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— Von Sr. Hoheit und dem Serail iſt nicht die Rede! Aber während Sie hier auf Liebes⸗ abenteuer ausgehen, werfen Ihre Gläubiger in Conſtantinopel die Fenſter Ihres Palaſtes ein.
— Was ſagſt Du? Die Schufte hätten ge⸗ wagt—
— Wohl haben ſie gewagt, ſich bei dem Großvezier über Sie zu beſchweren. Sie haben angezeigt, daß ſie, wenn Sie ihre Rechnungen im Geſandſchaftshotel präſentiren, nur Stock⸗ prügel, aber keinen baaren Heller davontragen.
— Ich möchte wohl wiſſen, was ihnen der Großvezier geantwortet hat!
— Er hat geſagt, daß er hierin Nichts thun könne, da Sie der Geſandte des mächtigſten euro⸗ paiſchen Monarchen ſeien. Darauf haben Ihre Gläubiger beſchloſſen, ſich ſelbſt Recht zu ver⸗ ſchaffen; einige Turken, die ihrer Weiber wegen einen Zahn auf Sie haben, geſellten ſich zu Je⸗ nen, und gemeinſchaftlich wurde nun die Außen⸗ ſeite Ihres Hotels demolirt; ja es ſehlte wenig, ſo wäre es jetzt ein Aſchenhaufen, denn die Ra⸗ ſenden wollten durchaus Feuer daranlegen.
— O, das ſollen mir die Schurken büßen! Aber wie! haben denn meine Kollegen, die Ge⸗ ſandten der anderen Mächte dem Unfug ruhig zugeſehen?
— Ja, da kommen Sie ſchön an! Die ſa⸗ gen, es geſchähe Ihnen ſchon recht, warum lieb⸗ ten Sie auch ſo ſehr das Spiel, die Frauen die Tafelfreuden, warum könne es Ihnen Nie⸗ mand im Luxus gleichthun!
— Die Elenden! Als ob ſie nicht alles Das zuerſt mitgenoſſen hätten, was ſie mir vorwer⸗ fen! Sie laſſen ſich meine Soupers ſchmecken, gewinnen mir mein Geld ab, und kaufen meine Sklavinnen um halben Preis, wenn ich ihrer ſatt bin, was wahrlich nicht eben lange dauert! O, Du haſt Recht, La Roche! Laß uns eiligſt
abreiſen, denn ich habe gewaltige Luſt, mir mit
allen meinen Collegen den Hals zu brechen, und eigenhändig alle meine Gläubiger durchzuprügeln. — Da werden Sie viel zu thun bekommen, gnädiger Herr! 3 — Fort, fort! mir juckt ſchon die Hand danach! — Nun, Sie ſollen nicht lange mehr dar⸗ auf warten; dort unten ſehe ich ſchon im Mond⸗
ſchein die Barke, die uns an Bord der Fe bringen ſoll.
— Ja, in der That, durch das Wogen räuſch glaube ich ſchon den taktmäßigen Schh der Ruder zu hören. Welch' eine ſchöne Nac und welch' ein entzückendes Land! Siehſt 2 dort, wie das Mondlicht ſeine weichen Stra len auf dem Spiegel des Golfes wiegt? Hör Du das Locken der Nachtigall? Athmeſt Du den Duft der Roſen? Wahrlich, in dieſem Lande kann man nichts Beſſexes thun, als— lieben!
Der ſich alſo ausdrückte, war kein Anderer als der Graf von Ferriol, Geſandter des Kö⸗ nigs Ludwigs XIV. von Frankreich bei der ho⸗ hen Pforte; unter dieſem Namen und Titel ſtel⸗ len wir dem Leſer einen für ſein vorgeſchrittenes Alter ſo merkwürdig leichtfertigen Mann vor, der es nicht verſchmähte, an ſeidener Strickleiter aus dem Fenſter zu klettern. Der Graf war damals ungefähr funfzig Jahre alt, aber noch feurig und friſch; in mehr als einer Hinſicht er⸗ innerte er an die glänzenden Laſter eines ſeiner Vorgänger auf dem Geſandtſchaftspoſten in Con⸗ ſtantinopel, an den berühmten Grafen von Con⸗ nevel, deſſen abenteuerliches Leben eines der merkwürdigſten Erſcheinungen des ſiebenzehnten Jahrhunderts war.
Herr von Ferriol erfreute ſich bei den Frauen eines für ſein Alter ungewöhnlichen, jedoch nicht ſchwer zu erklärenden Erfolges, denn er verband eine große Willenskraft in Beſiegung aller Hin⸗ derniſſe mit einer Freigebigkeit, welche an die Mythe von Jupiters goldenem Regen erinnerte. Hierzu kam der Beiſtand ſeines ehemaligen Kam⸗ merdieners und jetzigen Vertrauten, der Tag und Nacht im Dienſte ſeines Herrn intriguirte, ma⸗ chinirte und aufpaßte, dabei ſchurkiſch und ſchlau wie ein Fuchs, und ſo wenig als dieſer einer mo⸗ raliſchen Bedenklichkeit zugänglich war. Wir haben hiermit Herrn La Roche genugſam geſchildert.
Einſt ward in Conſtantinopel in Gegenwart des Grafen von Ferriol erzählt, daß ein italie⸗ niſcher Edelmann, Namens Marini, auf ziemlich geheimnißvolle Weiſe mit einer wunderſchönen jungen Frau in Smyrna angekommen, und gls⸗ bald wieder abgereiſt ſei, nachdem er ſie in einem jener reizenden Landhäuſer untergebracht habe,
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