Jahrgang 
1850
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ich mich nicht entſchließen. Heute Abend werde ich Befehl geben, diejenige Perſon zu mir zu führen, die an der kleinen Thüre in der Straße Valois Einlaß begehren wird. Ich darf Ihnen dieſe Perſon nicht erſt nen⸗ nen; ihr Name lebt in meinem Herzen ſeit dem Tage, da ich Sie zum erſten Male ſah.“

— Habe ich nicht Unglück? rief die Para⸗ bere, indem ſie das Billet des Herzogs noch einmal las. Drei Tage lang habe ich Se. Ho⸗ heit nicht geſehen, und bei unſerer erſten Zu⸗ ſammenkunft muß ich nun zum Fürchten häßlich ſein. Die ganze Nacht habe ich nicht geſchla⸗ fen; ich glaube, es wäre am beſten, dem Re⸗ genten zu ſchreiben, daß ich krank ſei, und nicht kommen könne. Was meinſt Du dazu, Liſette? wandte ſie ſich an ihre Kammerfrau.

— Ich denke, gnädige Frau ſollten doch hin— gehen. Es thut niemals gut, ſich in Vergeſſen⸗ heit gerathen zu laſſen.

— Manchmal aber iſt's noch ſchlimmer, ſich auf die ungerechte Weiſe in Erinnerung zu bringen. Sieh nur, was die ſchlafloſe Nacht für ſchwarze Ringe um meine Augen gehöhlt hat, und zudem iſt das Wetter feucht; meine Fri⸗ ſur wird nicht halten. Es iſt wirklich troſtlos!

Die Schöne zog wieder den Spiegel zu Rathe, und heiſchte unaufhörlich eine Ermuthi⸗ gung von ihm, die er gleichwohl hartnäckig ver⸗ weigerte. Da meldete man ihr die Marquiſe von Ferriol.

Ein leichtes Roth überflog bei dieſem Na⸗ men die entfärbten Wangen der Dame. Wie der Abbe Dubois richtig angegeben, hatte vor einigen Jahren der Graf, dem ſeine äußeren Vorzüge ſehr lange treu geblieben waren, ihr ſehr nahe geſtanden. Bei ſeiner Abreiſe nach Conſtantinopel hatte der galante Ritter ſich von

ſeiner Schönen ſo kurz und kalt verabſchiedet,

daß ihr Stolz dadurch verletzt worden war, ihre Neigung aber nur um ſo dauerhafter ihm zu⸗

gewandt blieb.

Frau von Parabere ſchickte ſich in der erſten

Beſtürzung über den unerwarteten Beſuch be⸗

reits an, ſich vor einer Perſon verleugnen zu laſſen, welche die Erinnerung an einen Schy

digen zurrief und doch nicht den Vorzug 1

noß, dieſer Schuldige ſelbſt zu ſein, als Frau von Ferriol, welche die Entſcheidung nicht ab⸗ warten wollte, an der Thür erſchien.

— Ach, Sie ſind es, meine liebe Dame! ſagte Frau von Parabere ziemlich kalt, was kann ich für Sie thun?

— Für mich— nichts, Madame, erwiderte die Marquiſe; aber Alles für meinen Schwager.

— Ihr Schwager— ach ſol der Graf von Ferriol. Nun, wie geht es ihm denn, dem gu⸗ ten Grafen?

— Er hat unter der vorigen Regierung ſei⸗ nen Geſandtſchaftspoſten verloren, und iſt aus Frankreich verbannt.

— Ach— Geſandter war er? Es ging ſo ſchnell mit ſeiner Abreiſe, daß er nicht einmal Zeit hatte, mir das zu ſagen.

— Ach, Madame, er mußte als Sklave des königlichen Willens dieſen Poſten ſo ſchnell übernehmen, als er ihm durch die Verleumdun⸗ gen wieder entzogen worden iſt, zu deren Echo ſich Frau von Maintenon bei dem hochſeligen Könige hergab.

— Aber was kann ich dazu thun.

— Frau von Maintenon herrſcht nicht mehr. Das Scepter, iſt wie man ſagt, jetzt in die Hände der Jugend und Schönheit übergegan⸗ gen, da der Herzog von Orleans Ihnen das Vertrauen bewahrt, das er einer ſo weiſen Freundin ſchuldig iſt.

Die Schmeichelei ſchien erfolglos abzuglerten. Gleichgültig erwiderte Frau von Parabere:

— Der Regent, Madame, ſchenkt mir nicht ſo viel Vertrauen, als Sie glauben; ich vermag gar nichts bei ihm.

— Indeſſen, wandte die Marquiſe ein, ha⸗ ben Sie allein, Madame, wie ich höre, jetzt bei dem mit Regierungsſorgen überhäuften Prinzen Zugang; und es dürfte ihm nur durch Ihren Mund die Wahrheit bekannt werden, um die Zurückberufung des Grafen zu bewirken. Man hat boshafterweiſe ausgebreitet, er habe zu per⸗ ſönlichen Zwecken über Staatsgelder verfügt, und doch ſind ſie nur zu frommen, gottgefälli⸗ den Werken verwandt worden, die dem Namen des Königs, den er zu vertreten hatte, nur Ehre nachten. S8e kauf Fer zum Beiſpiel eine junge

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