Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
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gruppen wieder entgegenſchimmerten. Wäre ich nun auch noch einer anderen Sorge um Dich überhoben,

Novellen⸗Zeitung.

wurden. Die Gräfin, der Winterfeld ſeine Ankunft gemeldet, hatte erwidert, daß ſie ſich auf ein ihm

nachdem ich in finanzieller Hinſicht Deine Zukunft näher bezeichnetes, einer befreundeten adeligen Familie

ſichergeſtellt weiß. Verhehle mir nicht länger, was Dein Inneres jetzt ſo freudig bewegt, während vor einem halben Jahre noch Schwermuth, bangende Sehnſucht unverkennbar in Deinen bleichen Geſichts⸗ zügen zu leſen war. Nach einer kurzen Pauſe, in welcher Heinrich lächelnd nur den ſchmalen Feld⸗ weg vor ſich zu beachten ſchien, um deſto aufmerkſamer des Vaters milden Worten zu horchen, fuhr dieſer fort:Du liebſt, mein Sohn, Deine Fieberphantaſien haben es Anna zuerſt, ſpäter auch mir und der Mutter verrathen. Bald war es der Name«Julie», den Du mit halbgeſchloſſenen Augen leiſe ausſprachſt ein anderes Mal richteteſt Du Dich raſch empor, mit fragendem Blick uns anſtarrend, und ſankſt wieder zurück auf die Kiſſen;«o, nein, ſie iſt nicht hier! hörten wir Dich ſeufzen, und bald wieder ſprachſt Du in ſanftem Tone zu einer Gräfin, als ſtände ſie an Deinem Schmerzenslager und Thräne auf Thräne ergoß ſich bei dem Anblick über der Mutter gram volles Geſicht und über Anna's bleiche Wangen.

Da ſchauete der Oberſt freudeſtrahlend dem alten Manne in das wohlwollende, gutmüthige Geſicht und dankte mit herzlichen Worten für des Vaters ſo ſorgliche Liebe.Auch dieſe letzte Sorge wird Ihrem väterlichen Herzen bald, recht bald entnommen ſein, ſagte er endlich mit großer Lebhaftigkeit und ſchloß mit der Bitte:Haben Sie nur noch wenige Wochen Geduld und Sie werden ſich von meinem Glück über⸗ zeugen, welches bis dahin noch mein Geheimniß bleiben muß dann aber führe ich Ihnen die Tochter und meiner guten Anna die Schweſter zu, Ihr Alle werdet ſie lieben aufrichtig, von ganzem Herzen, wie die Herr⸗ liche es verdient.

Gott gebe es! entgegnete der Baron erſchüttert, und ich halte Dich für den Mann, der Wahrheit in den Worten ſpricht, die mir die ſchönſte Hoffnung meines Lebens verſichern.

Es war gegen Oſtern 1814. Adolphus Frederic, Herzog von Cambridge, hatte ſchon ſeit einigen Monaten Namens ſeines königlichen Bruders Georg IV. die Regierung von Hannover übernommen, als Oberſt v. Winterfeld in damaliger Ermangelung von Eiſen⸗ bahnen in einem eleganten neuen Reiſewagen durch das Calenberger Thor in die alte Weltſtadt einfuhr. Er nahm ſein Abſteigequartier in der ihm wohl⸗ bekannten, damals hoch renommirtenLondonſchenke und beeilte ſich, nachdem er einige Toilette gemacht, die etwa noch nothwendigen Dispoſitionen zu treffen, wie ſie durch den wichtigen Zweck ſeiner Reiſe bedingt

gehörendes Landgut in der Nähe vom Kloſter Loccum geben habe, um ſeine Ankunft dort zu erwarten. Nachdem ihre Angelegenheit im gräflichen Hôtel zu Hannover ihre ſchließliche Erledigung gefunden, ſollte dort auch in der Dorfkirche ihre Vermählung ſtatt⸗ finden.

Am anderen Morgen ſandte er ſeinen Diener zum Grafen O. mit der Anfrage, welche Stunde Sr. Excellenz genehm ſein würde, ihn zu empfangen. Graf O. ließ den Oberſten bitten, um 11 Uhr zu kommen, da ſeine Wagen ſchon gepackt ſeien, um präcis 12 Uhr ſeine Reiſe nach einem im Hildesheimiſchen gelegenen Gute anzutreten, wo er längere Zeit zu verweilen gedenke.

Winterfeld erfuhr ſpäter, daß Graf O., wie ſo viele andere ſeiner hannoveriſchen Standesgenoſſen, die eine hervorragende Rolle am weſtphäliſchen Hofe geſpielt hatten, erſt einem längeren Läuterungsproceſſe ſich unterziehen mußte, ehe er von der reſtaurirten Regierung wieder zu Gnaden angenommen wurde.

Um jedes Aufſehen zu vermeiden, begab ſich der Oberſt zu Fuß auf den ſchweren Weg. Als er am Ende der Egydienſtraße das ſchöne Stadthaus des Grafen erreicht hatte, ſah er alle Läden geſchloſſen, bis auf zwei Fenſter in der Beletage. Das ſcheinbar ausgeſtorbene Hötel machte augenblicklich auf ihn einen ſehr tiefen Eindruck. Doch er kämpfte mann⸗ haft die ihn überkommene Stimmung nieder, erfaßte den Glockenring und trat in das weite, von Möbeln faſt gänzlich leere Veſtibule. Der alte, ihm wohl⸗ bekannte Kammerdiener empfing ihn mit einem freund⸗ lichen Lächeln und beeilte ſich, die Stufen voran⸗ ſchreitend, den Erwarteten dem Grafen zu melden. Dieſer trat aus einem Cabinet, in dem tiefe Dämme⸗ rung herrſchte, in den lichten Empfangsſalon und erſuchte den Baron, ihm gegenüber Platz zu nehmen an einem in der Mitte ſtehenden runden Tiſche, auf dem einige Papiere lagen, deren Aeußerem man an⸗ ſehen konnte, daß es officielle Documente waren.

Die ſchönen Tage von Aranjuez ſind vorüber, Herr Baron! ſagte er mit einem Lächeln, das eher Wehmuth als Freude ausdrückte.Die neuen, ſo hell funkelnden Sterne ſind untergegangen und die alten, die verblichenen ſchimmern noch einmal wieder auf und mit ihnen die alten Perrücken und Zöpfe, um die erſtaunte Welt wieder mit dem Anblick der Vorzeit zu überraſchen. Es ſtehen trübe Tage bevor; das Schickſal des einſt in Paris und in Caſſel ſo viel geltenden Grafen Hardenberg wird Inen bekannt

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