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allein ohne Dich; ich beſchwöre Dich, Ferdi⸗ nand, bleibe!“
Er ſah ihn bei dieſen Worten mit der größ⸗ ten Zärtlichkeit an, Thränen verdunkelten ſeinen Blick, und ſeine Stimme verrieth ſeine innere Bewegung.
Ferdinand liebte Antonio wie ſein Leben; ſein Entſchluß wurde wankend; er ſchwieg einige Sekunden, dann aber ſprach er, von den Gefüh⸗ len der Freundſchaft fortgeriſſen:
„Antonio, wie Du willſt.“
Eine lange innige Umarmung beſiegelte aufs Neue ihren Bund, und tief bewegt trennten ſte ſich.
Als Antonio am folgenden Tage zur ge⸗ wöhnlichen Zeit bei der Gräfin erſchien, ahnte er nicht, daß dieſe bereits von Allem genau un⸗ terrichtet war. Um ſo mehr überraſchten ihn ihre Worte. Er machte mit den glühendſten Ausdrücken ſeine Meinung geltend, daß die po⸗ litiſchen Wirren ja auf ihr häusliches Glück keinen Einfluß haben, daß die genannten Zu⸗ ſtände noch lange dauern könnten— und er wurde hierin von Mathilden aufs Eifrigſte un⸗ terſtützt; allein die Gräfin blieb lächelnd bei ihrem einmal gefaßten Entſchluſſe.
So vergingen 8 Tage, ohne daß ſich etwas Bemerkenswerthes zugetragen hätte, nur fiel es Antonio auf, daß er Marien jetzt ſo wenig ſähe, und daß ſie, wenn ſte ſich einmal zeigte, beſtän⸗ dig trübe und niedergeſchlagen war, und ſich ſo wenig wie möglich ins Geſpräch mit ihm gab.
Er wandte ſich deshalb an Mathilde, um von ihr den Grund zu Mariens Trübſinn zu erfahren; allein dieſe, die aus einigen Aeuße⸗ rungen derſelben die wahre Urſache ahnte, ohne daß Marie ſie ihr entdeckt hätte, war zartfüh⸗ lend genug, dieſe ihre Meinung nicht gegen Antonio zu äußern, ſondern ſchob den Grund, wie es auch Marie ſelbſt gethan hatte, auf eine leichte Unpäßlichkeit.
Eines Abends ſaß Antonio vergnügt im Kreiſe der Damen; auch Marie hatte ſich ein⸗ gefunden, und nahm nach langer Zeit einmal wieder ziemlich lebhaften Antheil an der Unter⸗ haltung; plötzlich fragte die Gräfin Hochberg Antonio um den Grund von Ferdinands jetzt ſo ſeltenem Erſcheinen. Antonio ſuchte ſeinen Freund
ſo gut als möglich zu entſchuldigen, als dieſer plötzlich, Allen ganz unerwartet, höchſt aufgeregt ins Zimmer trat.
Antonio, der den ganz ungewöhnlichen Zu⸗ ſtand ſeines Freundes ſogleich bemerkte, rief, nachdem dieſer ſein plötzliches Erſcheinen bei den Damen entſchuldigt hatte:„Was giebt es, Fer⸗ dinand? Es muß etwas ganz Außerordentliches ſich ereignet haben, Du biſt ja faſt außer Dir?“
„Lies!“ antwortete dieſer, und überreichte ihm ein Schreiben.
Antonio öffnete es haſtig, während Aller Augen auf ihn gerichtet waren. Er durchlief ſchnell die Zeilen, nicht ohne mehrmals die Farbe zu wechſeln. Als er geendet, erhob er ſich, und ſich zu den Damen wendend, rief er:„Gnädige Frauen! dieſer Brief enthält für meinen Freund und mich den ſchleunigen Befehl, ſo geſchwind als möglich nach Salzburg zu unſerem Regi⸗ mente zu kommen; ganz Wien iſt in Aufruhr; Graf Auersperg hat ſich mit ſeinem Corps aus der Stadt gezogen und lagert in der Nähe der⸗ ſelben. Der Kaiſer iſt auf der Flucht und alle nur als Beſatzung entbehrlichen Regimenter haben den Befehl zum ſchleunigen Aufbruche bekommen, um ſich mit dem Heere des Fürſten Windiſch⸗ grätz zu vereinigen und gegen Wien zu marſchi⸗ ren. Auch die Nachrichten aus Ungarn laſſen dort Alles befürchten; der ganze Kaiſerſtaat ſcheint aus ſeinen Fugen gegangen zu ſein!“
Die erſchrockenen Damen blieben eine Zeit lang ſtumm vor Erſtaunen; endlich nahm die Gräfin Roßfeldt das Wort, indem ſie ausrief: „Seht Ihr nun, daß ich Recht hatte, daß meine Ahnungen mich nicht betrogen haben! Gott gebe, daß ſich Alles zum Guten wende!“
„Das wird es, Frau Gräfin,“ rief Antonio feurig,„wenn man dem Volke die erwünſchten Freiheiten gewährt! Doch ich eile, meine Sa⸗ chen in Ordnung zu bringen; denn leider muß ich morgen ſchon fort; ich hoffe aber in einigen Stunden mit Einpacken fertig zu ſein, um dann,“ ſetzte er mit einem Blick voll Liebe auf Ma⸗ thilden hinzu,„einen letzten Abſchied von Ihnen zu nehmen; doch hoffentlich nicht auf lange Zeit!“
Die Freunde empfahlen ſich hierauf und gin⸗ gen ſchnellen Schrittes ihrer Wohnung zu.
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