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nach ihren Wagen oder Sänften und beeilten ſich, das Haus zu verlaſſen. Man wußte um den Streit, welcher zwiſchen dem Herzoge von Orleans und den natürlichen Söhnen des ver⸗ ſtorbenen Königs wegen des Beſitzes der Re⸗ gentſchaft obwaltete, und außerdem, daß die Beſorgniß vor einem ausbrechenden Bürger⸗ kriege alle Gemüther beſchäftigte, fürchtete man auch, ſich über dieſe noch unentſchiedene Ange⸗ legenheit gegen den Abbé Dubois auszuſprechen, deſſen großer Einfluß bei dem Herzoge von Orleans bekannt war.
Sobald Dubois ſich mit der Marquiſe al⸗ lein ſah, ſprach er halblaut mit der altgewöhn⸗ ten ſpöttiſchen Miene;
— Sehen Sie nur, wie ſie alle bei dieſer Kunde auffliegen, wie ein Schwarm Lerchen vor einem Schuſſe! Jetzt aber ſchicken Sie ge⸗ fälligſt auch dieſe junge Turteltaube zu Neſte.
Er zeigte auf Aiſſe, die, nachdem ſie mit gerührtem Antheil der Erzählung von dem Ster⸗ ben des großen Königs zugehört, jetzt wieder völ⸗ lig in ihre Arbeit verſunken ſchien. Auf ein Zei⸗ chen der Marquiſe erhob ſie ſich, machte dem Abbé eine tiefe Verbeugung, ohne jedoch die Augen zu ſeinem Satyrgeſichte zu erheben, und entfernte ſich.
— Die Kleine wird wahrhaftig allerliebſt, flüſterte Dubois.— Nun, meine liebe Marquiſe, Sie begreifen wohl, daß es nur in Ihrem In⸗ tereſſe geſchah, wenn ich dem alten Könige kaum Zeit ließ, die Augen zuzumachen, um hier⸗ her die Nachricht von ſeinem Tode zu bringen. Der Herr Herzog von Orleans tritt morgen vor das Parlament, um die Beſtätigung ſeiner Regentſchaft zu verlangen, die allerdings durch des Alten Teſtament etwas in Zweifel geſtellt ſein dürfte.
— Und Sie wollen bei Seiner Hoheit die Begnadigung meines Schwagers, ſeine Wieder⸗
Feeinſetzung in alle ſeine Würden befürworten?
Ach! der Himmel lohne Ihnen dies großmüthige Vorhaben!
— Hoffentlich, erwiderte lachelnd der Abbé, beauftragt der Himmel mit dieſer Belohnung irgend eine irdiſche Macht! Doch laſſen wir die Poſſen, Marquiſe, wir kennen uns; mögen Sie dhrene hte dergleichen Redensarten auf⸗
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tiſchen; wir aber wollen zur Sache kommen. Was Sie wünſche, iſt keinesweges etwas Leich⸗ tes. Unter uns geſagt: der liebe Schwager iſ wie Sie wiſien, nicht ungerechter Weiſe abge⸗ ſetzt worden. Seine Zurückberufung würde bö⸗ ſes Blut machen; und zu Anfang ihrer Regie⸗ rung iſt es den Fürſteu, beſonders aber den Regenten nicht räthlich, der Gerechtigkeit ins Geſicht zu ſchlagen. Man kann von dem Volke Alles verlangen, wenn man es nicht von vorn⸗ herein mißtrauiſch und vorſichtig gemacht hat. Ohne eine ſehr mächtige Fürſprache alſo dürfte es dem Grafen Ferriol nicht gelingen—
— Nun, hat er nicht die Ihrige, lieber Abbé?
— Obol ehe ich für Andere ſorge, muß ich erſt auf meine eigene Protection denken. Ich bin gegenwärtig ſo ſchlecht angeſchrieben, daß ich nicht einmal wagen darf, mich im Palais royal vorzuſtellen. So lange ich bloß Ihre Hoheit die Prinzeſſin Mutter gegen mich hatte, konnte ich wohl noch Stand halten, denn des Herzogs Dankbarkeit für vergnügte Stunden hielt ſeinem Einfluß das Gegengewicht; aber die jetzige Favorite, Frau von Parabere iſt mir feindlich geſinnt. Sie werden mir zugeben, daß es ein eigenes Unglück iſt, zugleich von der Moral verdammt und von dem Vergnügen an⸗ gefeindet zu werden. Durch eine üngeſchickte Einmiſchung zu Ihren Gunſten aber könnte ich Sie leicht mit meinem Mißgeſchick anſtecken. Ueberdem haben Sie einen Advokaten bei der Hand, der bei Sr. Hoheit Ihre Sache ganz vorzüglich führen würde. 1
— Wen meinen Sie?
— Die kleine Aiſſe! Sie könnte bei ee Herzoge eine dauernde mächtige Stütze für Sie werden. Seine Beziehungen zu der Parabere, die für ihn weder Neues noch Anziehendes mehr haben,können nicht ewig dauern, und Sie begrei⸗ fen, daß es in meinem eigenen Intereſſe liegt, einem Einfluß entgegen zu wirken, der dem Prinzen ſogar ſeine Freunde entbehrlich macht.
— Himmel? und Sie wollen, daß Aiſſe—
— Das waͤre etwas Neues, Pikantes; eine cirkaſſiſche Unſchuld, eine halbwilde Tugend! 1 Weniger bedürfte es aber auch nicht, um bei


