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dem Herzoge, der in dieſer Beziehung die ganze civiliſirte Welt ausgekoſtet hat, mit Crfolg für Ihren Schwager zu wirken.
— Aber um welchen Preis! nicht eine große Sünde—?
— Möglich; aber eine noch größere Dumm⸗ heit, ließen Sie die einzige Gelegenheit ent— ſchlüpfen, die Ihnen bleibt, um Ihr Loos zu verbeſſern. Bedenken Sie, Frau Marquiſe, daß mit dem Einfluß der Frau von Maintenon die Prüderie aufgehört hat, über Frankreich zu herr⸗ ſchen! Das Einzige, was mich in Verlegenheit ſetzt, iſt, Aiſſe auf eine ungeſuchte Weiſe in die Nähe des Prinzen zu bringen.
— Es iſt gradezu unmöglich.
— Das nicht, aber ſehr ſchwierig. Seine Hoheit, ganz den zahlreichen Sorgen eines Re⸗ gierungsanfanges hingegeben, hat ſich für einige Zeit zur Treue entſchloſſen; in den kurzen Muße⸗ ſtunden, welche ihnt ſeine Geſchäfte übrig laſſen,
Und wäre es
noch immer zärtlich liebt. Durch ſie allein wäre es möglich, zeitig genug zu unſerm Zwecke zu gelangen, denn in wenigen Tagen bereits ſoll die Wahl eines Geſandten in Conſtantinopel getroffen werden, da der Regent die dortige Geſandtſchaft vollſtändig zu erneuern beabſich⸗ tigt, und kann Herr von Ferriol auf ſeinem ehemaligen Poſten nicht unterkommen, ſo, fürchte ich, iſt ſein Spiel für immer verloren.
— Aber wo denken Sie hin? Frau von Parabere ſollte ſich dazu hergeben, des Grafen Zurückberufung zu bewirken?
— Haben Sie vergeſſen, daß er vor einigen Jahren von der Dame geliebt wurde? Er ſah damals noch ſehr gut aus, und da ſie ihn ſeit⸗ dem nicht geſehen hat, wird ſie für den Augen⸗ blick den günſtigen Einfluß einer Illuſion nach⸗ geben, der freilich ſpäterhin entweichen dürfte; ſie wird der Rückkehr Ihres Schwagers kein Hinderniß entgegenſetzen. Die Schwierigkeit liegt nur darin, ob ſie geſtatten wird, daß Aiſſe die Bittſchrift ſelbſt überreiche. Die Favoriten pflegen junge ſchöne Mädchen nicht gern zu
protegiren, in denen ſie dereinſt Nachſolgerig
nen zu befürchten haben. — O, Frau von Parabern h .,1
will er nur Frau von Parabere ſehen, die er.
hat Nichts zu
beſorgen! Was Sie auch ſagen mögen, Seine Hoheit der Regent wird bei ſeiner bekannten Großmuth Aiſſe nicht büßen laſſen für eine ſo natürliche Handlung der Dankbarkeit gegen ih⸗ ren Retter, die ich nimmermehr zugeben wurde, wenn für das Kind irgend eine Gefahr daraus erwachſen ſollte!
— Alte Heuchlerin! murmelte Dubois, um die abgeriſſene Maske zu erſetzen, verſucht ſie noch, ihr Geſicht zu verſtellen!
— Und überdem, ſetzte die Marquiſe hinzu, wird die Parabere, wie Sie ſelbſt ſagen, an Aiſſe's Jugend und Schönheit Anſtoß nehmen.
— Freilich, erwiderte Dubois, auch müßte es ſo eingerichtet werden, daß Ihr junger Zög⸗ ling nur in den Augen des Regenten reizend, in denen der Regentin aber alt und häßlich erſcheine.
Bei dieſer Bezeichnung hefteten Dubois Blicke ſich unwillkürlich auf das runzelvolle Geſicht der Marquiſe, als ſuchte er dort das Ideal des beruhigenden Eindrucks, den er im Sinne hatte.
Plötzlich ſtrahlte eine widrige Freude von ſeiner Stirn; die dünnen Lippen öffneten ſich zu einem grinſenden Lächeln.
— Ich habe eine Idee, flüſterte er, und ruckte ſeinen Stuhl dem Seſſel der Marquiſe ganz nahe.
Um den Leſer mit dieſer Idee vollſtändig bekannt zu macheu, verſetzen wir ihn für den Augenblick in das elegante Boudoir eines Ho⸗ tels Rue St. Honore; dort ruht auf einem Sopha, mit perſiſcher Seide bezogen, eine rei⸗ zende Dame, deren Negligee⸗Ueberrock von wei⸗ ßer brochirter Seide ihren brünetten Teint und die prächtigen ſchwarzen Haare ohne Nachtheil hervortreten ließ.
Frau von Parabere(denn der Leſer hat ſi ſie ohne Zweifel erkannt) zerknitterte ſo eben ein kleines parfümirtes Billet zwiſchen den Händen, deſſen Inhalt wir, kraft unſerer ſchriftſtelleriſchen Macht, wie folgt, mittheilen.
„Meine Schönſte! Seit drei Tagen habe ich Sie nicht ge⸗ ſehen; ich möchte die Regentſchaft und dieſe anze nichtige Größe verwünſchen, die mir ſo Welfach angefochten wird! Länger aber mich Ihres lieben Umganges zu beraub kann
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