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dem Rufe:
Gedichte von Stephan Milow.⸗
Verweis.
Was neigſt das Haupt Du niderſtrebend,
Da ich um einen Kuß Dich bat, Und meine Lippe ſchon, erbebend, Mit durſt'’ger Gluth der Deinen naht?
Und haſt Du mir's denn nicht geſtanden, (Und muß ich Dir ein Mahneyr ſein?) Da wir allein uns neulich fanden:
Ich liebe Dich und ich bin Dein?
In dieſes Wort ſind tauſend Küſſe Und Zeichen holder Gunſt gefaßt,
Und ach! wie viele ſüße Schlüſſe
Zog ich daraus mit Liebeshaſt.
Ich bin damit für's ganze Leben In tauſend Rechte eingeſetzt,
Und ſieh, was Du mir hold gegeben, Mein liebes Kind, das nütz' ich jetzt.
So ſtille denn mein heiß Begehren Und dulde, was geſchehen muß, Laß immer willig mich gewähren
Und ſpende willig Kuß auf Kuß.
Erkenntniß.
Entfalten kann ſich nur die Liebe,
Wenn reich ſie Gegenliebe nährt,
Wenn in entbranntem Doppeltriebe
Ein Herz des andern Gluthen mehrt; Wenn ſich zwei Flammen feſt verbünden, Auflodernd, jedem Zwang entrafft,
Und aneinander ſich entzünden
Zu doppelt tiefer, heißer Kraft.
*) Nach Mittheilung eines Augenzeugen. **) Aus Gedichte von Stephan Milow.
von Georg Weiß. 1867.
Heidelberg.
Verlag
„Hoch Deutſchland!“*) Es wurde von dem ritterlichen jungen Mann geſagt, der Liebenswürdigkeit auch das kriegeriſche Großvaters geerbt habe, er auch im Aeußern war.
daß er außer Feuer des deſſen vollſtändiges Ebenbild
aus der Zeit der Merowinger und der ſchaft, verweilt mit
Vierte Solge. 823
Das iſt nicht Liebe, wenn, noch ſchwankend, Das Herz vor ſeinem Wunſch erſchrickt, Und ſtets in bangen Zweifeln krankend Sein keimendes Gefühl erſtickt;
Wenn es ſo fern vom Ziel ſich glaubet, Daß es verſchüchtert gar nicht wirbt,
Sich ſelber jede Hoffnung raubet
Bis mählig all ſein Sehnen ſtirbt.
Nicht Liebe war's, da noch in Bangen Ich Dich vom Himmel mir erfleht, Ich ſcheu an Deinem Blick gehangen Und ängſtlich jede Mien' geſpäht. Konnt' ich es damals auch nur ahnen, Wie dieſes Herz zu glühn vermag,
Da ſo geſchieden unſre Bahnen
Und zwiſchen uns ſo Vieles lag?
Doch jetzt, da ich Dich zitternd halte, Da dieſer Arm Dich eng umſchlingt, Ich frei mit Deiner Schönheit walte Und Blick in Blick verſengend dringt; Jetzt weckt mir die gewordne Gabe, Was ſonſt im Herzen matt nur ſchlief, Ich fühl' es erſt, nun ich Dich habe, Wie ich Dich liebe, innig, tief.
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Aus dem Mittelalter. Bilder von Guſtav Freytag. Leipzig, Hirzel's Verlag. 1867.
Sie ſehen in dieſem der Zahl nach vierten Bande des trefflichen deutſchen Geſchichtsergänzungswerkes
von Freytag eigentlich den erſten Band vor ſich, von
dem ich nicht der Einzige ſein werde, der geſtehen muß, ihn lange und ſchmerzlich entbehrt zu haben. Derſelbe beginnt mit jener Epoche, in welcher ſich die alten Germanen zuerſt mit den Römern berührten, geht dann auf die Völkerwanderungstage über, beleuchtet das Chriſtenthum unter unſern Vorfahren, erzählt Frankenherr⸗ national politiſchem Accent bei Karl dem Großen, beleuchtet das Kloſterleben im zehnten Jahrhundert, geht zu Charakter⸗ und Genre⸗ bildern aus dem Volke über, beſpricht die Kaiſer⸗ wahlen, die Kreuzzüge, die Hohenſtaufenepoche und endet im Anſchluß an den früheren erſten Band mit dem dreizehnten Jahrhundert.
Von den höchſt intereſſanten Details, die er dabei


