Jahrgang 
1850
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Koßfeldt konnten in der erſten Zeit, ſo unlieb es ihm auch war, nur ſelten und dann auch nur auf kurze Zeit, Statt finden, weil der Dienſt ſehr ſtrenge war, und die beunruhigendſten Nach⸗ richten aus den Provinzen, namentlich Ungarn, einliefen.

Eines Abends war es ihm jedoch gelungen, ſich vom Dienſte auf einige Stunden frei zu machen; er eilte nun ohne Zeitverluſt nach dem Hotel ber Gräfin Koßfeldt. Dieſe war ausge⸗ gangen, und er fand zu ſeiner größten Freude Mathilden allein in ihrem Zimmer.

Nachdem die Liebenden ſchon eine Stunde beiſammen geweſen waren, erzählte Mathilde, daß ſie ſich vor einem halben Jahre habe por⸗ traitiren laſſen; Antonio wünſchte das Bild zu ſehen, und Mathilde ſtieg auf einen Stuhl, um es herunter zu nehmen. Doch als ſie den Schleier hob und ihr Bildniß verſchwunden, und dagegen das wohlgelungene Portrait Antonio's dahängen ſah, wäre ſie vom freudigen Schrecken beinahe vom Stuhle geſunken, wenn nicht An⸗ tonio ſie aufgefangen hätte.

O, theuerſter Antonio, rief ſie,welche unerwartete Freude haſt Du mir bereitet! Doch ſage mir, wo Du das meinige gelaſſen haſt?

Es hängt in meiner Wohnung, erwiderte Antonio, und ſchloß ſie zärtlich in die Arme; meine Zeit, fuhr er fort,erlaubt mir leider jetzt ſo wenig, Dich wirklich zu ſehen, daß ich wenigſtens Etwas haben muß, das mich an Dich erinnert.

Der Eintritt der Graͤfin machte, wie ge⸗ wöhnlich, den Herzensergießungen der Liebenden ein Ende. Die Zeit, die Antonio geſtattet war, ging bereits anch zu Ende, und nachdem er noch eine Weile die Damen mit den neueſten Nachrichten aus den Provinzen unterhalten hatte, mußte er ſcheiden.

Einige Tage darauf erſcholl die Kunde von erneuter erfolgreicher Volkserhebung in Ungarn, und die ganze Kaiſerſtadt wurde davon, wie von einem elektriſchen Schlage getroffen. Aller Augen wandten ſich dorthin, Beiſtand und Sieg exwartend. Die Sicherheitsmaßregeln in Wien wurden verſchärft, und Antonio hatte nun um ſo weniger Zeit zu Beſuchen; auch hatte er, wie auch Wasbeck, einige Worte zu Gunſten

der Ungarn gegen einige Kameraden geäußert, und da man alle nur irgend entbehrlichen Trup⸗ pen jetzt gegen dieſen Feind zu ſchicken genöthigt war, wobei man auf möglichſt der Sache des Kaiſerhauſes zugethane Leute ſah, ſo wurden beide zu einem andern Regimente verſetzt, das beſtimmt war, in Wien zu bleiben; auch wur⸗ den ſie von ihren Obern ſcharf beobachtet.

Dieſe Vorfälle wollte Antonio der Gräfin und Mathilden mittheilen, allein zu ſeinem größten Bedauern mußte er finden, daß ſie in ihrer Wohnung nicht anweſend waren. Da er nun nicht zweifelte, daß ſie bei der Gräfin Hoch⸗ berg ſein würden, ſo machte er ſich dahin auf den Weg. 3

Zu ſeinem Verdruſſe erfuhr er jedoch von der Dienerſchaft, daß die Damen auch dort ſich nicht befänden, und daß nur Marie anwe⸗ ſend ſei.

Antonio hatte dieſelbe, ſeitdem ſie in Wien ſich wieder befand, wenig geſehen, und dann immer eine auffallende Traurigkeit an ihr wahr⸗ genommen. Um ſo mehr hielt er es jetzt für ſeine Pflicht, ſich bei ihr nach ihrem Befinden zu erkundigen.

Er fand ſie vor ihrem Flügel ſitzend, und nicht wie ſonſt, ertönten die Saiten unter ihren ſchnellen kunſtgeübten Fingern von den Walzern eines Lanner und Strauß, ſondern ſanfte, ſchwer⸗ müthige Accorde ſchallten dem Eintretenden ent⸗ gegen.

Freudig überraſcht, erhob ſich Marie und in ſichtbarer Verwirrung wußte ſie ſich nicht gleich zu faſſen.

Mein Fräulein, ſprach Antonio,verzeihn ſie mein plötzliches ungeſtümes Eindringen; es war nicht meine Abſicht, Sie in ihrer angeneh⸗ men Beſchäftigung länger zu ſtören, ſondern nur mich nach Ihrem Befinden zu erkundigen, da Sie ſich ja leider jetzt ſo wenig bei uns ſehen laſſen.

Der ſanfte Ton in Antonios Stimme ver⸗ fehlte ſeine Wirkung nicht; doch bei dem Worte uns war es ihr, als führe ihr ein Dolchſtich durch's Herz; es traten Thränen in ihre Augen, die ſie vergebens bemühte, zurückzudrängen.

Antonio gewahrte ſie, und erſchrocken, ſich vergeſſend, rief er:Um Gottes Willen, Marie,

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