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die Schauſpielerin, nur die Franzöſin, welche die Freude und Dankbarkeit ihres Volkes aus⸗ drücken wollte. Eine unbeſchreibliche Begeiſte⸗ rung aber bemächtigte ſich des ganzen Hauſes, die in einem einſtimmigen, langanhaltenden Ju⸗ belgeſchrei ausbrach.
Zur Seite Villars, der ſich vor der allge⸗ meinen Huldigung mit beſcheidenem Danke ver⸗ neigte, ſtand ein junger Mann mit ausgezeich⸗ net ſchönen, aber todtenblaſſen Zügen. Eine breite Narbe zog ſich über die edle reine Stirn; den einen Arm trug er in der Binde, während der andere ſich auf einen Rohrſtock ſtützte, um den ſichtlich noch ſehr angegriffenen Körper auf⸗ recht zu halten. Es war der junge Chevalier von Aydie.
Am Tage der Schlacht bei Denain war er als Ueberbringer einer Depeſche des Marſchalls, ohne Begleitung in die Nähe der feindlichen Vorpoſten gekommen, und ihrer Uebermacht er⸗ legen. Seine ſiegreichen Waffenbrüder fanden ihn für todt auf dem Wahlplatze; doch unge⸗ achtet zahlreicher tiefer Wunden kehrte ihm zum Erſtaunen der Aerzte das Leben wieder. Gleich⸗ wohl war es noch zu dieſer Stunde, als der junge Held ſich mühſam zu dem ihm im Opern⸗ hauſe beſtimmten Platze geſchleppt hatte, zwei⸗ felhaft, ob er ſeine tapfere Hingebung noch lange überleben würde.
Aydie ſchien die Trauer zur Seite des Sie⸗ gesruhms darzuſtellen, die blutige Kehrſeite der glänzenden Medaille; bei dem Anblick dieſes bleichen Geſichtes dachte man unwillkürlich an die Wittwen und Waiſen, welche ohnfern dieſes Schauplatzes der Freude weinten, und für einen Augenblick verdrängte dieſer Gedanke den gegen⸗ wärtigen Eindruck des glänzenden Schauſpiels. Doch unter allen den feuchten Augen, unter allen bei dem Anblicke des leidenden Helden klopfenden Herzen bewahrten keine dieſen Ein⸗ druck ſo feſt und unvertilgbar, als die Augen und das Herz Aiſſe's, der kindlichen Jungfrau, deren unter der Sonne Aſiens aufgeblühtes Weſen für die Regungen der Leidenſchaft reif genug war.
II. Die Geliebte des Regenten.
Am 1. September 1715, kurze Zeit nach jener Opernvorſtellung, war Geſellſchaft in dem Salon der Marquiſe von Ferriol. Bei dem dürftigen Tageslichte, welches die, der Hitze wegen halbgeſchloſſenen Fenſterladen zuließen, erblickte man einen Kreis alter, runzelvoller Geſichter und mehr oder minder gebückter und hinfälliger Geſtalten, deren dunkle nonnenhafte Gewänder darauf berechnet ſchienen, die geſuchte ſtrenge Einfachheit auf die Spitze zu treiben, welche Frau von Maintenon anſtatt des an Ludwig XIV. Hofe früher herrſchenden Kleider⸗ luxus eingeführt hatte.
In einer Ecke des Salons jedoch zeichnete ſich auf dem dunklen Grunde dieſer gelben run⸗ zelvollen Geſichter mit bebrillten Naſen das fri⸗ ſche liebliche Antlitz der jungen Aiſſe ab, das ſich hier ausnahm, wie eine unter einem Hau⸗ fen Diſteln erblühte Lilie.
Ueber die Tapiſſeriearbeit geneigt, ſchien ſie der Unterhaltung völlig fremd zu ſein, welche ſie umrauſchte, und meiſtentheils der bald zu erwarten den Regierungsveränderung galt; denn der König war, wie man ſagt, ſehr krank, und ſein Ende binnen Kurzem vorauszuſehen.
Plötzlich ließen ſich raſche Schritte im Vor⸗ zimmer hören; unangemeldet riß der Abbé Du⸗ bois die Thüre auf, und trat ganz beſtaubt in die Mitte der alten Damen.
— Was giebt's, Abbé? rief ihm Frau von Ferriol entgegen, welche Nachricht fuͤhrt Sie ſo eilig her?
— Eine ſehr wichtige, meine Damen, erwi⸗ derte Jener, heute früh um acht Uhr iſt der König geſtorben.
Eine unbeſchreibliche Aufregung entſtand in dem kleinen Kreiſe durch dieſe Kunde, welche gleichwohl nach den letzten Nachrichten aus Ver⸗ ſailles keine unerwartete ſein konnte. Kaum hatte Dubois mit faſt gerührter Stimme den Bericht über dieſe letzten Stunden vollendet, in denen Ludwig XIV. nach ſo vielen Schwächen und Erniedrigungen in der Reue ſeine alte Größe wiedergefunden hatte, verlangten Alle
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