Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
821
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Möbeln

ihm wohl⸗

zu nehmen Tiſche, auf a man an⸗

mwaren watell,

mal wieder

Vierte

ſein! Danken wir Gott, daß weder unſere Koͤpfe, noch

unſere Freiheit bedroht ſind! Doch zur Sache fuhr er fort, in einen ernſteren Ton übergehend; dabei nahm er die Papiere und legte ſie in Winterfelds Hand.Durch dieſe Documente iſt meine Ge⸗ mahlin frei; ſie kann zu Ihren Gunſten jetzt über ihre Hand verfügen. Mögen Sie Beide glücklich werden! Das iſt der Wunſch, mit dem ich Sie entlaſſe, Herr Baron, um fortan auch auf mein eigenes Glück be⸗ dacht zu ſein. Nicht wahr, Sie finden das meinerſeits gerecht und vorenthalten mir ſo wenig Ihre guten Wünſche, wie ſie mir von der geweſenen Julie Gräfin O. zu Theil wurden am Morgen, als ſie dieſes Haus verließ, um es nie wieder zu betreten?

Der Oberſt war zu bewegt, um zu ſprechen. Die beiden Männer ſahen ſich noch einmal bedeu⸗ tungsvoll an und trennten ſich ſchweigend.

Es war um zehn Tage ſpäter, als das Rollen eines Wagens über den zum Schloßportale führenden Kiesweg die Aufmerkſamkeit der Familie Winterfeld erregte, welche, durch den warmen Frühlingstag ver⸗ lockt, auf der Terraſſe den Kaffee einnahm. Daß es nicht Hallwigs, daß es die ſchöne neue Equipage des Oberſten war, hatte Anna auf den erſten Blick erkannt; aber ob er allein wiederkehrte, war die Frage, welche die Gemüther in Spannung verſetzte, als die Fämilie ſich erhoben hatte, um nach dem ankommenden Wagen zu ſchauen. Sowohl Anna als ihre Mutter, die aus einigen leichten Andeutungen des Oberſten vor ſeiner Abreiſe das Gegentheil vermutheten, ſtanden mit ver haltenem Athem in faſt bangender Erwartung. Da hielt der Wagen an der Freitreppe, und aus dem vom Diener geöffneten Schlage ſprang mit der Leichtigkeit der Gazelle eine Dame, jung, ſchön, mit dunklen Augen, aus denen freudige Erwartung ſtrahlte.

Sie iſt es! rief Anna.

Ja, ſie iſt es, endlich Deine liebe Schweſter! entgegnete Julie und ſank in Anna's ausgebreitete Arme.

Ja, ſie iſt es! ſprach Heinrich, welcher der Gruppe jetzt nahe trat und die in Aufregung Bebende der harrenden Mutter entgegenführte.Julie, geb. Freiin Schw., vermählt geweſene Gräfin O., jetzt Baroneſſe v. Winterfeld, meine theure Gemahlin.

Ihre gehorſame Tochter Julie, flüſterte die junge Gattin, deren Reize verſchönt wurden durch die hohe Gluth, welche ihre Wangen färbten, als ſie ſich vom Herzen der Mutter aufrichtete und nach dem Vater aufſchauete. Der alte Baron aber, auf deſſen dargebotene Hand ſich Julie ehrfurchtsvoll neigte, ſchloß die ſchöne Schwiegertochter in ſeine Arme mit den Worten:Segne Gott Ihren Einzug in ein Haus,

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wo die Herzen Ihnen mit Liebe entgegenſchlugen, ſeitdem mein braver Sohn, der mein Stolz iſt, uns einen Blick in ſein Herz thun ließ, ohne den Gegen⸗ ſtand zu verrathen, von dem es ſo lange ausſchließlich erfüllt war.

Sie, mein Vater, ſehen das entſchleierte Ge⸗ heimniß vor ſich ſtehen, wandte ſich Heinrich lächelnd zum alten Baron.Um aber des Räthſels Entſtehen zu ergründen, dazu werden Sie, meine theuere Mut⸗ ter, und Du, liebe Anna, den Schlüſſel im Herzen meiner Julie finden.

Der erſte Pariſer Friede war geſchloſſen und bald darauf verließ ein Theil des verbündeten Heeres die ſonnigen Fluren des ſchönen Frankreichs, um in die deutſche Heimath zurückzukehren.

Unter den preußiſchen Truppen befand ſich auch Freiwald. Er hatte es während des mühevollen Feldzuges zum Lieutenant gebracht. Nach des Königs erlaſſenem Befehle ſollten ja auch Nichtadelige während des Krieges zu Officieren befördert werden dürfen, und unſer vaterlandsglühender junger Künſtler hatte dieſe Auszeichnung erlangt. Aber als der Friede kam, hatte er ſeine Schuldigkeit gethan, und man ſchien es hoheren Orts nicht ungern zu ſehen, daß er gleich vielen anderen ſeiner freiwilligen Cameraden um den Abſchied bat, der ihm in ſehr ehrenvoller Weiſe ertheilt wurde. Die Uniform wurde vertauſcht gegen den bequemeren Bürgerrock und Freiwald pilgerte mit geringem Gepäck, aber leichten Herzens und frohen Sinnes noch einige Zeit den Rheinſtrom auf und ab, um deſſen maleriſche Ufer zum Gegenſtande ſchöner Skizzen zu machen. Beſonders war es das Städtchen Caub, wo er längere Zeit verweilte, um Vater Blüchers Rheinübergang durch ein größeres Bild zu verherrlichen, das er der ſchönen, für das Vater⸗ land glühenden Braut bei der Heimkehr zum Geſchenk beſtimmt hatte. Die für ſeine Liebe ſo günſtigen Nachrichten, die er von ſeinem Freunde Heinrich er⸗ halten hatte, veranlaßten ihn, mit verdoppeltem Eifer an ſeinem Werke zu arbeiten.

Die Sonne warf eines Abends die letzten Strah⸗ len in ſein freundlich gelegenes Zimmer; der Rhein glühete weithin wie ein feuriger Strom und in ihm ſelbſt glühte und wogte es, als er mit verſchränkten Armen vor ſeinem der Vollendung nahen Bilde ſtand und ſeines holden Mädchens gedachte in der Heimath. Da wurde ein Brief in das Zimmer gereicht, an deſſen Aufſchrift er alsbald die Hand ſeines Freundes Hein⸗ rich erkannte. Mit lebhafter Freude vernahm er ſeine vollſtändige Geneſung im Arme der Liebe, mit

noch viel größerer, daß, wie Anna, auch die ganze Fa⸗