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laß uns hoffen, daß jenes unglückliche Ereigniß weiter keine traurige Folgen habe, und es läßt ſich dann doch vielleicht Alles noch zum Beſten kehren. Um's Himmels Willen laß nur Ma⸗ thilden durch keine Miene Etwas merken, damit nicht auch ſie unglücklich werde. Du haſt ein ſchweres Unrecht begangen,“ fuhr er fort;„doch Antonio, verzweifle darum nicht; der Menſch iſt nicht immer Herr ſeiner ſelbſt, er hat ſeine ſchwachen Augenblicke, wo die Stütze der Ver⸗ nunft ihn verläßt, und die Sinnlichkeit ihre un⸗ beſchränkte Herrſchaft uͤber ihn ausuüͤbt. Darum faſſe Dich, und ſieh mich nicht an mit dieſem Blicke der Verzweiflung, es ſoll, es wird noch gut werden, Antonio!“
Doch dieſer ſchüttelte wehmüthig das Haupt und erwiderte:„Ich danke Dir, Ferdinand; Deine Freundſchaft für mich läßt Dich die Sache in einem mildern Lichte erblicken; doch wie ich Mathildens und Mariens Anblick er⸗ tragen ſoll, weiß ich noch nicht.“
„Glaub mir, Antonio, Marie wird ſich jetzt fern von Dir halten, ihre vorgebliche Krankheit muß den Vorwand dazu hergeben, und Mathilde wird alſo Nichts von der Sache erfahren. Die Zeit wird Deinen Schmerz lindern, um ſo mehr, da Du Deinen Fehltritt bereuſt. Alſo Muth, Antonio, noch leuchtet Dein Glücksſtern, laß ihn nicht durch Deine Schuld untergehen.“
Noch einmal ſchuttelte Ferdinand ſeinem Freunde die Hand, und ſchied dann, da der Dienſt ihn rief, ihn ſeinem Nachdenken über⸗ laſſend.
Als Antonio Marien verlaſſen, ſaß ſie, einer lebloſen Geſtalt ähnlich, noch auf derſelben Stelle. Die Qualen der Verzweiflung zerfleiſchten ihre Seele; keiner Freundin tröſtende Stimme ſprach ihr Muth ein, denn gerade dieſe war ja durch ſie am ſchwerſten beleidigt worden.
„O mein Gott! mein Gott!“ rief ſie end⸗ lich und ergoß ſich in ein heftiges Weinen, „was ſoll aus mir werden! Wie ſoll ich je wieder meiner Mutter, Mathilden, Antonio, o, wie namentlich dieſem, je wieder vor Augen treten!“—
Sie verhüllte mit beiden Händen ihr Geſicht und ſchluchzte laut.
Nach einer Weile ſuhr ſie ruhiger fort, als ob ein Hoffnungsſtern die Nacht ihres Unglücks durchſtrahlte:„Antonio wird, darf nicht verra⸗ then, was zwiſchen uns vorgefallen, ſeine eigene Ehre verbietet es ihm. Und doch kann ich hier nicht länger weilen, wo mich Alles an meine Schuld erinnert, wo jeder Gegenſtand mir ſein Bild zurückruft! Ich werde meine Mutter bewe⸗ gen, Wien zu verlaſſen, um meiner Geſundheit wegen eine Reiſe nach dem milden Süden, nach Italien anzutreten.“
Hier wurde ſie in ihrem Selbſtgeſpräche durch das Geräuſch nahender Schritte unterbrochen, und gleich darauf trat ihre Mutter in's Gemach.
Mit welchen Gefuͤhlen Marte ihr entgegen trat, wird der Leſer ſich leicht denken können; doch glücklicher Weiſe verhinderte das Dunkel des Abends die verweinten Augen und die Röthe auf ihrer Stirn zu erkennen; auch begab ſie ſich unter dem Vorwande zunehmender Unpäßlichkeit bald zur Ruhe, wo indeß kein wohlthuender Schlaf ihre Augen ſchloß, ſondern der kommende Morgen fand ſie ſchlaflos auf ihrem Lager.
Wie war es mit Antonio? Auch er hatte die Nacht ſchlaflos durchwacht; hatte Pläne über Pläne entworfen, und keinen gefunden, der ihm ganz zugeſagt hatte. Endlich entſchloß er ſich, ſeine Beſuche nach wie vor bei Ma⸗ thilden fortzuſetzen, und ſeine Vermählung mit ihr möglichſt zu beſchleunigen. Sollte die Gräfin noch ferner Bedenken tragen, ſo wollte er lie⸗ ber den Dienſt aufgeben, ſich in den Civilſtand zurückziehen, und wo möglich mit Mathilden nach ihrer Vermählung Wien verlaſſen.
Inzwiſchen vergingen 3 Monate; Antonio hatte endlich nach längerem Widerſtande Ma⸗ thildens Mutter für ſeine Pläne geneigt ge⸗ macht, und die Hochzeit ſollte gegen Ende Fe⸗ bruar Statt finden. Marie hatte ſich nur we⸗ nig, und dann auch immer nur flüchtig ſehen laſſen. Kein Wort war zwiſchen Antonio und ihr ſeit jenem verhängnißvollen Vorfalle gewech⸗ ſelt; doch bald trat ein Ereigniß ein, das wich⸗ tig genug war, ſie wieder zuſammen zu führen.
Marie fühlte, daß ſie Mutter war! Dieſes Gefühl, das Tauſende und aber Tauſende ihres Geſchlechts mit der größten Freude erfüllt, ver⸗ ſetzee ſie in die tiefſte Verzweiflung. Immer
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