Jahrgang 
1850
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Ein trüber Abend war hereingebrochen, und tiefe Dunkelheit deckte die Straßen Wiens, als man eine männliche Geſtalt, feſt in ihren Man⸗ tel gehüllt, in die Wohnung der Gräfin Hoch⸗ berg ſchleichen ſoh. Es war Antonio.

In fürchterlicher Aufregung ſaß inzwiſchen Marie in ihrem Zimmer; ſie horchte auf jedes Geräuſch, das ſich auf der Straße hören ließ, ob es vielleicht Antonio zu ihr führen würde.

Jetzt vernahm ſie Tritte auf der Stiege, die ſich ihrem Zimmer näherten, ihr Herz pochte laut, ſie verſuchte ſich zu erheben, doch es fehl⸗ ten ihr die Kräfte. In demſelben Augenblicke öffnete ſich die Thür, und Antonio trat herein.

Er hatte ſich vorgenommen, kalt und ge⸗ meſſen zu bleiben; doch als ſeine Augen auf die bleiche, angegriffene und doch ſo reizende Geſtalt Mariens fielen, fuͤhlte er, daß er nicht ſtark genug war, ſeinen Vorſatz durchzuführen.

Mein Fräulein, ſprach er,ein ſchrecklicher Unfall führt uns wieder zuſammen; doch ich bin nicht gekommen, Ihnen Vorwürfe zu machen, ſondern mich mit Ihnen uͤber die zu ergreifen⸗ den Maßregeln zu verſtändigen.

Der ſanfte Ton, in welchem Antonio zu ihr ſprach, erfüllte ſie mit Hoffnung und goß lin⸗ dernden Balſam in ihr Herz.

Herr von Friedheim, ſprach fie leiſe, und blickte ihn mit ihren ſchönen liebeathmenden Au⸗ gen an,was gedenken Sie zu thun? Ich un⸗ terwerfe mich ganz Ihrem Willen.

Antonto fühlte, daß er weich wurde, doch der Gedanke an Mathilden, die für ihn verloren war, erſtickte ſchnell dieſes Gefühl, und er ant⸗ wortete ruhig aber feſt:

Sie werden einſehen, daß wir hier nicht länger weilen können. Tauſend Umſtände ma⸗ chen dies unmöglich. Meine Abſicht iſt, Wien in den nächſten Tagen zu verlaſſen, und ein Freund von mir, ein Ungar, dem ich bei der Erſtüärmung Wiens das Leben rettete, hat mir in ſeiner Heimath, auf einer ſeiner Beſitzungen, an der Grenze der Wallachei, eine ſichere Zu⸗ fluchtsſtätte angeboten. Meine Chre erfordert, Sie nicht zu verlaſſen, haben Sie Muth, Marie, mir in die neue Heimath zu folgen?

O, Herr von Friedheim, dieſer kalte, ge⸗ meſſene Ton zerreißt mein Herz; überlaſſen Sie

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mich meinem Schickſale, verſtoßen Sie mich, nur foltern Sie mich nicht ſo langſam zu Tode.

Marie, fuhr Antonio milder fort, und er⸗ griff ihre Hand,ich wollte Sie nicht kränken, glauben Sie mir, und kam irgend ein unfreund⸗ liches Wort uͤber meine Lippen, ſo verzeihen Sie es, es lag nicht in meiner Abſicht; ich ſelbſt weiß kaum, was ich ſpreche.

O, Antonio, rief Marie ſchluchzend,ich weiß, wohin Ihre Worte deuten; ja, Ihr Gluͤck iſt durch mich zerſtört; doch wer weiß, wie lange ich es noch ſtören werde!

Antonio konnte nicht länger kalt und fühllos bleiben; er zog die Weinende zu ſich auf und drückte einen Kuß auf ihre Stirn.Marie, ſprach er,Ihr Leben muß Ihnen heilig ſein, Sie haben hinfort auch Pflichten gegen ein Weſen zu erfüllen, das uns Beiden theuer ſein wird. Ich werde mich beſtreben, Sie ſo glück⸗ lich zu machen, als Ihre Liebe zu mir es ver⸗ dient, und mein Herz Ihnen gewähren kann.

Marie hörte auf zu weinen; ſie ſchloß An⸗ tonio in ihre Arme, und obwohl ſie fühlte, daß er ſie nie ſo lieben würde, wie ſie ihn liebte, ſo zählte ſie doch dieſen Augenblick zu den ſchönſten ihres Lebens. Sie liebte zu heiß, zu innig, um nicht ſchon durch die bloße Nähe des geliebten Weſens beglückt zu werden.

Man verabredete nun noch, daß Marie am folgenden Abend unbemerkt das Haus verlaſſen, daß Antonio ſie dann in geringer Entfernung erwarten, mit ihr ſich in die Wohnung des Un⸗ garen begeben ſollte, und daß dann alle Drei am folgenden Morgen Wien verlaſſen wollten. Nochmals empfahl ihr Antonio die äußerſte Vorſicht und entfernte ſich dann.

Er begab ſich jedoch nicht nach ſeiner Wohnung, denn er wollte Ferdinand nicht ſei⸗ nen Entſchluß, nach Ungarn zu reiſen, mitthei⸗ len, da dieſer ſich dann gewiß entſchloſſen haben würde, den Dienſt aufzugeben, ihn zu begleiten und alle Mühſeligkeiten und Gefahren mit ihm zu theilen; ſondern in die Wohnung ſeines un⸗ gariſchen Freundes, wohin er ſchon am Nach⸗ mittage durch einen Lohndiener ſeine Effecten hatte bringen laſſen.

Daſelbſt angelangt, beeilte er ſich, an Ferdi⸗ nand, um ihm jeden Grund zur Beſorgniß zu

nehmen daß er auszufe Namen theilen

noch beſuche ſchwer Doch hielt ſ zu ihr als an gerade Mathi tete, ſ Jod zu

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