Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
828
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dies Bedürfniß, ohne daß es der König erfahre; vielmehr glaube er, ſeine Leibwäſche, die er trage, ſei noch dieſelbe, die er als Kronprinz getragen.

Die älteſte, ſchon erwachſene Tochter des Gutsbeſitzers

(die Mutter vom Schreiber dieſer Zeilen) nahm ein beſonderes

Intereſſe an den Speiſen, die für den König zubereitet wurden, und der Küchenmeiſter, den das Intereſſe für ſeine Kunſt erfreute, geſtattete ihr, der Zubereitung beizuwohnen. Die Suppe beſtand aus ſehr kräftiger Bouillon, in welcher ein gehäufter Eßlöffel voll fein geſtoßener Cayenne⸗ Pfeffer, Muskatblüthe und Ingwer gemiſcht wurde; ſodann folgte ein boeuf à la Russienne, d. h. Rindfleiſch in Madeira gedämpft, zu dem aber eine Taſſe voll vom ſtärkſten Franz⸗ branntwein gegoſſen wurde; dann gab es eine Polenta, halb

aus türkiſchem Weizen, halb aus geriebenem Parmeſankäſe

bereitet, dazu wurden drei Eßlöffel ausgepreßten Knoblauch⸗

ſaftes gethan und das Ganze ſo lange in Butter geröſtet, bis

ſich eine harte braune Kruſte gebildet hatte; zuletzt folgte eine große eingemachte Seeſpinne. Da der König allein ſpeiſte, ſo durfte man vorausſetzen, daß er das verzehrt hatte, was an den Speiſen fehlte, die man aus ſeinem Speiſezimmer wieder herausbrachte; danach zu urtheilen, hatte der König dreimal mehr zu ſich genommen, als ein gewöhnlicher Menſch verzehrt; von der Polenta war faſt nichts übrig gebliehen.

9.

Eine Epiſode aus einem See⸗Journal. Das Wetter war kalt und ſtürmiſch; wir hatten das

Cap Horn umſegelt und waren eben mit eng gerefften Maſt- zu bereuen. Der Capitän ſah dieſen Kuß; vor Eiferſucht

und Bugſprietſegeln an der ſchrecklichen Deſolationsinſel

vorübergefahren. In ihre großen erbſenfarbigen Jacken ein⸗ gehüllt, gingen die Matroſen raſch auf dem Verdeck auf und ab, zuweilen tanzend, ſpringend ꝛc., um ſich warm zu halten. Es machte mir Vergnügen, ſtundenlang ihren Bewegungen von meinem Beobachtungspoſten auf dem Hinter⸗ deck zuzuſehen, wo ich in meinen Eslimorock eingewickelt ſaß und aus meiner Elfenbeinpfeife, die aus dem Zahne eines Wallfiſches gemacht war, rauchte.

Oefters kam eine ängſtliche Theerjacke von dem wohl⸗ verwahrten Vorderdeck, um nach ſeinen beſten Kleidern zu ſehen, die gewaſchen worden waren und jetzt auf der Leine hingen, welche über das Verdeck ausgeſpannt worden war.

Leider waren die armen Kleider, die ſich durch keine Bewegung erwärmen konnten, ſo ſteif wie Pappdeckel gefroren und ihr Eigenthümer ſah ſich genöthigt, ſie mit ſeinen halb erſtarrten Fingern in den untern Raum des Schiffes hinab⸗ zutragen und ſie am Ofen aufzuthauen, wenn er wünſchte, ſie am nächſten Sonntag anzuziehen.

Die Gattin des Capitäns befand ſich am Bord; ſie war eine ſehr hübſche, kleine Perſon, mit ganz glatt gekämmtem Haar, freundlichen blauen Augen, lebhaften Manieren und einer lieblichen Stimme. Die rohen Burſchen ein Jeder von ihnen liebten ſie und ich glaube, ſie würden durch Feuer und Waſſer gegangen ſein, um ihr zu dienen, denn ſie ſchickte ihnen immer etwas Gutes zu eſſen, und die unerwarteten Nachtwachen unten, die ihnen durch ihren Einfluß bewilligt wurden, nahmen kein Ende. An heitern

Novellen⸗Zeitung.

Tagen es hatte deren in der letzten Zeit ſehr wenige gegeben kam ſie mit ihrem Nähzeug auf das Verdeck, ſetzte ſich in der Nähe des Fernrohrs nieder und plauderte mit dem Mann am Steuerruder, deſſen Partei ſie nahm, indem ſie in der ihr eigne Weiſe dem Capitän ſchmeichelte,

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wenn er geneigt war, in dem Steuern einen Fehler zu finden. Ich erinnere mich eines zarten ſechszehnjährigen Jungens mit braunen Haaren und einem weißen hübſchen Geſichte, der ees oft derkleinen Lady zu verdanken hatte, daß ſein Rücken nicht Bekanntſchaft mit dem Ende eines Taues machte. Sie ſchien ein förmliche Vorliebe für dieſen Knaben zu haben, der am Bord des Schiffes keinen Cameraden ſeines Alters hatte. Dabei war er ſo zurückhaltend und den wenigen alten Büchern, die er mitgebracht hatte, ſo ergeben, daß die Matroſen keine Gelegenheit hatten, näher mit ihm bekannt zu werden. Er ſchien indeſſen gut geſinnt, miſchte ſich nie iin die Geſchäfte der übrigen Mannſchaft und war ſtets bereit, ſeinen Theil ſeiner Ration Lebensmittel dem zu geben, der von ſeinem eignen Antheil nicht ganz geſättigt war.

Nun, wie ich bereits geſagt,die kleine Lady ſo nannten wir ſie ſchien dem Burſchen gewogen zu ſein. Nicht einer der Officiere wagte es, ihm ein hartes Wort zu ſagen, wenn ſie in der Nähe war. Sie fühlte für ihn eine Art von mütterlichem Intereſſe, glaube ich, weil er Niemanden als ſie hatte, der über ihn wachte und ihn beſchützte; aber er der arme Knabe hatte, leider! ſo (jung er auch noch war, einige der Gefühle eines Mannes V und ſo liebte und verehrte er ſie mit ganzer Seele.

In einer kalten, mondhellen Nacht, als er am Steuer⸗ ruder ſtand, brachte ſie ihm ein Paar Pelzhandſchuhe, die

ſie mit ihren hübſchen Händen ſelbſt für ihn genäht hatte. Eine dieſer weichen Hände küßte er aus einem Antriebe,

den er nicht zu beherrſchen vermochte, indem er die Hand⸗ ſchuhe nahm; aber er hatte bald Urſache, ſeine Verwegenheit

wüthend, raſte er gleich einem Wahnſinnigen.

Was! rief ſie,eiferſüchtig auf den armen kleinen Derrick? auf einen bloßen Knaben?

Ach ja! erwiderte er, mit den Zähnen knirſchend, aber ich glaube nicht, daß es das erſte Mal iſt, daß Du mit ihm liebelſt und girrſt.

Wie lächerlich! antwortete die ⸗kleine Ladys, und mit jeder Kunſt, die ihr zu Gebote ſtand, ſtrengte ſie ſich an, ihren ärgerlichen Gemahl zu beſänftigen.

Zum erſten Male, ſeit ſie verheirathet war, gelang ihr das nicht. Der Capitän befahl ihr, in ihre Cajüte zu gehen, worin er ſie eingeſchloſſen hielt.

Und nun begann für den armen Derrick eine harte Zeit: Tag für Tag, Nacht für Nacht, mit nur ſehr kurzen Unter⸗ brechungen, wurde er von dem grauſamen Schiffer zu ſchwerer Arbeit angehalten. Jede Stunde wurde der arme Knabe dünner und bläſſer. Ich glaube, die Abweſenheit der Dame, die er liebte, griff ihn eben ſo ſehr an, wie ſeine harte Arbeit; denn er blickte gar oft nach dem Hinterdeck, das dieſer ſchönen Form beraubt war, und fſeiner Bruſt entſtiegen dann ſchwere Seufzer. Manche von uns machten dem Capitän Vorſtellungen, aber er beachtete ſie nicht und fuhr fort, den Knaben über ſeine Kräfte arbeiten zu laſſen. Der arme Leidende war in kurzer Zeit zu einem wahren Skelett abgemagert ein wandelnder Schatten und dann mäßigte der Schiffer ſeine Härte ein wenig. Er erlaubte ſeinem Opfer von Zeit zu Zeit, hinabzugehen und ſich auszuruhen. Er fuhr indeſſen fort, ſich zu grämen und war endlich nicht mehr im Stande, ſeine Hängematte zu verlaſſen. Die Mann⸗

ſchaft war nicht überraſcht, als der Steuermann eines

Morgens auf das Vorderdeck trat, nach dem ſcharfen, blaſſen Geſicht, den feuchten blauen Haaren ſah und ſagte, der Knabe liege im Sterben!

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