Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
826
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Novellen⸗Jeitung.

Hier offenbart ſich Freytags Talent als auf- Moment zu ſein, ohne doch dabei ein Wort zu viel zu

räumend, klärend und ordnend. Er hat die große Gabe, mit einem ſo feinen als faßlichen Schlagwort die hinter den Couliſſen liegenden leitenden Ideen

im Thatendrama der Geſchichte zuſammenzufaſſen und

den Charakter der Vergangenheit durch ſeine Dar⸗

ſtellungen ſo plaſtiſch herauszuarbeiten, daß er auch

dem minder eingeweihten Kopfe der Gegenwart zu⸗ gänglich wird. und freien poetiſchen Hinzuthaten, die oft fremde Farben in das Gemälde der Vorzeit miſchen, weiß er ihnen den atmoſphäriſchen Lebenshauch der Vergangenheit

Fern von romantiſchen Träumereien

zu geben und übt dabei als Geſchichtsſchreiber noch

die ſeltene Kunſt, Erzähler und Kritiker in einem

ſprechen.

Was er über die Wanderzeit, rungsgeiſt Karls des Großen und wickelung des Kloſterlebens ſagt, Hiſtorikern beachtet werden.

Freytag hat uns als geſchichtlicher Schriftſteller ſchmerzlich empfundene Lücken ausgefüllt und wahr⸗ haft Neues gegeben. Möchte ſeine Feder in dieſem Gebiete nicht ruhen. Allerdings iſt mit dieſem Buche ſein Cyklus aus der deutſchen Vergangenheit formell geſchloſſen, doch es liegen zwiſchen den Zeilen dieſer vier Bände für einen ſolchen Darſteller noch bedeutungs⸗ volle Themen in großer Zahl.

über den Regie⸗ über die Ent⸗ ſollte von vielen

Memorabilien aus Friedrichs letzter Beit.

Die neue Auflage der Vertraulichen Mittheilungen des Freiherrn von Seld, der als treuer Anhänger der preußiſchen Monarchie und ihrer großen Erſcheinungen doch den Stand⸗ punct der Unbefangenheit erhalten hat, bringt viele Züge aus dem Charakter Friedrichs des Einzigen, an dem auch die Sonderbarkeiten für die Pſychologie von Werth und für jeden Gebildeten intereſſant ſind. 3

Im letzten Decennium ſeiner Regierung reiſte Friedrich der Große nach Schleſien zur Revue. Er ſandte, wie ge⸗ wöhnlich, einen Feldjäger voraus, der ihm Quartier machte. Als dieſer nach dem Dorfe Göhren bei Sommerfeld kam, um in der dortigen Predigerwohnung für den König Quartier zu machen, fand er die Wohnung verſiegelt. Der Prediger war geſtorben, ohne eine Ehegattin oder majorenne Kinder

zu hinterlaſſen; es war deshalb der Nachlaß vom Gericht

unter Siegel gelegt worden. Der Feldjäger, gewohnt, den Befehl ſeines königlichen Herrn unbedingt auszuführen, war eben im Begriff, die Siegel abzureißen und Beſitz von der Wohnung zu nehmen, als der Gutsherr, Baron von Blomberg, dazu kam und als Geriihisherr ſowie als Polizeiobrigkeit Proteſt gegen dies gewaltſame, durch die Ge⸗ ſetze mit harter Strafe verpönte Verfahren einlegte, und als dies nicht wirkte, ſich mit ſeinem Jäger vor die verſiegelte Thüre hinſtellte und erklärte, er würde der Gewalt Gewalt ent⸗ gegenſetzen, und der Feldjäger möge verſuchen, wer der Stärkere ſei. Zugleich ließ er den Wirthſchafter rufen, gab ihm in Gegenwart des Feldjägers den Befehl, ſogleich nach der nächſten Poſtſtation zu jagen, dort Ertrapoſt zu nehmen, beim König, der ſich in Frankfurt an der Oder befand, um Audienz zu bitten und ſich über dies gewaltſame Verfahren zu be⸗ ſchweren. Das wirkte. Der Feldjäger bat, die Abſendung des Boten zu unterlaſſen, er werde die Siegel nicht verletzen, obgleich er nun nicht wiſſe, wo er Quartier für den König machen ſolle.

Der Gutsbeſitzer ſtellte ſein ganzes Haus zur Verfügung. Darauf erwiderte Jener nicht ohne einige Verlegenheit, der König habe ihm zur Pflicht gemacht, nicht bei den Edelleuten,

bitten.

Feuillelon.

ſondern bei Predigern Quartier zu machen; dieſen Letzteren gebe der König jedesmal für die Aufnahme vierz zig Friedrichs⸗ d'or; dadurch ſeien ſie reichlich belohnt und erlauben ſiche nicht, noch irgend eine Gnade für ihre Bemühungen zu er⸗ Den Edelleuten könne er kein Geld geben und dieſe verlangten allerlei Gunſt und Gnade, die ihm unbequemer und koſtſpieliger wären, als ein Geldgeſchenk, und dabei glaubten ſie doch noch, daß ſie dem König einen beſondern Dienſt geleiſtet hätten. Als der Gutsbeſitzer verſicherte, daß er ſich überreich belohnt fühle durch die Ehre, Seiner Ma⸗

jeſtät auch nur den kleinſten Dienſt geleiſtet zu haben, daß er

keinen Wunſch irgend einer Art hege, er auch den König ſchon deshalb nie um eine Gunſt bitten werde, damit es nicht das Anſehen habe, als verlange er für die große Freude, die ihm der hohe Gaſt durch ſeinen Beſuch bereitet, auch noch eine Vergütung war der Feldjäger zwar beruhigt, doch war er immer noch in Sorge, daß der König ungehalten ſein könne, daß das Nachtquartier nicht, wie befohlen, beim Prediger ſtattfinde.

Als ihm entgegnet wurde, daß der König es erfahren ſolle, wie der Feldjäger alles Mögliche gethan, um des Königs Befehl durchzuſetzen, und nur mit Gewalt verhindert worden ſei, das Predigerhaus in Beſitz zu nehmen, bat er dringend, den König nichts davon wiſſen zu laſſen, daß er hätte die Siegel des Gerichts verletzen wollen, weil Seine Majeſtät ſonſt gewiß ſehr ungehalten auf ihn ſein würden. Er zeigte überall große Beſorgniß vor dem Mißfallen des Monarchen und gab zu verſtehen, daß es ungemein ſchwer ſei, es dem⸗ ſelben recht zu machen, ſo daß der Gutsbeſitzer und mehr noch deſſen Familie mit einiger Aengſtlichkeit dem hohen Beſuche entgegenſahen.

Auf Befragen, ob denn irgend Etwas zum Empfange geſchehen dürfe, und was für die Bequemlichkeit und Küche zu thun ſei, erwiderte der Feldjäger, daß jede Art vom Em⸗ pfangsfeierlichkeiten unterbleiben müſſe, daß der Küchen⸗ meiſter alles für die Tafel Nöthige bei ſich führe, und das Einzige, was daher von Seiten des Gutsbeſitzers geſchehen könne, beſtehe darin, daß viel Knoblauch vorräthig gehalten

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