Jahrgang 
1850
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Nachdruck zu geben, zog der Graf aüs der Taſche ſeines Kleides ein Piſtol und ſpannte den Hahn. Zitternd und halb todt vor Furcht fühlte der Eunuche ſeine Kniee wanken und ſtotternd er⸗ widerte er:

Ihr wollt alſo, Herr, daß ich binnen

einem Monat, wenn mein Gebieter zurückkehrt,

das Leben einbüße?

Das iſt Deine Sache.

Nun ſo gebt mir zwanzigtauſend fran⸗ zöſiſche Livres.

Sehr viel für ein Kind. Doch gleich⸗ viel, Du haſt mein Wort, und kannſt Dich zu Conſtantinopel im Palaſt der Geſandtſchaft mel⸗ den, ſobald es Dir gut dünkt.

Ein Schrei, deſſen Ausdruck kein menſchli⸗ ches Wort wiederzugeben vermöchte, drang aus der Bruſt des Mädchens, das augenblicklich die Hand des Grafen losließ und ihrer Mutter in die Arme ſtürzte. Die Unglückliche, welche bis jetzt in dumpfem Schweigen und grabesahnlicher Unbeweglichkeit dageſtanden hatte, wickelte ſich jetzt mit haſtiger Bewegung aus den Falten ih⸗ res ſchwarzen Schleiers, ſtürzte auf die Kniee und bedeckte ihr Kind mit Thränen und Küſ⸗ ſen; dann wandte ſie ſich zu dem Grafen Fer⸗ riol, der nach abgeſchloſſenem Handel mit dem Eunuchen daherkam, und rief in tiefer Bewegung:

Seid geſegnet, o Herr! jetzt und immerdar, weil Ihr mein armes Kind vom grauſamen Tode gerettet! Herr, meine Tochter gehört Euch fortan als Sclavin! Möge ſie bald Eure Freude, Euer Stolz, möge ſie ſpäter Euer Troſt und Eure Stütze ſein. Der Fluch ihrer Mutter aber folge ihr, wenn ſie jemals vergeſſen ſollte, daß all' ihr Denken und Thun Euch gehört, daß ſie für Euch allein leben und ſterben ſoll!

Nach dieſen Worten und einem letzten Mut⸗ terkuß auf den Mund ihrer Tochten, in dem ihre ganze Seele aufzugehen ſchien, überließ ſie ſich willig den Händen ihrer Henker. Schnell war der verhängnißvolle Sack über ſie geworfen, in den man zuvor einen ſchweren Stein gethan. Noch einmal, ehe die verhängnißvolle Hülle ſich uͤber ihrem Haupte ſchloß, richtete die ungluück⸗ liche Mutter ſich auf, um einen letzten Blick auf ihr armes Kind zu werfen, das in des Grafen

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Armen heiße Thränen vergoß; wenige Augen⸗ blicke nachher hörte man den ſchweren Fall eines Körpers, der in den ſilbernen Fluthen des Golfs verſchwand.

Jetzt hält uns nichts mehr zurück, gnä⸗ diger Herr, trieb La Roche, die Barke wartet; kommen Sie ſchnell!

Wohlan, ich komme, ſprach ſeufzend der Graf. An dieſe Nacht will ich lebenslang denken!

Sie wird Ihnen auch, wenn ich recht ver⸗ ſtanden habe, theuer genug zu ſtehen kommen!

Was thut's, La Roche? Ich that, was ich thun mußte, und dann ſieh Dir nur die Kleine an, ſie verſpricht ſehr huͤbſch zu werden.

Freilich, gnädiger Herr, Sie verſtehen ſich auf das Sprüchwort: Etwas Gutes bleibt nicht unbelohnt. 3

Der Graf blieb ihm die Antwort ſchuldig.

Nach der Rückkehr nach Conſtantinopel, wo Herr von Ferriol ſeinen Palaſt im Zuſtande völliger Verwüſtung vorfand, wie ſein Vertrau⸗ ter es ihm angekündigt hatte, war es des Gra⸗ fen erſte Sorge nach dem Geſandſchaftskaſſirer zu ſchicken.

Mein Herr, ſagte er ihm, ich bin eine Verpflichtung auf Höhe von zwanzigtauſend Li⸗ vres eingegangen, die auf der Stelle gezahlt werden müſſen. Wie, das iſt Ihre Sorge.

Aber, gnädiger Herr, wandte der Beamte ſchüchtern ein, Ew. Excellenz wiſſen wohl, daß die Kaſſen völlig leer und noch beträchtliche Schulden zu bezahlen ſind.

Ich weiß, ich weiß; aber dieſe zwanzig⸗ tauſend Livres muß ich nun einmal haben. Wenn ſie nicht da ſind, müſſen ſie aufgenom⸗ men werden.

Ach, gnädiger Herr, ich bezweifle bei⸗ nahe, daß ſich in Conſtantinopel noch Jemand findet, der Ew. Erxcellenz Credit bewilligen mag.

Was ſoll das heißen, mein Herr? Sie erlauben ſich in ziemlich anmaßendem Tone mit mir zu reden. Ich wiederhole Ihnen, daß ich zwanzigtauſend Livres brauche, und Ihre Sache als Geſandtſchaftskaſſirer iſt es, ſie zu ſchaffen. Der Ungluckliche zog ſich ſeufzend zuruͤck, als

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