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teer dringend,
Er ze
es Monarchen
würde, weil davon ſtets eine große Menge für die königliche Küche verbraucht würde und der Küchenmeiſter gern friſchen Knoblauch fände; ſonſt wäre ſchönes Obſt das Einzige, was der König zuweilen annähme, doch möchte auch dies hier lieber unterbleiben, denn in der Regel glaube der König, man präſentire es ihm nur, um Etwas dafür zu haben, und er nehme es daher nur von Solchen an, denen er ſchon viel ge⸗ ſchenkt, wo er alſo das Obſt als ein Gegenſchenk anſehen könne, für deſſen Annahme er keine Verpflichtung auf ſich lade. So habe er früher immer beim Umſpannen in Kamenz Obſt angenommen. Das aber wäre unerläßlich, daß von Elſenholz ein tüchtiges Caminfeuer in dem Schlafzimmer des Königs unterhalten werde. Auf die verwunderte Frage, ob bei der jetzigen warmen, faſt ſchwülen Witterung das Zimmer dadurch nicht zu heiß würde, erwiderte der Feldjäger, Seine Majeſtät ließen, ohne Rückſicht auf die Jahreszeit, das ganze Jahr hindurch auch in Allerhöchſt Ihren Schlöſſern täglich Caminfeuer im Schlafzimmer unterhalten, weil ſie der Meinung wären, daß dadurch reine Luft erzeugt würde und dies der Geſundheit ſehr zuträglich ſei.
Auf die Frage, ob der König jetzt kein Obſt mehr in Kamenz annähme, erwiderte der Feldjäger mit einem Kopf⸗ ſchütteln:„Der König läßt nicht mehr in Kamenz um⸗ ſpannen.“ Die Erwiderung geſchah aber in ſo eigenthümlicher Art, daß man ſogleich erkennen konnte, es habe damit eine beſondere Bewandtniß.
Der Feldjäger gab dies zu und erzählte nach einigen Bitten den Zuſammenhang. Der frühere Probſt des Kloſters hatte dem König bekanntlich einſt einen großen Dienſt erwieſen. Er hatte ihn als König, der ſich beim Recognosciren zu weit gewagt und beinahe von Panduren gefangen genommen worden wäre, in eine Mönchskutte geſteckt, war mit ihm in die Kirche gegangen und hatte dort mit ihm und ſämmtlichen Mönchen ſich um den Hochaltar geſtellt und die Meſſe geleſen. Als die Panduren in die Kirche traten und dort die Geiſt⸗ lichen erblickten, beugten ſie ſich andachtsvoll und verließen die Kirche; dadurch wurde der König gerettet, ſein Adjutant da— gegen gefangen. Zur Erinnerung daran wurde die Erzählung dieſer Begebenheit in eine broncene Tafel eingegraben und dieſelbe in der Nähe des Altars eingefügt, wo ſie heute noch zu ſehen iſt. Seitdem beehrte der König den Probſt oft mit Geſchenken, z. B. mit einem Service aus der Berliner Porzellanfabrik, mit ſchönen Weinen, auch mit Obſt aus den Treibereien von Sansſouci, und nahm auf der Durchreiſe
immer Erfriſchungen von ihm an.
Als der Probſt geſtorben war und deſſen Nachfolger beim Umſpannen an den Wagen des Königs trat, fragte derſelbe huldvoll, ob er einen Wunſch für das Kloſter habe. Der Probſt, ein ungebildeter Menſch, war in dem Augenblicke ſo beſtürzt, daß er ſich auf Nichts beſinnen konnte; da fiel ihm plötzlich ein, daß dem Kloſter ſoeben ein Baßſänger aus dem Sängerchor geſtorben war, und er bat, Majeſtät möchten geruhen, dem Kloſter einen Baßſänger zu ſchenken, den ſie hier nicht aufzutreiben wüßten. Der König ſah ihn auf dieſe wunderliche Bitte einen Augenblick ſcharf an und ſagte dann:„Gut, ich werde es notiren und Euch einen aus Neuſtadt an der Doſſe ſchicken.“
Dort hatte der König ein Geſtüt von Mauleſeln an⸗ gelegt. Das wußte aber der gute Probſt nicht; er glaubte, das ſei eine Sängerſchule für die neu errichtete Oper. Da nun Jeder, der in's Kloſter tritt, ſeinen weltlichen Namen aufgiebt und zu Ehren eines Schutzheiligen einen geiſtlichen Namen bekommt, nach dem er fortan genannt wird, ſo wollte
Vierte Solge.
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der glückliche Probſt dem König eine beſondere Ehre für die ſchnell gewährte Bitte erweiſen und erwiderte mit einer tiefen Verbeugung:„Im Namen des Kloſters ſpreche ich meinen ehrfurchtsvollen Dank aus; der Sänger ſoll zur ewigen, dankbaren Erinnerung Pridericus secundus(Friedrich der Zweite) heißen!“ Da rief der König, ohne ihm zu antworten, raſch dem Kutſcher zu:„Fahr' zu!“ drückte ſich in die Ecke des Wagens und ſagte nach einer Weile zu dem Fürſten von Hohenlohe, der neben ihm ſaß:„Sehen Sie, mein lieber Vetter, das hat man von ſolchen mauvaises plaisanteries.“
Der gute Probſt aber mag lange ſehnſüchtig auf den Sänger gewartet haben, bis er ſich wohl bei dem Gedanken beruhigte, die Sache ſei vergeſſen. Erfahren hat er wohl nie, welchen Bock er geſchoſſen. Der König aber ließ von der Zeit an nicht mehr in Kamenz halten, ſondern in einem Dorfe umſpannen, das eine halbe Meile weiter entfernt iſt.
Am ſelben Tage langte der König in Göhren an mit einem Reiſewagen, der mit Extrapoſtpferden und mit einem Gefolge von fünf Wagen, deren jeder mit ſechs Bauernpferden beſpannt war. Der Reiſeſtallmeiſter des Königs war dem Gutsbeſitzer aus früherer Zeit her bekannt, er machte ihn auf den Reiſewagen aufmerkſam, der ein ſehr alterthümliches Aus⸗ ſehen hatte, und erzählte, daß der Wagen ſeit beinahe vierzig Jahren ſeine Dienſte thue, daß er auf allen Reiſen bei den ſchlechteſten Wegen benutzt werde und daß er demungeachtet noch nicht die geringſten Reparaturkoſten verurſacht habe. Als Herr von Blomberg, darüber verwundert, ihn in ge⸗ naueren Augenſchein nahm und eine Schraube bemerkte, die erſt in neuerer Zeit angeſetzt ſein konnte, lächelte der Stallmeiſter und ſagte:„Es iſt gut, daß der König ſich nicht die Sache ſo genau anſieht, wie Sie.“ Auf die Frage, wie er das meine, theilte Jener mit, daß der König glaube, wenn ein Wagen gut gebaut ſei, dürfe nichts daran entzwei gehen; man halte zwei Wagen, die ſich vollkommen gleich ſähen, und die, ſobald daran etwas entzwei ginge, ſo reparirt würden, daß nichts von der Reparatur zu ſehen ſei.
Der Wagen hing in ſtarken Riemen, der Kaſten war blau angeſtrichen, das königliche Wappen auf dem Wagen⸗ ſchlage; inwendig war ermit gelbem Plüſch ausgeſchlagen; das Geſtell war roth angeſtrichen, der Plüſch war verſchoſſen, aber ſonſt ſo gut im Stande, daß Herr von Blomberg fragte, wie es möglich ſei, daß er vierzig Jahre lang gehalten. Der Stallmeiſter erwiderte, daß der Bezug ſchon zweimal völlig erneuert worden ſei, daß man für ſolche Erneuerung aber das Zeug ſo lange der Luft, der Näſſe und der Sonne aus⸗ ſetze, bis es ebenſo verſchoſſen ausſehe, als das alte, an deſſen Stelle es treten ſolle, ſo daß die Erneuerung niemals ſichtbar werde; der König bemerke daher niemals Etwas davon und glaube nun, daß an ſeinem Wagen nie Etwas ſchadhaft würde und lache ſeine königlichen Verwandten aus, daß ſie ſich betrügen ließen, wenn ſie für Reparaturen Etwas bezahlen müßten; bei ihm dürften gar keine Reparaturen vorkommen.
Auf die Frage, wer denn nun die vorkommenden Aus⸗ beſſerungen bezahle, erwiderte der Stallmeiſter, daß bei dem Contract mit dem Hofſattler demſelben zur Bedingung gemacht worden, er müſſe die königlichen Reiſewagen unentgeldlich ſo im Stande halten, daß nie eine Erneuerung ſichtbar ſei, dagegen ſei ihm geſtattet, die anderen Arbeiten etwas höher in Anſatz zu bringen.
Eben ſo wenig, als für Reparaturen an ſeinem Wagen, wolle der König Geld hergeben für ſeine Leibwäſche; die Schweſtern des Königs, die das wüßten, ſorgten daher für


