Jahrgang 
1850
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rüchtigte Abbe Dubois, der ehemalige Erzieher des Herzogs von Chartres, und jetzt ſein Cabi⸗ netsſecretair, ſeitdem Se. Hoheit Herzog von Orleans geworden.

Obgleich die Oper von Paris im Jahre 1715 noch ſehr fern von dem raffinirten Luxus ihrer heutigen Ausſtattung war, galt ſie doch damals ſchon als eines der merkwürdigſten und glänzendſten Erzeugniſſe künſtlichen Prachtauf⸗ wandes. An jenem Abende nun ſollte Armide aufgeführt werden, eine damals hochberühmte Schöpfung der Meiſter Lulli und Quinault, und eine gefeierte Sängerin, Marie Antier, trat nach langer Abweſenheit darin zum erſten Male wie⸗ der auf. Ihr war die Rolle des Ruhmes in dem allegoriſchen Prolog beſtimmt, welcher ſich auf die Veranlaſſung der heutigen Extravorſtel⸗ lung bezog.

Es war um jene Zeit, als Ludwig XIV. durch wiederholte Niederlagen und beſtändiges Kriegsunglück für ſeine Siege und Eroberungen zu büßen anfing. Die Schlachten bei Hochſtedt, Turin und Malplaquet hatten Frankreich, das ſich bis dahin für ganz Europa furchtbar machte, ſo geſchwächt, daß der alte König, nachdem er dem Marſchall Villars Befehl gegeben, die letzte Kraft des Reiches an einen entſcheidenden Sieg zu ſetzen, zu dem Herzoge von Harcourt äußerte: wenn auch diesmal der tapfere Marſchall unter⸗ liege, wolle er ſelbſt, ein vierund ſiebzigjähriger Freiwilliger, zu Roſſe ſteigen, und ſeinen tapfe⸗ ren Adel um ſich ſammeln, um ſich mit dieſem unter den Trümmern des Reiches zu begraben.

Das Schickſal hatte dem greiſen Löwen je⸗ doch dieſes Schickſal erſpart. Villars rettete Frankreich durch Exroberung jener Verſchanzun⸗ gen, welche von den Kaiſerlichen bereits die Pariſer Straße genannt wurden.

Zur Feier dieſes denkwürdigen Tages, wel⸗ cher in ganz Frankreich lauten Jubel erweckte, ſollte die Extravorſtellung ſtattfinden, zu welcher Aiſſe eingeladen ward. Für Villars und die ausgezeichnetſten Offiziere ſeines tapferen Heeres waren Ehrenplätze unter den Zuſchauern aufbe⸗ wahrt worden.

Der Saal war überfüllt und Aiſſe konnte ſich nicht ſatt ſehen an dieſem ungeheuren Am⸗

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phitheater voll Putz und Lichterglanz. Einen Augenblick haftete auch die öffentliche Aufmerk⸗ ſamkeit auf der jungen Fremden, deren ſeltſame Herkunft bereits im Publikum bekannt zu wer⸗ den anfing, und deren keimende Reize das In⸗ tereſſe an ihrer abenteuerlichen Geſchichte er⸗ höhten; bald jedoch wandten ſich Aller Augen auf die ruhmreichen Helden des Tages.

Mit Antheil und Bewunderung zeigte man einander in den Logen und im Parterre mehrere auf den Ehrenplätzen bereits anweſende tapfere Offiziere; doch noch vermißte man den Sieger, der Ludwig XIV. den Oelzweig gebracht hatte, um allen ſeinen Lorbeern die Krone aufzuſetzen.

Indeſſen rauſchten die erſten Accorde der Ouvertüre daher und der aufgehende Vorhang enthüllte Aiſſe's geblendeten Blicken eine Land⸗ ſchaft mit Felſen, Bergen und freiem Himmel, die mit ihr ſelbſt in den ſtrahlenden Lichtkreis dieſes Hauſes eingeſchloſſen war. 4

Marie Antier trat auf in einem jener ſon⸗ derbaren Coſtüme, welche zu jener Zeit das Al⸗ terthum, deſſen Ausdruck ſie gleichwohl darſtellen ſollten, auf prächtige Weiſe parodirten. Rauſchen⸗ der Beifall empfing die geſchätzte Künſtlerin. Der Prolog Quinaults begann mit den Worten:

Was nur Erhab'nes faßt der Erde Kreis

Es muß dem Helden, den ich liebe, weichen;

Der Feinde Schwarm zerſtiebt auf ſein Ge⸗

heiß,

Ihn hemmt nicht Strom noch Fels, nicht

Gluth noch Eis,

Und ſeiner Thaten Glanz iſt ohne Gleichen.

Nachdem die Darſtellerin des Ruhmes dieſe Worte geſprochen, nahm ſie ihre goldne Krone vom Haupte, ſchritt auf den Seſſel zur 1 Seite des Vordergrundes zu, auf welchem Vil⸗ lars, während der Vorhang aufging, unbemerkt unter ſeinen Waffenbrüdern Platz genommen hatte, und vergebens ſeinen hohen Wuchs durch eine halbgebeugte Stellung zu verbergen ſuchte. Das ſcharfe Auge der Künſtlerin hatte ihn je⸗ doch bald erkannt, ſie kniete vor ihm nieder, reichte ihm die Krone und rief: 1]

Villars gehört ſie! 1

In ihrer bewegten Stimme lag nichts Thea⸗ traliſches, es war in dieſem Augenblicke nicht