzu, denn er wußte wohl, daß ihre Wunde unheilbar ſei:„Mein Fraͤulein, faſſen Sie Muth, noch iſt nicht alle Hoffnung ver⸗ loren!“
Mathilde antwortete nicht, und da er ein⸗ ſah, daß ſeine Gegenwart den Damen nur
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