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Geſchichte!— Nun, und wo iſt dieſe Wohnung, mein Herr? In der Stadt?
— Nein, Herr Graf, ein wenig weiter.
— Was habe ich geſagt?— In Smyrna vielleicht, oder in der Umgegend— am Ufer?
— Noch etwas weiter. Mit einem Worte: im Palaſte Seiner Majeſtät des Kaiſers von Oeſterreich.
— Ich begreife Sie nicht, mein Herr. Wie käme ich dazu? Ich bin nicht Unterthan des Kaiſers.
— Das iſt wahr, Herr Graf; auch bin ich hierbei nur der Unterhändler eines Ihrer Lands⸗ leute. Ich rede zu Ihnen im Namen Sr. Ho⸗ heit des Prinzen Eugen von Savoyen, Gene⸗ raliſſimus der kaiſerlich öſterreichiſchen Armee.
— Der Sohn der Gräfin von Soiſſons! Ein Hochverräther, der gegen ſeinen König und ſein Vaterland die Waffen führt!
— Aber, Herr Graf, derſelbe König hat Sie Ihres Poſtens entſetzt,— hat Sie zu Grunde gerichtet.
— Möglich, mein Herr. Aber wenn ich nicht mehr Geſandter bin, habe ich deshalb nicht aufge⸗ hört, Franzoſe zu ſein. Verlaſſen Sie mich ge⸗ fälligſt.
— Wie Sie befehlen, Herr Graf! Ein ander Mal hoffe ich glücklicher zu ſein.
Mit tiefen Bücklingen und demſelben Lä⸗ cheln auf dem Geſicht, das ihn hereinbegleitet, entfernte ſich Signor Marini.
— Abgeſetzt, zu Grunde gerichtet! murmelte Ferriol vor ſich hin, als er ſich allein ſah.
— Abgeſetzt und zu Grunde gerichtet! wie⸗ derholte eine Stimme hinter ihm.
— Du biſt's, La Roche? ſagte der Graf, als er ſeinen Kammerdiener bemerkte; ich muß Dir ſagen, daß ich das Echo nicht liebe, wenn es dergleichen Worte wiederzugeben hat.
— Wer iſt Schuld daran, gnädiger Herr?
— Ei, alle Welt! Zunächſt die Frauen, warum ſind ſie ſo ſchön.
— Die Frauen! Nicht doch! ſeien Sie offen, gnädiger Herr, ein Kind iſt Schuld daran. Wenn Sie nicht das Löſegeld für die Kleine zu bezah⸗ len hatten, bekam der Großvezier ſeinen Kaftan, und Sie blieben Geſandter. Wenn Sie ſie
jetzt wieder los ſein wollen, bekommen Sie— darauf will ich wetten— keine hundert Piſtolen dafür.
— Ich will ſie auch nicht los ſein.
— Aber was ſoll mit ihr werden?
— Höre, La Roche, Du biſt nicht mitver⸗ bannt, Du ſollſt nach Frankreich zurückreiſen, und das Kind meiner Schwägerin, der Frau Marquiſe von Ferriol überbringen.
— Da machen der gnädige Herr der Frau Marquiſe ein allerliebſtes Geſchenk.
— Wer weiß, La Roche. Haſt Du nicht ſelbſt geſagt, daß etwas Gutes nie unbelohnt bleibt? Kurz und gut, Du haſt mich verſtanden. Morgen begiebſt Du Dich auf den Weg.
— Wie Sie befehlen. Aber was denken Sie hier in der Türkei zu beginnen, gnädiger Herr?
— Ei, das iſt mein geringſter Kummer. Ich rauche, ich ſpiele, ich— das iſt genug, um mein Leben auszufüllen. Und dann, La Roche— der König und Frau von Maintenon ſind alt und gebrechlich, wie man ſagt, es kann nicht mehr lange dauern mit dem alten Regiment, jedes neue Regiment aber iſt der natürliche Freund der Feinde des alten. Glaube mir, das iſt noch nicht meine letzte Geſandſchaft geweſen.
— Das gebe Gottl gnädiger Herr.
— Amen. Nun geh, ſchnüre Dein Bündel und komm ſchnell zu mir zurück, denn Du biſt mir lieb und nothwendig, La Roche, um Dei⸗ ner vielen Laſter willen.
Fünf Wochen nach dieſem Geſpräch hielt eine Poſtchaiſe in dem friedlichen Stadtviertel des Marais, Straße Culture⸗Sainte⸗Catherine, vor der Thüre eines jener uralten Häuſer, die man nur noch in dieſem Theile von Paris findet, und die noch heute in ihrer ehrwürdigen Solidität an die Macht und Unzerſtörbarkeit alterthümlicher Einrichtungen erinnern. Auf das wiederholte Peitſchengeknall des Poſtillons öff⸗ neten ſich die ſchweren Thorflügel und ließen die Kutſche ein, deren Kaſten und Räder der Straßenkoth mit dicken Arabesken, den Anzei⸗ chen eines langen Weges, bedeck hatte. Ein


