Sklavin, die auf Befehl eines grauſamen Herrn den Tod erleiden ſollte.
— Ach, Ihr Schwager kauft Sklavinnen! erwiderte Frau von Parabere. Ja, wenn er weiter keine frommen Werke aufweiſen kann, dann wundere ich mich nicht, daß ſeine Ver⸗ dienſte bei dem hochſeligen König nicht gehörig 1 anerkannt worden ſind! Ich begreife vollkommen, wie Herr von Ferriol ſich mit den Sitten des aandes beſreundet hat, in welchem ſeine Miſſion inn feſthielt; aber am Ende iſt man darum we⸗ deer ein vorzüglicher Geſandter, noch ein from⸗ mer Chriſt, wenn man ſich aus Staatsfonds ein Serail anlegt.
Aus dieſen im Tone der bitterſten Eiferſucht geſprochenen Worten erſah Frau von Ferriol wohl, daß ſie den Feind, den ſie durch Liſt be— ſiegen wollte, falſch angegriffen hatte.
— Dieſe Sklavin, Madame, war ein Kind, verſetzte ſie mit einfacher Würde. Ihre Weige⸗ * rung aber, meinem Schwager beizuſtehen, be⸗
trübt mich um ſo mehr, als Sie dadurch nicht
nur ſein Verbannungs⸗, ſondern ſein Todesur⸗ theil ausſprechen. 4 — Sein Todesurtheil! damit ſagen?
— Der Graf leidet, fern von Frankreich, an einer finſtern Schwermuth, an einem beſtän⸗ digen Siechthum, das ich für Heimweh halten würde, wüßte ich nicht, daß der Boden ſeines Vaterlandes nicht den erſten Platz in ſeinem
HKeerzen einnimmt.
— Und wonach ſollte er ſich denn ſehnen? fragte Frau von Parabere halb neugierig, halb ungläubig. Hatte er denn etwa eine ungluͤck⸗ liche Liebe in Frankreich?
— Das glaube ich ſchwerlich, Madame, „deenn in ſeinen traurigen Briefen kommt nie ein Frauenname vor; den Ihrigen ſogar, der frü⸗
Was wollen Sie
! her faſt in jeder Zeile derſelben zu leſen war, 1 erwähnt er ſeit einem Jahre gar nicht mehr.
1— Seit einem Jahre gerade?
Die Faporite überlegte, daß vor einem Jahre
2 ungefähr das Gerücht von ihrem Verhaͤltniß zu
G dem Herzoge von Orleans ſich verbreitet hatte.
iimmer verloren, fuhr Frau von Ferriol mit ei⸗
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— Mein Schwager iſt wahrſcheinlich auf⸗Gefahr iſt(für mich nämlich,
— )
nem Blicke auf Jene fort, der, ſo zu ſagen, in ihre Gedanken ſchnitt, denn bei der Nachricht von des Königs Tode hat er mir ſtreng verbo⸗ ten, bei dem jetzigen Gewalthaber des Reiches für ihn zu bitten. Ich weiß nicht, was er für einen Grund zu dieſem unſeligen Haſſe gegen Se. Hoheit den Regenten haben mag; aber er ſchreibt ausdrücklich in ſeinem letzten Briefe, den ich Ihnen zeigen kann:(ach, ich habe ihn leider vergeſſen!) Ich will Demjenigen, der meines Lebens Glück zerſtört, meiner liebſten Hoffnung mich beraubt hat, durchaus nichts verdanken!
— Das hat er geſchrieben?
— Ja, Madame, und ich glaube den Sinn dieſer Aeußerung zu verſtehen. Er ſchreibt dem Herzog von Orleans einen Antheil an ſeiner Verbannung zu; wahrſcheinlich hat er nicht be⸗ dacht, wie wenig der Regent unter der vorigen Regierung vermochte. Der Graf iſt ungerecht und irrt ſich; ein Grund mehr, um ſein Verbot nicht zu achten, und ihm gegen ſeinen Willen zu dienen.
— Ja freilich, wenn es ſo iſt, und er ſelbſt ſich nicht helfen will, ſo müſſen ſeine Freunde ihm wohl zu Hülfe kommen. Auch ich zähle mich immer noch darunter, obgleich er es eigent⸗ lich nicht um mich verdient; auch mögen Sie Recht haben: er iſt vielleicht verleumdet worden. Morgen oder übermorgen(da ich Se. Hoheit heute nicht mehr ſehen werde) will ich für den Grafen ſprechen.
— Aber, Madame, die Concurrenten um den Poſten, welchen der Nachfolger meines
Schwagers durch den Regierungswechſel nun auch verloren hat, ſind zahlreich und eifrig;
wenn wir einen Augenblick zögern, kommt uns ein Anderer zuvor.
— Sie haben Recht. Nun, wiſſen Sie was? Wenn ich Sie anmelde, haben Sie bei dem Re⸗ genten eben ſo viel Credit als ich ſelbſt; heute Abend ſollen Sie ihn ſprechen; Sie gehen an⸗ ſtatt meiner zu ihm.
— Aber, wenn Se. Hoheit Ihren Beſuch ſtatt des meinigen erwartet, wird mir dieſe Ue⸗ berraſchung bei ihm nicht ſchaden?
— Im Gegentheil,; eben weil dabei keine murmelte die
Ihrshafte zwiſchen den Zähnen), naq ich Ih⸗
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