Jahrgang 
1850
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nehmen, ein Billet des Inhalts zu ſchreiben, daß er nicht verſuchen möge, ſeinen Aufenthalt auszuforſchen, indem er unter angenommenem Namen lebe, und daß er ihm ſpäter Alles mit⸗ theilen werde.

Nachdem er dieſe Pflicht erfuͤllt hatte, kämpfte er mit ſich ſelbſt, ob er am folgenden Tage noch ein Mal Mathilden, zum letzten Male, beſuchen ſolle. Er entſchloß ſich endlich, ſo ſchwer es ihm auch ward, dies nicht zu thun. Doch der Leſer beurtheile ihn nicht falſch; er hielt ſich nicht ſtark genug hierzu. Seine Liebe zu ihr war noch eben ſo innig, eben ſo ſtark, als an dem Tage, da er ſie ihr geſchworen, und gerade darum hielt er ſich nicht ſtark genug, Mathilden noch ein Mal zu ſprechen; er fuͤrch⸗ tete, ſich zu verrathen, und ihr dadurch den Tod zu geben.

Doch konnte er es nicht über ſich gewinnen, ſie wenigſtens noch ein Mal von Ferne zu ſe⸗ hen, und darum begab er ſich am folgenden Abend in Civil⸗Kleidung in die Nähe ihrer Wohnung. Wagen ſteigen, und es fehlte nicht viel, ſo wäre er zu ihr hingeeilt und hätte ſich ihr zu Füßen geworfen, doch der ſchnell forteilende Wagen entzog ſte ſeinen Blicken.

Einem Traͤumenden ähnlich, begab er ſich, es war bereits um die verabredete Zeit, in die Gegend von Mariens Wohnung. Es währte auch nicht lange, ſo erſchien dieſe, doch ſo an⸗ gegriffen, daß ſie kaum ſich aufrecht zu halten vermochte. Die Folgen ihres Schrittes laſteten ſchwer auf ihrer Seele; doch ſie konnte jetzt nicht mehr zurück; es war zu ſpät.

Beide langten ſchweigend an dem Orte an, wo der Kahn ſie erwartete, der ſie Donau ab⸗ wärts bringen ſollte. Wir müſſen hier noch er⸗ wähnen, daß Antonio ſeinen Plan, erſt am fol⸗ genden Morgen abreiſen zu wollen, auf den Rath des Ungarn geäͤndert hatte; auch hatte er alle nur irgend entbehrlichen Sachen zu Gelde gemacht, und Marie hatte gleichfalls alle ihr gehörenden Schmuckſachen mitgenommen, wo⸗ durch ihnen ein nicht unbedeutender Vorrath an Gelde zu Gebote ſtand.

Es kann hier nicht unſere Abſicht ſein, den Fliehenden Schritt vor Schritt zu folgen, alle

Er ſah ſie auch wirklich in den

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Mühſeligkeiten und Gefahren, die ſie durchzu⸗ machen, und alle Liſt, die ſie oft anzuwenden hatten, um glücklich durch die öſterreichiſchen Heere zu gelangen, zu ſchildern; ſondern wir erwähnen nur, daß ſte an ihrem Beſtimmungs⸗ orte endlich glücklich anlangten.

Ehe wir jedoch hier die weiteren Schickſale Antonios und Mariens dem Leſer vorführen, müſſen wir einen kurzen Blick zurück nach Wien werfen, auf diejenigen Perſonen, die durch die eben geſchilderte Flucht hart berührt wurden.

Als Ferdinand bei ſeiner Zurückkunft Anto⸗

nios Zimmer faſt aller Geräthſchaften beraubt

und ihn ſelbſt abweſend fand, war ſein erſter Gedanke an Einbruch und Diebſtahl, doch bald belehrte ihn der eintreffende Brief eines Andern.

Da der Abend bereits viel zu weit vorgerückt war, als daß er hätte hoffen können, noch Nach⸗ richten von Antonio einzuziehen, ſo fing er gleich am andern Morgen ſeine Nachſuchungen an, um, wie er meinte, Antonio von einem verzwei⸗ felten Unternehmen abzuhalten. Vergebens durch⸗ ſuchte er eine Menge Gaſthäuſer; Antonio blieb verſchwunden. Ermattet vom Umherirren, und in Sorgen um ſeinen Freund, kehrte er endlich in ſeine Wohnung zurück.

Wie ſah es in dem Hotel der Gräfin

Hochberg aus?

Als am folgenden Morgen Marie nicht zur gewohnten Stunde erſchien, eilte die Gräfin be⸗ ſorgt in ihrer Tochter Zimmer; aber wer be⸗ ſchreibt den Schrecken der armen Mutter, als ſie das Zimmer leer, und das Lager unberührt fand! In ſchrecklicher Angſt durchlief ſie das ganze Haus, durchforſchte ſie jeden Winkel, um⸗ ſonſt, Marie blieb verſchwunden. Sie ahnte nicht, daß ihre Tochter bereits in dieſem Augen⸗ blicke, weit von ihr, in einem zerbrechlichen Na⸗ chen die Donau hinabſchwemme.

Ihre Furcht ſtieg aufs Höchſte, ſie eilte, ei⸗ ner Wahnſinnigen gleich, zur Gräfin Koßfeldt, allein auch hier war ſie nicht geweſen.

Es muß Marien irgend ein Unglück zuge⸗ ſtoßen ſein! rief die Gräfin Hochberg jam⸗ mernd,o, mein Gott, wo ſie nur ſein mag!

Sollte es nicht das Beſte ſein, rief Ma⸗ thilde plötzlich,wir ſchickten zu Friedheim und

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